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Die Gesamtschule in Wittstock wird vertreten durch ihre Schulleiterin Sabine Steinbach. Die Schüler stellen ihre Fragen an die Crew direkt ins Forum der Expedition. |
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Eine kleine Übersicht der am Projekt teilnehmenden Schüler aus Wittstock |
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Die Fragen der Schüler und die Antworten von Bord der "Dagmar Aaen" |
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Wieviele Eisbären habt ihr gesichtet? Erwünschte Daten: - Tag / Anzahl, davon weiblich oder Jungtiere - geschätzte Größe und Gewicht - Besonderheiten im Erscheinugsbild - verletzte Tiere oder kranke Tiere |
Bisher haben wir zwei Eisbären gesichtet. Der eine
war nur aus weiter Entfernung im Nebel zu sehen, der unmittelbar neben dem
Eisbrecher "Kapitan Khlebnikov". Erstaunlich, dass der Bär überhaupt keine
Angst vor dem riesigen Schiff gezeigt hat. Er lag auf seiner Scholle, fast
unmittelbar neben der Bordwand und war in keinster Weise beeindruckt. Er
sah völlig gesund aus, von mittlerer Größe, weitab von jedem Land. Die
Tiere leben im Packeis und können durchaus weite Strecke schwimmen. Vom
Eis aus jagen sie ihre Hauptnahrung, die Robben. Direkt in Cambridge Bay gibt sehr selten Bären. Da wir aber jetzt weiter in Richtung Norden fahren, steigen die Möglichkeiten, vereinzelt Eisbären zun sichten. |
| Wie wird es nach den vermutlich im Oktober einsetzenden Frostperiode weitergehen? Einerseits mit eurer Expedition und mit den Informationen von euch für unsere Schüler, die eventuell eine Jahresarbeit schreiben wollen | Die "Dagmar Aaen" erreicht in den kommenden Tagen die Gemeinde Taloyoak (Spence Bay), dies wird eine Schlüsselstelle der Expedition werden. So langsam wächst die Spannung an Bord, da die Eislage im Peel Sound nicht unbedingt vorteilhaft aussieht. Wer möchte, kann über die Seite http://www.ice-glaces.ec.gc.ca die Entwicklung der Eisverhältnisse im Netz verfolgen. Die Übersichtskarte "Queen Maud Gulf" zeigt die Lage der Region, in der wir uns befinden. Parallel dazu gibt es die Karten der Uni Bremen unter http://www.seaice.de. Hier auf Sea Ice Maps klicken und anschließend auf North-West-Passage, unter nwp06.jpg erkennt man die aktuelle Eislage. |
| Wie alt werden die Inuits wie zum Beispiel im Dorf "Bay Chimo"? |
Die durchschnittliche Lebenserwartung bei den Inuit
liegt bei 50-60 Jahren und damit deutlich unter dem der anderen Kanadier.
Gründe dafür sind Krankheiten wie Krebs (viele Raucher) und
Zivilisationskrankheiten wie Diabetes (ungesunde Ernährung, viel Zucker),
Herzerkrankungen und eine hohe Selbstmordrate. Einige Inuit erreichen aber
auch ein recht hohes Alter. In BayChimo waren zwei Frauen in den
Achtzigern, Mary Arngnanyok Kaniak und Lena Ayalik Kamoyaok. Die Namen
setzen sich meist aus einem christlichen Namen (Mary) sowie dem
traditionellen Vor- und Nachnamen zusammen. Auch in Cambridge Bay und Gjoa
Haven haben wir viele alte Menschen getroffen. Sie mögen es meist nicht,
wenn man sie fotografieren oder filmen will, wir fragen sie vorher immer
und wenn sie Nein sagen verzichten wir darauf. Sind sind aber immer freundlich und haben ein Lächeln parat. Da viele Alte nur wenig oder auch gar nicht Englisch sprechen, sondern nur Inuktitut, ist es kaum möglich, sich mit ihnen zu unterhalten. Allerdings spricht Doug Inuktitut und daher haben wir einen Dolmetscher dabei. Mitunter wissen sie auch gar nicht, wie alt sie sind. Man muss sich vorstellen, dass die Alten wirklich noch als Nomaden mit Hundeschlitten über die Tundra gezogen sind um die einzelnen Jagdreviere aufzusuchen. Stellt Euch mal vor , was ein Menschenleben für die Menschen an Veränderungen gebracht hat! Heute haben sie TV und geheizte Häuser, aber noch vor 30 - 40 Jahren gab es das alles nicht. Früher wurde auch nichts aufgeschrieben sondern alles Wissen mündlich überliefert. Die ganze Mythologie der Inuit ist von Generation zu Generation weiter erzählt worden. Zeitrechnung war mehr in Bezug auf die Jahreszeiten wichtig. |
| Wie und wie lange gehen die Kinder zur Schule? | Die Bevölkerung der Inuit ist extrem jung. In Gjoa Haven z.B. sind 50% der Bevölkerung unter 16 Jahre alt. In Taloyaok, einer Siedlung mit ca. 700 Einwohnern, gibt es rund 250 schulpflichtige Kinder. Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass 14- oder 15-jährige Mädchen schon Kinder bekommen. Es ist daher häufig üblich, dass in solchen Fällen die Kinder von den Großeltern oder Verwandten adoptiert und aufgezogen werden. Es gibt eine Schulpflicht und offiziell müssen Kinder bis zum 16. Lebensjahr die Schule besuchen. Häufig verbringen die Kinder aber viel Zeit mit den Eltern außerhalb der Ortschaften in Camps um zu fischen oder zu jagen und dann gehen sie auch nicht zur Schule. In den Siedlungen klappt das aber recht gut. |
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Gibt es die alten Traditionen noch, zum Beispiel,
dass das erstgeborene Kind , falls es ein Mädchen ist, auf eine Eisscholle zu legen und von einem Eisbären fressen lassen? Sind Jungen als Kinder "beliebter"? |
Das Aussetzen von Mädchen wird heututage zum Glück nicht mehr praktiziert. Aber noch in den 30iger oder 40iger Jahren gab es dass. Das geschag nicht aus Herzlosigkeit oder um Opfergaben zu bringen, sondern einfach der Not gehorchend. Wenn eine Frau z.B. Zwillinge bekam, dann konnte sie oft nicht beide Kinder ernähren und musste sich von einem trennen. Das ließ sie dann erfrieren. Jungen waren deshalb wichtiger für die Gruppen, da sie Jäger wurden und die Familien ernähren mussten. Außerdem war die Sterblichkeitsrate bei den erwachsenen Männern sehr viel höher als bei den Frauen, da die Männer sehr oft durch Jagdunfälle ums Leben kamen. Eine Witwe mit Kindern konnte gelegentlich dazu gezwungen werden ihre Kinder zu töten, wenn diese nicht adoptiert wurden oder sie einen neuen Lebensgefährten fand. Es kam zu Zeiten von Hungersnöten auch vor, dass sich die Alten während der Fahrt einfach vom Hundeschlitten fallen ließen und keiner hielt an um sie wieder auf den Schlitten zu heben. Die Alten erkannten, dass sie für die Gemeinschaft eine Belastung darstellten und nur ein zusätzlicher Esser waren. Das was für uns herzlos und roh klingt, war in damaligen Zeiten eine absolute Notwendigkeit. Nur so konnten die Inuit über Generationen in diesem extremen Klima überleben. Die Natur hat diesen Menschen wirklich sehr viel abverlangt. Und trotzdem kam es immer wieder vor, dass ganze Sippen verhungerten. |
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Haben sie jetzt bereits zu Beginn Ihre Expedition
deutlich sicht-und spürbare Veränderungen in der Arktis im Vergleich zu
Ihren vergangenen Expeditionen in diesem Raum feststellen können, beispielsweise: -deutliche Temperaturveränderungen, oder -Veränderungen der Eismassen, -oder Veränderungen genrell des Klimas -(größere, länger anhaltene Stürme, extrem wechselde Windstärken)? |
Im letzten Jahr haben wir in Alaska bei Point
Barrow deutliche Anzeichen von Erosion feststellen können. Das Meer dort
bleibt länger und über größere Strecken eisfrei. Dadurch entwickeln sich
über einen längeren Zeitraum höherer Seegang der an den Küsten nagt und
sie abträgt. Das gab es früher nicht. Bei Point Barrow liegt das Eis
derzeit weiter im Norden als üblich. Da zugleich der Permafrostboden
tiefer abtaut, geht die Erosion teilweise zügig voran. Derartige
Erscheinungen kann man auch anderenorts (z. B. Tutktuyuktuk) feststellen.
Die Klimaveränderungen sind aber sehr komplex, d.h. in einigen Regionen
ist es sogar noch kälter. Wir haben in der NWP zwei sehr kühle Sommer
(2003/2004) gehabt und einen sehr kalten und langen Winter. Es gibt diesen
Sommer z.B. keine Beeren hier, da es einfach zu kalt war. Dementsprechend
ist das Eis auch viel später und in geringerem Maße aufgebrochen, an
einigen Stellen ist es gar nicht aufgebrochen. Trotzdem sagen einige Inuit, dass sich das Klima verändert. So gibt es mehr und heftigere Stürme. Auch der Kapitän des Eisbrechers, Norman Thomas, sagt, dass es vor zwanzig Jahren erheblich mehr Eis gegeben hat - trotz des diesjährigen kühlen Sommers. Alles ist also relativ. Global Warming bedeutet nicht, dass sich die Erde oder die Arktis überall gleichmäßig erwärmt, sondern das ist regional sehr unterschiedlich und zeigt sich auch unterschiedlich. Brent sagt z.B., dass sich das Verhalten einiger Tiergattungen verändert hat, z. B. das der Insekten oder auch der Zugvögel. In diesem Zusammenhang ist es sicher interessant einmal die diesjährige Eisverteilung in der gesamten Arktis mit früheren Jahren zu vergleichen. Auf der Homepage http://www.seaice.de kann man im Archiv nach alten Eiskarten suchen. |
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Betrifft Ihr Besuch in Bay Chimo: Welche Sprache lernen die Inuit als Muttersprache und dann als Kommunikationssprache? |
Die Inuit lernen zu Hause Inuktitut als ihre Muttersprache. Das ist regional sicher Schwankungen unterworfen, und je weiter man nach Süden und an größere Ortschaften gelangt, desto größer wird der englische Anteil, besonders auch durch das Fernsehen, das heute überall zu empfangen ist. Englisch ist aber die erste Sprache, die in der Schule gelernt wird und in Nunavut gilt Inuktitut als die erste Sprache. Auch im Radio gibt es Sendungen in beiden Sprachen. Das Territorium Nunavut gibt es seit April 1999 und es leben dort ca. 30.000 Menschen. Die Fläche ist etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt ist Iqualuit (früher Frobisher Bay) auf Baffin Island. |
| Ist der Eisbär ähnlich ,,dem Rind" in Indien ein,,heiliges Tier"? | Der Eisbär ist kein heiliges Tier wie die Kuh in Indien sondern er wurde von jeher von den Inuit gejagt. Allerdings war die Jagd immer sehr gefährlich (früher mit Speeren), so dass viele Jäger dabei umkamen. Er lieferte aber viel Fleisch und extrem warme Felle etc. In den Märchen und Fabeln der Inuit spielt er natürlich eine wichtige Rolle, wie z.B. auch der Rabe. Der Eisbär stellte früher für die Menschen auch eine reale Bedrohung dar, da er Vorratslager auffraß oder Schlittenhunde tötete. Der Verlust an Nahrung und Hunden konnte den Hungertod für die Inuit bedeuten. Deshalb sah man in dem Eisbären eine Bedrohung und ein Wildbret. Zugleich galt es natürlich als besonders mutig, einen Bären zu erlegen. Früher haben das viele Jäger mit ihrem Leben bezahlt oder wurden dabei schwer verwundet. |
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Durch das Verfolgen der Expedition
ICEBOUND 2004 wurden einige Schüler der Klasse 7a angeregt, kleine
Geschichten zu schreiben, die sich mit dem Thema "Leben im Eis"
beschäftigen. Hier zwei Beispiele: |
Sarah Zehlke ,, Der
gefährliche Eisbär,, Es war eine stürmische Nacht. Der kleine Eisbär Nico suchte Schutz in einer Höhle. Als er eine gefunden hatte, lief er sofort hinein. Er machte es sich bequem, bis er einen großen dunklen Schatten sah. Nico sprang auf, er sah einen großen, alten Eisbären vor sich stehen. Schnell lief Nico davon, er rannte um sein Leben, denn der alte Bär verfolgte ihn. Plötzlich entdeckte Nico eine kleinere Höhle und spurtete sofort hinein. Der große Eisbär konnte ihm nicht folgen, so setzte er sich davor und wartete. Nico blieb ängstlich in der Höhle sitzen. Es waren viele Stunden vergangen. Der große Hunger quälte Nico, aber er fand nichts zum Fressen. Er schrie nach seinen Eltern und tatsächlich hörten sie ihn, da sie in der Nähe nach ihm suchten. Sie vertrieben den alten Bären, liefen zum Ufer und nahmen Nahung zu sich. Nico war wieder glücklich und munter. Tom Kanthak "Der Eissee" Hallo, mein Name ist Tom. Ich war mit meiner Crew zum Eismeer gefahren. Es war kalt, doch wir mussten durchhalten. Eines Morgens sagte mein Steuermann: “Kapitän, wir können nicht weiter!" Ich fragte, warum wir nicht weiter kämen und er antwortete: ,,Wir sind im Eis eingefroren." Als der Rest der Crew auf Deck kam, fragte mich mein Maat: ,,Was ist denn hier los?" Ich antwortete, dass wir im Eis stecken geblieben seien. Alle waren sprachlos und eine Totenstille trat ein. Als wir dachten, es kann nicht schlimmer kommen, hatten wir uns geirrt. Man hörte das Knallen von etwas Großem gegen unser Boot, doch es war falscher Alarm, denn man sah einen Weißwal, der sich wohl verirrt hatte. Ich denke, es war von allen Tagen der schlimmste. Ich hoffe, dass wir bald weiter können. Wenn wir wieder raus sind, bekommt ihr eine E-mail von uns. Bis dann, euer Tom! Grüße auch von meiner Crew! |
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© 2004, Arved Fuchs, Reiherstieg 2, 24576 Bad
Bramstedt. |
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