Geschichte der NWP

 
Die ersten geplanten Expeditionen in den hohen Norden fanden im 16. Jh. statt, das Bedürfnis nach neuen Handelswegen in den Orient war entstanden, parallel dazu der Drang, die Nordost- und Nordwestpassage zu finden. Bei den Anstrengungen, die Passage und den Nordpol zu erkunden, standen meist wissenschaftliche wie auch nationale Interessen im Vordergrund.
Einer der ersten wichtigen Seefahrer im Eis war der Däne Jens Munk (1579 - 1628), der im Auftrag des dänischen Königs Christian IV. den Auftrag bekam, den Seeweg von der Hudsonbai in den Stillen Ozean zu finden. Mit mangelhaften Navigationsgeräten ausgestattet verfehlte er jedoch die Hudsonstraße und musste bei Munkhavn überwintern. Von 64 Leuten überlebten nur drei Seeleute einschließlich Munk, die 1620 die Rückfahrt nach Norwegen schafften.
1743 setzte schließlich die britische Admiralität eine Belohnung über 20.000 £ aus für das Schiff, das als erstes die Passage bezwingen würde. 1819-20 war die Edward-Parry-Expedition (Bild links) der Lösung recht nahe gekommen, als sie in den Lancaster-Sound eingefahren war, durch die Barrow-Street in den Melville-Sound gesegelt war und damit den größten Teil des Seeweges entdeckt hatte.
Ein Jahr zuvor versuchte der englische Marineoffizier John Ross (1777 - 1856) mit der "Victory" (Bild rechts unten) im Auftrag der britischen Regierung, die Passage zu durchfahren. Er verfehlte sein Ziel, brachte aber wichtige Forschungsresultate mit nach Hause. Ross entdeckte die Halbinsel Boothia, war der Erste, der auf einer arktischen Expedition mit einem Dampfschiff unterwegs war (1829 - 33) und konnte die Position des magnetischen Nordpols bestimmen.
Die britische Admiralität war es erneut, die einen Marineoffizier einsetzte, um die Bezwingung der Passage erfolgreich zu bewältigen. Sir John Franklin (1786 - 1847) wurde. 1845 startete die Expedition, in der Baffin Bay traf die Mannschaft auf ein Walfängerschiff, mehr wurde von ihnen nicht gehört. Es stellte sich heraus, dass die Schiffe "Erebus" und "Terror" nordwestlich von King William Island vom Eis eingeschlossen wurden und Franklin 1847 dort starb.
Robert McClure wagte 1850 die Einfahrt in die Passage durch die Beringstraße, die "Investigator" (Bild unten links) blieb nördlich von Banks Island im Eis stecken. Drei Jahre später wurde die Mannschaft von einer anderen Expedition geborgen und setzte die Fahrt fort. So gelang McClure wieder nach Hause und war der erste, der die Passage durchfahren hatte - allerdings nicht in seinem eigenen Schiff. Daher betrug seine Belohnung auch "nur" 10.000 Pfund, die Hälfte der ursprünglich ausgesetzten 20.000.
Roald Amundsen aus Norwegen war der Erste, der die Nordwestpassage auf seinem eigenen Schiff bezwang (1903 - 1906). Mit seinem Schiff, der "Gjøa", segelte er von Osten her durch die Passage. Zwei Jahre verbrachte er in Gjoa Haven auf King William Island, wo er Forschungen zum Erdmagnetismus betrieb.
Er überwinterte noch ein drittes Mal an der Mündung des Mackenzie Rivers, ehe er sich 1906 in die Beringstraße aufmachte.
 


Im Verlauf der ICESAIL-Expedition durchquerte die Crew 1993 erstmals die Nordwestpassage, damals gelang es der "Dagmar Aaen" als drittem Schiff überhaupt,
den Seeweg ohne Eisbrecherunterstützung aus eigener Kraft zu durchfahren. Die Crew fuhr vor elf Jahren den Seeweg von Ost nach West und wird in diesem Jahr den umgekehrte Weg wählen. 100 Jahre nach Amundsen wird der alte Haikutter das 100. Schiff sein, dass die legendäre Passage durchfahren wird.
 

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