Homepage Arved Fuchs Expedition "Nordpoldämmerung" Logbuch "Nordpoldämmerung"

      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Heftiger Sturm und viel zu warm...
 
               

11.12.:
Es ist ein klarer Tag, morgens fast windstill. Wir stehen früh auf und Rémy und ich machen uns auf den Weg nach Upernavik. Der Fjord ist komplett eisfrei, es ist auch kein Problem den Hafen zu erreichen. Wir erledigen den letzten großen Einkauf, holen Wasser und Benzin, verschicken unsere zahlreiche Weihnachtspost und sind vielleicht das letzte Mal 2009 im Internet. Der Tag in Upernavik ist arbeitsreich, aber schön. Um 16.00 Uhr und in absoluter Dunkelheit sind wir zurück auf der Dagmar. Frisch geduscht und bester Laune.

12.12.:
Wow, es ist windstill und warm heute. Die Außentemperatur beträgt -3,3 °C, das Meerwasser hat an der Oberfläche eine Temperatur von -0,9 °C und in 1 Meter Tiefe -0,7 °C. Im Mittschiff ist es mit +23,5 °C natürlich auch gemütlich warm (vielleicht auch etwas zu warm!), Rémys Koje hat +16,8°C und eine unbewohnte Koje +11,4°C. Ich bin mit dem Plastikboot unterwegs, fischen ... aber nicht sonderlich erfolgreich. Trotzdem genieße ich die Ruhe und eine spiegelglatte  Wasseroberfläche. Sensationell!
Später am Tag treibt eine leichte Strömung das Eis aus unserer Bucht. Es könnte sein, dass wir in den nächsten Tagen steuerbords wieder eisfrei sind. Kai und Rémy wurschteln unter Deck. Messer werden handgefertigt und
Lederarbeiten mit Sorgfalt erledigt. Die Resultate können sich wirklich sehen lassen! Respekt! Um Mitternacht sind wir noch mal alle zusammen an Deck und bewundern den klaren Sternenhimmel. Es ist wunderschön ... nur die hohen Temperaturen mit 0,7 °C mitten im grönländischen Dezember kommen uns etwas seltsam vor.

13.12.:
Der Wind hat gedreht. Er ist mit 25KT stärker geworden und kommt aus südlicher Richtung. Die Temperatur ist mit +2 °C außergewöhnlich hoch. Das Eis an der Steuerbordseite hat sich wie befürchtet verabschiedet. Und bald schon könnte die Dagmar wieder komplett im freien Wasser liegen. Wir legen eine weitere Leine an Land, nur um sicher unsere Position halten zu können. Wir sprechen ausschließlich über die warmen Wetterbedingungen, das Eis und wie uns die momentane Situation beeinträchtigen wird. Unsere Lebensmittelvorräte sind gefroren an Deck (in Boxen) gelagert ... doch schon heute müssen wir Fisch- und Robbenfleisch verwenden, denn es ist angetaut. Die 5 kg Moschusochsenkeule legen wir auf Eis und hoffen, dass sie diese warme Periode gefroren überstehen wird.
Wir säubern das Deck, ordnen Leinen und Anker. Schmelzen Eis, bevor es von selbst zu Wasser wird und  ungebraucht von Bord fließt.

14.12.:
Morgens kommt der Wind wieder aus nördlicher Richtung, die Temperatur bleibt mit warmen +2,0 °C unverändert hoch. Wir erledigen wieder Arbeiten auf Deck, es ist jetzt tutto kompletti eis- und schneefrei!!! Kai entscheidet den dritten Anker auszuwerfen. Das machen wir auch glücklicherweise noch rechtzeitig. Um 17.00 Uhr haben wir 40KT Wind. Die Dagmar liegt im freien Wasser. Gesichert mit drei Ankern und fünf Leinen. Temperatur: unglaubliche +4,0 °C!!! Um 18.30 Uhr sind wir alle an Deck, der Wind bereitet uns etwas Kopfzerbrechen, denn er nimmt stetig zu. 60KT aus südlicher (bzw. südöstlicher) Richtung.
Es ist der erste heftige Sturm, den wir hier erleben mit Böen bis zu 80KT. Da die Anker nicht richtig greifen, driften wir etwas in die Bucht. Kai startet die Maschine. Unsere Stimmung ist angespannt, da wir nur noch an zwei Leinen hängen. Wir entscheiden uns, die Dagmar weiter abzusichern, also holen Rémy und ich mit dem Beiboot eine weitere Leine, die sich noch in der Bucht befunden hat. Wir bringen sie zusätzlich am Heck an und zurren sie fest ... jetzt können wir unsere Position halten. Um 23.00 Uhr lässt der Wind nach. Alle Leinen haben gehalten (aber gelitten!). Wir sind erleichtert und stoppen die Maschine um Mitternacht. Unter Deck müssen wir Scherben zusammenfegen und Ordnung schaffen. Wir besprechen unsere Lage und die Aufgaben für den nächsten Tag.

15.12.:
Der Tag beginnt beinahe windstill. Es ist mit -2,1 °C wieder etwas kälter. Wir entschließen uns, die Dagmar noch weiter in die Bucht zu verlegen. Per Hand und Winch (Winde) setzen wir nochmals gut 15m zurück. Jetzt sollten wir im Windschatten eines nahen Berges (besser gesagt Hügels) liegen. Insgesamt haben wir nach erledigter Arbeit drei Anker auf Grund und acht Leinen gespannt. Wir sind müde, aber zufrieden mit unseren Sicherheitsvorkehrungen. Um 22.00 Uhr ist es absolut windstill, die Wasseroberfläche spiegelglatt. Es herrscht eine sagenhafte Ruhe, nur unsere Nachbarn die Füchse "bellen" von Zeit zu Zeit. Wir gehen zeitig schlafen.
Um 1.00 Uhr morgens werden wir wieder geweckt, der Wind hat zugenommen und kommt wie schon am Vortag mit 60KT aus südlicher Richtung. Wieder müssen wir alle an Deck sein und nochmals eine weitere Leine legen. Unsere Position ist sicherer, trotzdem sind wir angespannt und beobachten unsere Umgebung, das übrige Eis und unsere Leinen. Bis 6.00 Uhr sind wir beschäftigt, dann können Kai und Rémy sich etwas ausruhen und schlafen. Ich übernehme die erste Wache.
Der Wind hat abgenommen, zerrt aber weiterhin heftig an unserem "Kahn". Die "Wissenschafts-Insel" ist uns zum Glück bis jetzt noch erhalten geblieben, allerdings ist auch dort das Eis aufgebrochen. Wir müssen abwarten was uns der nächste Tag bringen wird... mit ziemlicher Sicherheit müssen wir die Insel noch mal zusätzlich sichern.

16.12.:
Leinencheck um 7.30 Uhr, dann noch mal um 9.00 Uhr. Ab 10.00 Uhr übernehmen Kai und Rémy. Der Wind kommt weiterhin aus dem Süden, mit durchschnittlich 40KT. Bis mittags ist immer einer von uns dreien auf Deck, dann lassen die Böen nach. Wir liegen sicher in der Bucht. Wir verbringen den restlichen Tag im Mittschiff, Kräfte sparen, denn wir wissen nicht, was die Nacht uns bringen wird.

17.12.:
Es war ruhig und hat viel geschneit. Die Dagmar erwacht mi ca. 12 cm Neuschnee. Wir starten ausgeschlafen in den Tag. Kai und Rémy kontrollieren alle Leinen an Land und legen noch mal zwei neue. Jetzt überziehen unsere 11 Leinen die komplette Bucht wie ein Spinnennetz. Naja, wir gehen auf Nummer sicher. Es weht nur eine leichte Brise, allerdings befinden wir uns immer noch in einem extremen Hochdruckgebiet. Das Barometer zeigt 1044 hPA. Es könnte also durchaus noch mal ungemütlich werden.

18.12.:
Die Temperatur ist mit +2 °C weiterhin recht "sommerlich". Auch der Luftdruck bleibt mit 1040 hPA hoch... trotzdem ist es ein ruhiger Tag. Wir wechseln die Batterien an der "Wissenschaft-Insel" und checken kurz, ob alles funktioniert.
Bestens! Sonst passiert nichts Besonderes.

19.12.:
Ein weiterer ruhiger und milder Tag. Kai und Rémy werkeln, ich wurschtel an Deck (schaue nach unserem Proviant) und mache danach einen kurzen Ausflug an Land. Es ist wunderschön, nur VIEL zu warm für diese Jahreszeit!!!

20.12.:
Was für ein klarer Tag! Wir unterstützen die Wissenschaft und betreiben Feldarbeit. Ein Luftfilter muss in sicherer
Entfernung von der Dagmar installiert werden. Rémy und ich, wir machen uns also auf den Weg und stapfen mit dem Equipment durch den hohen und schweren Schnee. Wir platzieren den Filter an einer geschützten Stelle zwischen zwei senkrechten Felswänden. Die Konstruktion befestigen wir mit Seilen und Steinen, sie soll bis zum Ende unserer Überwinterung dort bleiben, also auch Windgeschwindigkeiten von 80 KT aushalten können. Wir sichern alles ausreichend... und sind schließlich zufrieden. Gute Arbeit.
Nachmittags reparieren Kai und Rémy den Außenborder unseres Beibootes. Er hatte wohl Wasser gezogen... und der Propeller war auch etwas ramponiert. Naja, die Fahrten durchs Eis (vor allem das Brechen der Schollen) haben ihre Spuren hinterlassen. Mein Kommentar dazu: "Wo gearbeitet wird fallen Späne."
Jetzt läuft die Kiste wieder... Dank an unseren Kapitän Kai und natürlich auch an Rémy.



         
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