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      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Dreharbeiten in Upernavik
 
               

05.02.:
Rémy und ich machen eine Shopping-Tour nach Upernavik. Wir benötigen dringend Sprit für unser Beiboot, außerdem Trinkwasser und ein paar frische Kartoffeln aus dem Supermarkt. Die obligatorische Dusche im Krankenhaus lassen wir natürlich nicht aus und genießen das warme Wasser, das einfach so aus dem Duschkopf sprudelt. Einfach sensationell!
Rémy macht sich am Nachmittag auf den Rückweg, ich bleibe in Upernavik und verbringe den Abend bei Leif. Bei einem guten Abendessen bekomme ich mal wieder sämtliche News aus aller Welt.

06.02.:
Heute sehe ich die Sonne das erste Mal und bin entzückt und geblendet. Ich muss erst einmal die Augen schließen, denn so viel geballte Strahlung habe ich schon lange nicht mehr abbekommen. Für runde 30 Minuten stehe ich still und lasse das Sonnenlicht und die Atmosphäre auf mich wirken. Wirklich sehr sehr schön!
Den Abend verbringe ich in großer Runde. Vier bekannte Gesichter haben sich bei Inger Marie, der dänischen Krankenschwester, eingefunden. Wir tauschen Erfahrungen und Neuigkeiten aus. Die Gesellschaft ist angenehm, die Gespräche sehr interessant und spaßig. Ich fühle mich wohl in der Runde.

07.02.:
Ich bin immer noch auf der Upernavik-Insel. Zusammen mit Inger-Marie mache ich eine Wanderung. Es ist zwar nicht der allerschönste Tag, aber die Schneebedingungen sind optimal. Eine hart gefrorene Schicht macht es uns leicht, uns auch ohne Schneeschuhe oder Skier zu bewegen. Während unserer Wanderung bringen einheimische Jäger zwei geschossene Eisbären nach Upernavik. Sie wurden ca. zehn Meilen nördlich auf dem Meereis erlegt. Die jährliche Abschussquote ist sehr gering und wird strengstens kontrolliert. Eisbären dürfen nur mit einer Lizenz gejagt werden oder in Notwehrsituationen geschossen werden. Sollte sich z. B. ein Tier in die Ortschaft verirren, würde es aus Sicherheitsgründen erlegt werden müssen.

08.02.:
Ich habe das Glück, von Fischern zurück zur "Dagmar Aaen" gebracht zu werden. Sie fahren sowieso in diese Richtung, denn ihre Langleinen zum Heilbuttfang liegen im großen Fjord genau hinter unserer Bucht. Die gesamte Vier-Mann-Besatzung ist sehr freundlich, sie lassen mich in unmittelbarer Nähe zur Dagmar von Bord springen. Ich bin also nach dem Wochenendurlaub wieder zurück auf dem Schiff. Hier ist alles unverändert und gut. Kai und Rémy sind bester Dinge - zusammen verbringen wir den restlichen Tag mit Schnitzen, Computerarbeit und Schwätzen.

09. - 12.02.:
Die Tage sind ruhig. Wir verbringen viel Zeit unter Deck, säubern das Schiff und richten die beiden Kojen für Bernd und Uwe Topas-Film. Sie sollen am 12. Februar in Upernavik eintreffen.
Nach einer Nacht in Upernavik kommen Bernd und Uwe nachmittags hier an der "Dagmar Aaen" an. Wir empfangen sie herzlich an Bord, tauschen Neuigkeiten aus und besprechen die nächsten Drehtage. Heute wird noch nicht gefilmt, wir machen lieber eine kleine Wanderung durch die Umgebung, damit sich die Neuankömmlinge auch an Eis, Schnee und Temperaturen um die -10 °C gewöhnen können.

13./14.02.:
Auch den zweiten Tag lassen wir erst einmal langsam angehen. Die Wetterbedingungen sind nicht optimal, es ist neblig und etwas windig. Trotzdem drehen wir nach einem ausgiebigen Frühstück die ersten Sequenzen.
Die Stimmung ist gut und wir als Crew kooperieren gut und versuchen so normal wie möglich vor der Kamera zu agieren. Bernd und Uwe fügen sich ohne Probleme in das Leben an Bord der "Dagmar Aaen" ein.
Der Folgetag ist einfach wunderschön! Klarer Himmel, Sonnenschein von 10 bis 15 Uhr, Temperaturen um -10 °C.
Wir machen alle zusammen einen "Ausflug" mit unserem Beiboot, fahren kreuz und quer durch den Fjord. Vorbei an unzähligen Eisbergen, durch eine spiegelglatte Schicht aus frischem Meereis - immer im Sonnenlicht, bis es uns zu kalt wird. Es ist ein perfekter Tag zum Filmen. Wir sind alle glücklich und voll wunderbarer Eindrücke.

15.02.:
So muss es sein! Wie bestellt, empfängt uns der nächste klare, sonnige und farbenfrohe Tag. Wir besteigen einen Gipfel und bestaunen den sagenhaften Ausblick bis hin zum grönländischen Inlandeis. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass die aufgenommenen Filmsequenzen allererste Sahne geworden sind...
Unser Nachbar der Polarfuchs hat die Gipfelbesteigung ebenfalls bestritten und genießt jetzt sichtlich die Hauptrolle des heutigen Drehtages. Glückwunsch an alle Beteiligten - die Bilder sind sicher und gut im Kasten.
Den Abend verbringen wir ganz in Ruhe im Mittschiff. Wir verwöhnen uns mit frischem Fisch und genießen ein ungezwungenes Gespräch.

16.02.:
Heute besuchen wir Appillaktoq. TOPAS-Film hat ein Fischerboot für den kompletten Tag gechartert, also können wir ganz entspannt die Überfahrt in die zehn Meilen entfernte Siedlung genießen. Morgens ist das Wetter und somit auch die Sicht noch ziemlich gut, erst während der Rückfahrt werden sich die Verhältnisse schlagartig ändern.
In Appillaktoq treffen wir viele bekannte Gesichter. Vor allem die fröhlichen Kinder sind wieder unsere ständigen Begleiter. Sie sind wirklich so herzlich und erfrischend unverbraucht - es ist wunderbar, eine kurze, aber freudige Zeit mit ihnen verbringen zu können.
Wir werden von Peter, einem alter Jäger und Fischer zum Kaffeetrinken eingeladen. Obwohl die Verständigung nicht ganz so einfach ist, vermittelt er uns doch einen Eindruck von seinem Dasein. Er zeigt uns sein Haus, stellt uns seiner Familie vor - spricht über die momentanen Eisbedingungen, seine Schlittenhunde und den Heilbutt-Fang. Er ist ein aufgeregter und lustiger Zeitgenosse - und wir wollen ihn eigentlich gar nicht so schnell verlassen. Wir verabreden uns für einen weiteren Plausch auf der "Dagmar Aaen" in zwei Wochen. Gegen 15 Uhr brechen wir wieder auf und schon eine halbe Stunde später herrscht dichtes Schneetreiben.
Auch der Wind frischt auf, und als wir um 16:30 Uhr die Dagmar erreichen, sind die Wetterbedingungen alles andere als entspannt. Es ist regelrecht stürmisch. Tja, so schnell kann das gehen.
Wir verabschieden uns von Bernd und Uwe und verziehen uns schnell unter Deck. Insgesamt war dieser Tag sehr erfolgreich und schön.

17.02.:
Ich bekomme die Nachricht, dass um Upernavik weitere Eisbären gesichtet worden sind. Ab jetzt müssen wir uns also vorsichtiger bewegen und wenn wir uns weiter vom Schiff entfernen eine Waffe mitführen. Arved warnt uns noch einmal eindringlich. Die Eisbären sind gefährlich, sie können in bestimmten Situationen sehr aggressiv sein. Wir nehmen diese Warnung sehr ernst, säubern das Gewehr und erproben noch einmal die Funktionstüchtigkeit unserer Schreckschusspistole.
Nachmittags mache ich eine Wanderung über die Insel. Es ist wunderschön, doch trotz Bewaffnung und hoher Aufmerksamkeit habe ich ein mulmiges Gefühl. Wie würde ich wohl tatsächlich bei einer Begegnung mit einem Eisbären reagieren?

18. - 21.02.:
TAUWETTER! Die Temperaturen steigen wieder auf unglaubliche +2 °C. Wir rechnen mit stürmischen Tagen, denn uns haben die vergangenen Monate gelehrt, dass milde Temperaturen stürmische Winde aus dem Süden zur Folge haben.
Tatsächlich frischt der Wind auf. Starke Böen und Schneefall bestimmen unseren Tag. Wir verbringen die meisten Stunden unter Deck. Es ist immer noch recht stürmisch. Aber die Temperaturen sinken im Laufe des Tages auf -11 °C, auch der Wind nimmt ab.
Kai und Rémy machen eine Wanderung und begutachten die Eisbedingungen rund um unsere Insel. Die Eisberge und Schollen sind in ständiger Bewegung. Sie driften je nach Windstärke, Windrichtung und Meeresströmung. Es ist interessant und wichtig für uns, die Eisbewegungen im Auge zu behalten. Denn in ein paar Tagen werde ich die Dagmar verlassen und muss einen sicheren Weg bzw. eine machbare Möglichkeit finden, Upernavik zu erreichen.


         
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