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NORDPOLDÄMMERUNG  2009  ** Nordwest-Grönland **
Expeditions-Logbuch
15.06.08.07.16.07. 27.07.31.07.08.08.10.08.12.08.14.08.16.08.18.08.19.08.21.08.22.08.30.08.08.09.14.09.29.09.

Diestag, 18.08.2009
Pos. 77°59' N - 073°58' W
 

Die "Dagmar Aaen" manövriert erneut durch Eis. Heute morgen sind wir nach fast zweitägiger Wartezeit im geschützten eisfreien Gebiet zur Eiskante (Foto: Smith Sound)aufgebrochen, um noch einmal den Versuch zu unternehmen, Pim Island zu erreichen. Die Eiskarten zeigten eine weniger dichte Eiskonzentration als in den vergangenen Tagen - glücklicherweise treffen wir diese Verhältnisse auch an. Natürlich wissen wir nicht, wie weit wir dieses Mal in Richtung Nordwesten vordringen können, ein Quantum Ungewissheit fährt immer mit.

 

Wir nutzten die Wartezeit in Siorapaluk, um uns den Ort anzusehen und um die Einwohner kennenzulernen. In der Siedlung, die als die nördlichste natürliche Siedlung der Welt gilt, leben noch etwa 70 Menschen – allerdings nimmt ihre Population offenbar ab. Sie sind sehr nett und interessiert und wir fühlen uns sehr willkommen. Außerdem gibt es etwa 100 Hunde – die besten und gepflegtesten, die ich bisher in arktischen Regionen angetroffen habe.

 



Ich konnte ein langes Gespräch mit Ikuo Oshima führen, einem Japaner, der seit über 35 Jahren als Jäger mit seiner Familie in Siorapaluk lebt. Er berichtete mir von den unmittelbaren Folgen des Klimawandels, die hier seit etwa 10 Jahren zu bemerken sind und die in der Arktis wohl viel schneller zu spüren sind als anderswo auf dem Erdball. Das neue Eis bildet sich nun ungefähr zwei Monate später und es bricht darüber hinaus auch zwei Monate früher auf. Das Meereis sei völlig unsicher geworden und die Jäger könnten vielerorts nicht mehr zu ihren angestammten Jagdgründen gelangen. Eine Art Sicherheit gäbe es nur noch auf dem Fjordeis. Hundeschlittenfahrten nach Kanada - vor einigen Jahren durchaus üblich -  seien heute nicht mehr denkbar. Das ganze traditionelle Leben ist gravierenden Veränderungen unterworfen. Beispielsweise lässt sich das Fleisch nicht mehr so lange lagern, weil es beim Trocknen von Fliegen verdorben wird. Neuerdings muss es gesalzen werden. Das sind ganz unmittelbare Schilderungen, die erkennen lassen, dass klimatische Veränderungen in manchen Gebieten sehr schnell Einfluss zeigen.