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09. - 11.01.:
Ein klarer, kalter Tag. Der Himmel ist wolkenlos und wir
können sehen, dass die Tage wieder merklich länger werden.
Die Temperatur fällt auf ca. -15 °C.
Über Nacht hat sich eine dünne, aber geschlossene Eisschicht
in der ganzen Bucht gebildet. Wir sind erstaunt, dass es
jetzt doch so schnell geht. Natürlich ist dieses erste
Meereis noch nicht begehbar, aber es sieht immerhin schön
aus und wir gehen davon aus, dass es bei den Minusgraden
bald stabiler sein wird.
Es schneit, ist aber fast windstill. Rémy braucht ca. 40
Minuten, um den Außenborder unseres Beibootes zu starten.
Die Kälte macht auch dem Motor zu schaffen, doch schließlich
gelingt der Start und wir brechen uns eine Rinne entlang des
Ufers frei. Rémy bringt mich über den Fjord auf die
Upernavik-Insel. Der Aufstieg zum Flughafen ist
beschwerlich, aber mit etwas Vorsicht gut zu meistern. In
Upernavik Down-Town treffe ich viele bekannte Gesichter. Ich
spreche mit Sarmo (dem Freund von der Tankstelle), Karl
Peter (einem 25-jährigen Seefahrer, der sich sehr für die
Dagmar Aaen interessiert) und natürlich mit Leif aus dem
Krankenhaus. Bei ihm verbringe ich auch die Nacht. Wir essen
zusammen und unterhalten uns stundenlang über Gott und die
Welt. Ich genieße diesen Abend sehr.
12. - 13.01.:
Es schneit, bzw. der Schnee driftet. Wind aus dem Norden bei
-16 °C. Der Tag beginnt um 6:30 Uhr ungewöhnlich früh.
Ich frühstücke mit Leif und spüre seit Monaten mal wieder
einen "normalen" Arbeitsrhythmus, bzw. Tagesablauf. Ich gehe
einkaufen, erledige die Post und besuche die dänische
Krankenschwester Inger-Marie. Wir unterhalten uns ebenfalls
sehr ausgiebig über unsere Überwinterung und die Stimmung in
Upernavik. Es scheint, dass die ungewöhnlichen Temperaturen
und damit auch die Eisbedingungen nicht nur uns zu schaffen
gemacht haben. Ich bin froh, Inger-Marie und Leif als
Ansprechpartner zu haben, die Gespräche mit beiden sind sehr
interessant.
Später
am Tag besuche ich einen weiteren Freund mit Familie.
Gabriels Türe ist immer offen, ich statte einen
unangemeldeten Besuch ab. Die Atmosphäre ist entspannt, wir
unterhalten uns über die "moderne" Lebensweise der meisten
Grönländer, über Ausbildung und Studium - und damit
verbunden auch über die Zukunft des Landes, bzw. der
Menschen. Ich erfahre viel über die Denkweise und genieße
die gewöhnliche Alltagssituation. Zum Abendessen werde ich
selbstverständlich eingeladen. Sara (Gabriels Frau) serviert
ein traditionelles Gericht aus Narwal, Kartoffeln und
Zwiebeln - ziemlich lecker!
Die Nacht verbringe ich diesmal bei Inger-Marie. Ich schlafe
exzellent in einem 1,00 x 2,00-Meter-Bett - morgens um 7 Uhr
bin ich frisch für den kommenden Tag.
Frühstück um 7:30 Uhr, dann Abwasch und Schnee schippen. 10
Uhr Besuch auf dem Polizeirevier von Upernavik. Unser
letztes Treffen ist mit Sicherheit schon einen Monat her.
Die Officer sind erleichtert, dass die Dagmar noch nicht
untergegangen ist und es der Crew gut geht. Wir beschließen,
ab jetzt regelmäßig im Kontakt zu sein. Unsere Freunde von
der Polizei wollen einfach wissen, ob alles in Ordnung ist.
Ich finde es sehr vorteilhaft und erfreulich, dass die
Behörden und auch die Einwohner von Upernavik sich Gedanken
über unser Wohlbefinden machen.
Um 12 Uhr sind Kai und ich wie verabredet im Funkkontakt.
Die Wetterbedingungen sind zwar nicht exzellent, trotzdem
wollen wir eine Überfahrt von der Dagmar zur Upernavik-Insel
versuchen. Kai und Rémy brechen wieder mühsam eine Rinne
frei. Die Meereisschicht (in unserer Bucht) ist schon
erstaunlich kompakt und macht das "Ausbrechen" der beiden
nicht einfach. Nach einer Stunde Arbeit und einem Abstieg
vom Flughafen treffen wir uns am Ufer und setzen zur Dagmar
Aaen über. Alles geht gut. Die Temperatur beträgt -15,2 °C,
erstaunlicherweise schneit es.
14. - 15.01.:
Die
Temperatur sinkt bis auf -19,9 °C. Wir beschließen, nun 2x
täglich die Rinne durchs Eis zu öffnen. Es bleibt uns nichts
anderes übrig, denn ansonsten kommen wir mit unserem Beiboot
nicht mehr durch die ständig wachsende Eisschicht. Nächste
Woche kommt Arved zu Besuch, uns schon jetzt machen wir uns
Gedanken, wie wir ihn am besten an Bord bekommen können.
Mittags haben wir die ersten Probleme mit gefrorenen
Wasserleitungen an Bord. Kai und Rémy arbeiten im
Maschinenraum und können schließlich durch Antauen der
Leitung unseren Generator starten. zum Verständnis: Kein
Wasser = keine Kühlung = kein Strom = nichts geht mehr! So
einfach, oder so schwierig ist unsere Lage.
Tja, die Meerwasserleitung ist tatsächlich gefroren. Bei
einer Außentemperatur von -21,1 °C und -5 °C im
Maschinenraum kann das schon mal passieren, sollte aber
nicht. Wir können erst einmal weder den Generator noch die
Toiletten benutzen.
Kai macht sich an die Arbeit und schafft es im Laufe des
Tages, das Wasser wieder durch die Leitungen zu bringen. Wir
sind erleichtert und beschließen nach dieser Erfahrung
unseren Tagesrhythmus etwas an die Temperatur im
Maschinenraum anzupassen. Ab jetzt müssen der Generator und
die Heizung täglich morgens und abends für jeweils zwei
Stunden laufen. Es ist notwendig, dass wir die Leitungen auf
einer Minimaltemperatur von 0 °C halten.
Kai repariert außerdem eine Abwasserpumpe. Sie hatte
zeitgleich mit der gefrorenen Leitung ihren Geist
aufgegeben.
16.01.:
Ein schöner Tag mit viel Licht.
Rémy setzt die Arbeit vom Vortag fort und isoliert den
Maschinenraum so gut es eben geht. Ziel dieser Übung:
möglichst wenig Wärme verlieren.
Ich säge vormittags unser Beiboot aus dem Eis und starte den
Außenborder. Er soll schon mal warm laufen, damit wir später
erneut eine Rinne durchs Eis brechen können. Bei der Arbeit
bin ich leider etwas unachtsam und breche selbst durch das
dünne Eis. Bis zur Hüfte bin ich im Wasser, kann mich aber
ohne größere Probleme wieder aufs feste Eis ziehen. Was
bleibt ist ein gewaltiger Schreck und die Mahnung zur
Vorsicht. Es war reine Unachtsamkeit bzw. Sorglosigkeit, die
dieses Missgeschick verursacht haben. Ich werde in Zukunft
besser aufpassen müssen. Nachmittags brechen Rémy und ich
die Rinne durch das Eis. Es ist ein mühsames Unterfangen und
es schadet Boot und Propeller doch gewaltig. Die Eisschicht
ist inzwischen bis zu 15cm dick, an manchen Stellen haben
sich einzelne Schollen übereinander geschoben und bilden
noch dickeres Eis. Wir brauchen ca. 40 Minuten, um 100 Meter
Eis innerhalb der Bucht zu brechen.
Da sich weiteres Eis zu bilden scheint, beschließen wir,
dass diese tägliche Aufgabe für uns, aber vor allem für das
Material nur schlecht ist. Wir "parken" also unser Boot in
eine kleine, geschützte Bucht und wandern zurück zur Dagmar.
Wir benötigen für diesen Weg über schneebedeckte Hügel und
anschließend über die zugefrorene Bucht etwa 15 Minuten. Wir
sind achtsam und gehen keinerlei Risiken ein. Bei Anbruch
der Dunkelheit (ca. 15 Uhr) sind wir zurück auf unserem
warmen Kahn.
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