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      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Eine Wohltat - die Dusche im Gefängnis von Upernavik...
 
               

15.11.
Kai und Rémy fahren mit dem kleinen Boot raus in den Fjord. Sie sehen zwar viele Robben, aber die Jagd bleibt leider wieder erfolglos. Dafür betätigt sich Kai am Nachmittag erfolgreich mit der Installation des Windgenerators. Er wird am Heck angebracht und direkt mit dem Batterie-Block verbunden. Jetzt fehlt nur noch der Wind.
Wir bekommen Besuch von Jan - seine geduldige Jagd wurde mit einer Robbe belohnt. Es wird seine letzte für dieses Jahr sein, denn er bringt sein Boot an Land. Wir trinken Kaffee zusammen, aber bevor er uns verlässt bietet er uns noch sein Gewehr mit Zielfernrohr an. Wir nehmen das Angebot dankend an und hoffen, dass in den nächsten Tagen auch unsere Ausbeute an Frischfleisch reicher ausfallen wird.

16.11.
Mit großen Hoffnungen begeben sich Kai und Rémy ein weiteres Mal auf Robbenjagd - Tiere müsste es reichlich geben, aber eine Robbe zu erlegen ist nicht die einfachste Übung. Wieder kommen sie mit leeren Händen, aber guter Stimmung zurück zum Schiff. Rémy und ich holen mittags die "gebunkerten" Paletten. Sie befinden sich noch immer an unserem alten Ankerplatz, aber schließlich haben wir sie zwischen der "Wissenschaftler-Insel" und der "Dagmar Aaen" ausgelegt. Sie sollen einfrieren und uns einen sicheren Weg zu unseren Wartungsarbeiten bieten. Es ist wieder ein windstiller Tag, der Windgenerator bewegt sich keinen Zentimeter. Außerdem ist es ziemlich warm, es fallen vereinzelte Schneeflocken.

17.11.
Es ist ein schöner, ruhiger Tag. Zwar etwas bewölkt, aber windstill. Ich verbringe die Stunden mit Tageslicht (10:30 bis 15 Uhr) in Upernavik, mache die üblichen Besorgungen (Wasser, Benzin, Post, Lebensmittel) und treffen Martin (den Polizisten), Karl (den Arzt) und Leif (den Arzt aus Schweden). Martin ist wie immer guter Laune, doch leider wird er uns nächste Woche verlassen. Er zieht mit seiner Familie nach Nuuk. Dort wird er weiter als Polizist arbeiten. Leif und seine Freundin empfangen mich sehr herzlich, ich lade sie nächstes Wochenende auf die "Dagmar Aaen" ein. Hoffentlich spielt das Wetter mit, denn davon ist jeder Besuch abhängig. Ein weiterer Bekannter bedient mich an der Tankstelle. Sarmo ist ein freundlicher und immer humorvoller Typ.
Wir mögen ihn sehr, er ist clever und immer für eine gute Geschichte zu haben. Außerdem interessiert er sich für unsere Überwinterung und macht sich Gedanken über unseren wahren Hintergründe. Sind wir Spione, Flüchtlinge oder einfach nur Verrückte...
Er würde keine Überwinterung in der Dunkelheit von Grönland machen, nicht freiwillig. Und vor allem ohne Frauen an Bord. Das ist für ihn komplett unverständlich. Aber er erzählt uns auch viel von seiner Heimat, von der Landschaft, von der Abhängigkeit von der Natur, der Religion, von den alten Tagen und den neuen Gegebenheiten. Es ist immer interessant mit ihm zu sprechen. Heute berichtet er mir von der Zeit des kalten Krieges und welche Rolle Grönland darin gespielt hat.
Die Amerikaner waren in Thule mit 10.000 Mann auf ihrer Base vertreten. Dafür mussten die Inuit umgesiedelt werden und es wurden Atomraketen installiert - angeblich, keiner weiß es genau.
Sarmo verbindet diese historischen Ereignisse mit einer originellen Geschichte der Gegenwart. In Afrika ist durch ein Bombardement der Amerikaner auf Simbabwe der Dritte Weltkrieg ausgebrochen! Bestürzt höre ich diese wichtige Neuigkeit - erst nach zehn Minuten bricht er in Lachen aus und enttarnt seinen Bluff. Ich habe ihm geglaubt, denn ich bekomme ja nicht mit, was wirklich in der Welt passiert...


18./19.11.
Wir machen Dies und Das an Bord und um die "Dagmar Aaen" herum. Eis brechen, Robbenjagd ohne Erfolg, Batteriewechsel an der Wissenschaftler-Insel, Experimente mit der Unterwasserkamera von Dirk Notz.
Nach einem guten, arbeitsreichen Tag folgt endlich ein frischer Wind aus östlicher Richtung, der unseren Windgenerator das erste Mal richtig antreibt. Das ist sehr erfreulich. Wir bekommen stetig "Saft" in die Batterie und werden so wohl hoffentlich einige Liter Diesel sparen können. Ansonsten passiert wenig Spektakuläres - statt Robben verspreisen wir frische Dorsche.

20.11.
Rémy und ich fahren nach Upernavik. Eigentlich haben wir nur Routine-Besorgungen (Sprit, Wasser, Lebensmittel) im Sinn, aber schließlich verweilen wir doch länger und führen interessante und spaßige Gespräche. Wir werden für die nächsten Tage zu mehreren Kaffees eingeladen. Eine Frau aus Dänemark zeigt reges Interesse an unserer Überwinterung, ebenso einige Jäger und Fischer aus Upernavik und Umgebung. Wir sprechen auch Einladungen aus und hoffen, dass wir wirklich Besuch auf unserer "Dagmar Aaen" empfangen werden. Alle sind uns herzlich willkommen!
Natürlich schauen wir auch wieder bei unseren Freunden in der Polizei-Station vorbei. Es herrscht wie immer eine entspannte Atmosphäre. Wir bekommen Informationen über die Packeissituation. Weiter nördlich sind die ersten Jäger mit ihren Schlittenhunden unterwegs gen Süden. Das Eis scheint dieses Jahr wieder etwas früher zu kommen, so die Prognose von Martin und seinen Kollegen. Wir schlürfen gemeinsam Kaffee und kommen dann in den Genuss einer Besonderheit: Wir dürfen die "Gefängnis-Dusche" benutzen! Wow - wir genießen reichlich warmes Wasser im Knast von Upernavik - das ist eine neue und sehr angenehme Erfahrung für uns.
Bei einbrechender Dunkelheit um ca. 15 Uhr machen wir uns auf den Rückweg zum Schiff. Die Tage sind wirklich kurz, es bleibt kaum genügend Zeit, alle Gespräche zu Ende zu führen, das ist schade!
Abends improvisieren wir uns Spaghetti Bolognese ohne Hackfleisch, dafür mit Gouda-Pulver aus der Schultheiss-Packung. Nicht übel, wir sind satt geworden.
Der Wind hat gedreht, er kommt jetzt aus westlicher Richtung. Leichter Schneefall hat eingesetzt. Laut Wettervorhersage könnten wir stürmischere Tage bekommen. Gegen 20 Uhr rammt uns seit langer Zeit mal wieder ein Eisberg. Es rumpelt heftig und wir sind augenblicklich alle an Deck. Aber es ist alles gut, wir freuen uns sogar, weil dieser Eisberg Frischwasser für den gesamten Winter bedeuten könnte. Mal abwarten, ob er uns erhalten bleiben wird...


         
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