Ring of Fire

Ring of Fire

Im Zuge der ICESAIL-Expedition im Jahr 1993 wäre Arved Fuchs (Foto) mit seiner Crew um Haaresbreite an der Nordwestpassage gescheitert. Der Expeditionsleiter hatte wegen der schweren Eispressungen sogar order gegeben, sich zum Verlassen des Schiffes vorzubereiten. Während der Nacht hatten sich Eisschollen unter den Rumpf gesetzt und die "Dagmar Aaen" angehoben. Trotzdem gelang es der Crew, mit viel Geduld die alte Amundsen-Route zu bewältigen und die Bering-See zu erreichen. Damals brach die Mannschaft im norwegischen Tromsø auf und kam nach 186 Tagen und 8154 Seemeilen durch die legendäre Passage.

Auch in diesem Jahr will Arved Fuchs auf den Spuren Amundsens segeln, nur geht es diesmal von Dutch Harbor aus in Richtung Grönland. Der in Borge (Ostfold) geborene Amundsen durchquerte 1903 als erster überhaupt die Nordwestpassage mit der "Gjöa". Im Alter von 15 Jahren fielen dem Norweger die Reisebeschreibungen des Polarforschers John Franklin in die Hände, der 1845 auf der Suche nach der Passage im Eis ums Leben kam. Als der Gymnasiast 1889 in Oslo die Heimkehr Fridtjof Nansens von der Überquerung des Grönland-Eises miterlebte, war sein Eifer nicht mehr zu bremsen.

100 Jahre nach Amundsen

Acht Jahre später ging Amundsen mit Empfehlung Nansens als Zweiter Offizier unter dem Kommando des belgischen Antarktisforschers Adrien de Gerlache auf seine erste Südpol-Expedition. Als Steuermann brachte er die "Belgica" sicher aus dem Eis und beschloss, die nächste Expedition selbst zu führen. Mit 29 Jahren machte er sein Kapitänspatent und kaufte den Heringsfänger "Gjöa". Mit ihm wollte der Norweger die legendäre Passage durchsegeln, an der John Franklin einst gescheitert war. Fridtjof Nansen verabschiedete seinen jungen Freund am Hafen von Oslo. Die "Gjöa" segelte ohne größere Zwischenfälle durch die arktische Inseltwelt.

Der Norweger blieb zwei Jahre bei den Netsilik-Inuit, da es keine Verbindung zur Außenwelt gab, galt Amundsen als verschollen. Im August 1905 brach die "Gjöa" zur Weiterfahrt in Richtung Westen auf - durch Gewässer, die auf keiner Karte verzeichnet waren. Am 26. August kamen ihnen ein Schoner aus San Francisco entgegen. Der amerikanische Kapitän fragte verblüfft, ob er Kapitän Amundsen sei. Danach gratulierte er dem Norweger: die Nordwestpassage war bezwungen! 100 Jahre nach dem Aufbruch Amundsens will nun Arved Fuchs mit der "Dagmar Aaen" erneut versuchen, durch die Passage zu segeln.

Geschichte der Aleuten

Vor ungefähr 10.000 Jahren siedelten "Unagan", sibirische Nomaden, auf den Inseln. Die harten Witterungsverhältnisse an den Küsten zur Beringsee zwangen die Bewohner der Region zu einer hohen Anpassungsfähigkeit. Sonst hätten sie in dieser unwirtlichen Landschaft nicht überleben können. Ihre einzige Lebensgrundlage war der Fischfang bzw. die Jagd auf Meeressäuger. Daher mussten die Aleutenbewohner eine wirkungsvolle Hochseefischkultur entwickeln. Sie fuhren mit mehrsitzigen Kajaks, so genannten Baidarkas, auf das Meer hinaus. Von allen Eingeborenengruppen weltweit, die mit kleinen Booten fischen und jagen, haben die Bewohner der Aleuten die schwierigsten und gefährlichsten Naturverhältnisse vorgefunden und es im Laufe der Jahrhunderte zur Perfektion im Umgang mit Kajaks gebracht.

Wegen der fehlenden Baumbestände auf den Inseln lebten die Aleuten in Erdbehausungen (Barabaras), die oft eine erstaunliche Größe hatten, so dass sich mehrer Familien dort aufhalten konnten. Bei einigen Gruppierungen wurden Tote einbalsamiert und als Mumien in Höhlen beigesetzt. Einige dieser Grabstätten sind entdeckt worden. Aber ein großer Teil ist offenbar noch immer verborgen. Die Ureinwohner der Aleuten wurden in den letzten 250 Jahren gedemütigt, ihre sozialen Strukturen zerschlagen und das Volk fast ausgerottet. Die auf unterschiedliche Inseln verteilten Gruppierungen waren stolz, teilweise kriegerisch.

Die Bewohner wurden interniert und verfrachtet

Dennoch konnten sie sich gegen die russischen Invasoren nicht erwehren. Sie wurden ermordet, versklavt oder starben durch eingeschleppte Krankheiten. Auch amerikanische und englische Jäger nahmen keine Rücksicht auf die Bevölkerung. Erst als Alaska 1867 von Russland an die USA verkauft wurde, verbesserte sich die Lage etwas. Vorübergehend erlosch das Interesse  ab der Region, da der Pelztierbestand nahezu ausgerottet worden war. Für manche Tierarten war es da bereits zu spät - die Steiler'sche Seekuh beispielsweise war unwiederbringlich ausgerottet worden. Schutzmaßnahmen bewirkten schließlich, dass sich der Pelztierbestand wieder erholte und die Jagd begann aufs Neue, wobei diesmal die Amerikaner die Spielregeln bestimmten. Wirklich besser ging es den Bewohnern der Aleuten dabei auch nicht.

In den Mittelpunkt des Interesses gerieten die Aleuten während des Zweiten Weltkrieges, als die Japaner 1942 die Inseln angriffen, Dutch Harbor (Foto) bombadierten und die Inseln Kiska und Attu einnahmen. Die Schlacht um die Aleuten entwickelte sich zu einer verlustreichen Schlacht auf beiden Seiten. Attu und Kiska wurden von den Japanern besetzt und nach schweren Gefechten von den Amerikanern zurück erobert. Als "The Forgotten War" wird die Schlacht um die Aleuten in Amerika bezeichnet.

Im Zuge der Kriegshandlungen wurden die Bewohner von den Amerikanern interniert und in südliche Landesteile verfrachtet, in alte Bergwerk-Camps oder Fischfabriken, um dort dahinzuvegetieren. Die zurückgelassenen Dörfer und Behausungen wurden samt ihrer Habe verbrannt. Erst lange Zeit nach dem Krieg durften die Überlebenden zum Teil in ihre alten aber zerstörten Siedlungen zurückkehren. Die verfallenen Internierungscamps mit ihren Friedhöfen gibt es noch heute in Südost-Alaska.

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Veröffentlichung:

Mittwoch, 10. September 2014