Nordostpassage

Nordostpassage

Ende Mai startete Arved Fuchs mit einer internationalen Crew an Bord der "Dagmar Aaen" zu einer der größten Herausforderungen für einen Segler und Polarreisenden überhaupt: der Durchfahrung der legendären Nordostpassage.
Ausgangspunkt der Expedition "Nordostpassage" ist Hamburg. Innerhalb eines arktischen Sommers geht es in mehreren Etappen von tromsö über Murmansk und die Beringstraße nach Dutch Harbor (Alaska). Fuchs und sein Team wollen die Besonderheiten der hocharktischen Landschaft vermitteln und die polare Region zu Lande, zu wasser und aus der Luft erkunden, nach Spuren historischer Expeditionen suchen sowie die aktuelle Lage der Region dokumentieren.

Nach langem Zittern ist inzwischen auch die bislang größte Hürde genommen: die Durchfahrtsgenehmigung seitens der russischen Behörden. Nach einem monatelangen Verfahren wurde sie Ende April erteilt - nicht zuletzt dank der diplomatischen unterstützung durch das Auswärtige Amt in Berlin. Damit ist die "Dagmar Aaen" nach 1991, 1992 und 1994 erneut das einzige westliche Schiff, das eine Genehmigung erhalten hat.

Die Nordostpassage hat für Fuchs mittlerweile etwas Schicksalhaftes. Die extremen Eisverhältnisse zwangen ihn bereits zweimal zur Aufgabe, u. a. bei der Icesail-Expedition 1992. Damals saß die "Dagmar Aaen" neun Monate im Packeis fest, bevor Fuchs und seine Mannschaft sich zur Rückkehr nach Norwegen entschlossen.
Das schwere Packeis des Nordpolarmeeres wird vom Wind immer wieder bis ans sibirische Festland getrieben und bildet nahezu undurchdringliche Barrieren. Ganze Flotten, selbst Eisbrecher, sind schon darin eingeschlossen worden und konnten zum Teil erst nach Jahren befreit werden.

A.E. Nordenskjöld

Hauptaufgabe der Expedition wird es daher sein, taktisch geschickt zu manövrieren, um eine sichere Passage durch die Eisfelder zu finden. Polarexperte Fuchs ist zuversichtlich, bereits im ersten Anlauf (notfalls ist eine Überwinterung eingeplant) eine Schneise durch das Eis zu finden. Denn, anders als vor zehn Jahren, versorgt moderne Satellitentechnik die "Dagmar Aaen" mit aktuellen, großflächigen Eisinformationen. Außerdem ist das Schiff aufgrund seiner Bauart und Größe sehr wendig und kann dicht unter Land fahren.

Als Entdecker der Nordostpassage gilt der schwedische Forscher A. E. Nordenskjöld. Im Jahr 1878/79 gelang es ihm, mit seinem Schiff "Vega" entlang des sibirischen Kontinents in West-Ost-Richtung zu segeln. Damit hatte er den kürzesten Seeweg nach Asien gefunden. Ein Schiff, das von Europa durch den Suez Kanal nach Asien fährt, muss theoretisch fast die doppelte Distanz zurücklegen, um ans gleiche Ziel zu gelangen.

Die Expedition "Nordostpassage" wird die Spuren historischer Expeditionen kreuzen. Sie will einen thematischen Bogen und Verbindungen zum aktuellen Status des Gebietes bis hin zu seinen Zukunftsperspektiven herstellen. Für die Bewohner in den Siedlungen und Ortschaften entlang der sibirischen Küste stellte die Nordostpassage stets eine wichtige Lebensader dar. Nuklear-Eisbrecher machten den Weg frei für Fracht- und Versorgungsschiffe. Mit dem Ende der Sowjetunion  setzte allerdings ein Exodus aus den nördlich des Polarkreises gelegenen Siedlungen und Städten ein.

Durch die daraus resultierende wirtschaftliche Not gehen die Ureinwohner wieder dazu über, ihre alten Lebensformen und Traditionen erneut aufleben zu lassen. Andererseits gibt es Überlegungen, die Region wieder wirtschaftlich zu erschließen, Bodenschätze zu heben. Dabei ist die Erdölförderung ebenso im Gespräch wie die Wiedereröffnung des Verkehrsweges für die Frachtschifffahrt. Das ist - auch unter ökologischen Aspekten - die zeitnahe Seite der spannenden Expedition. Die gesamte Region befindet sich im Umbruch. das Expeditions-Team um Fuchs will auch diesen Wandel dokumentieren.

Die Reise ist eine riskante sportliche Herausforderung - aber nicht nur: Anhand eines real gelebten Abenteuers will sie Einblicke in die Geschichte und die Besonderheiten dieser hocharktischen Landschaft vermitteln.

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Veröffentlichung:

Mittwoch, 16. März 2016