Homepage Arved Fuchs Expedition "Nordpoldämmerung" Logbuch "Nordpoldämmerung"

      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Der Kapitän kommt an Bord
 
               

17. - 18.01.:
Es ist ein sagenhaft schöner Tag. Es ist windstill und der Himmel wolkenlos. Obwohl die Sonne noch nicht bis über den Horizont kommt, verwöhnt sie uns doch mit wunderschönen, intensiven Farben. Es ist herrlich, die farbenfrohe und ruhige Atmosphäre zu genießen. Kai und ich machen eine kurze Wanderung über das Eis. Wir checken die Lage und unser Beiboot. Alles ist gut, die Tide hat dem Boot nicht geschadet - zum Glück.
Der Fjord zwischen den Inseln friert langsam aber sicher zu. In der Ferne sehen wir einen gigantisch großen Eisberg. Er leuchtet in orange, die Sonne scheint ihn direkt anzustrahlen. Es ist fantastisch. Solche Tage brauchen wir ab jetzt immer - sie erfreuen das Auge und das Gemüt!
Wow, unsere Nachbarn die Polarfüchse besuchen uns das erste Mal direkt an Bord. Die beiden jüngeren Füchse scheinen ziemlich hungrig und neugierig zu sein, sie bewegen sich ohne jegliche Scheu an Deck und suchen nach etwas Schmackhaften.
Sensationell!
Dieser Tag steht ganz im Zeichen der Toilettenreinigung. Die Abwasserrohre sind verstopft. Wir müssen das gesamte System auseinander nehmen und säubern. Das ist nicht unbedingt die spaßigste Arbeit - und dazu ziemlich geruchsintensiv...

19. - 20.01.:
Es ist bitter kalt und windig (-25,2 °C). Anlass genug, die Säuberungsaktion an Bord weiter fortzusetzen. Rémy kümmert sich intensiv um Ofen und Herd im Mitschiff. Kai hat sich in den Navi- und Maschinenraum verabschiedet und sorgt dort für Sauberkeit und Ordnung. Ich reinige das Vorschiff und entferne mein persönliches Chaos. In zwei Tagen kommt unser "Boss" Arved zu Besuch, dann soll seine Dagmar blitz und blank geschrubbt im Eis liegen. Es herrscht Teamgeist, wir alle sind beschäftigt und verfolgen ein gemeinsames Ziel. Das ist sehr erfreulich und lässt trotz Arbeit gute Laune aufkommen.
Jetzt bekommen wir die arktischen Temperaturen doch noch zu spüren. Bei -24 °C gehen Rémy und ich zu unserem Beiboot. Wir wollen die Lage checken und eventuell den Motor einige Zeit laufen lassen. Doch das können wir vergessen. Um den Propellerschaft hat sich ein solider Eisblock gebildet. Wir benötigen ca. eine Stunde, um das ganze Eis zu entfernen, dann bergen wir den Außenborder und bringen ihn an Land. Sicher ist sicher... und außerdem lassen die momentanen Eisbedingungen sowieso keine Spazierfahrt zu.
Die Polarfüchse besuchen uns jetzt täglich an Deck. Es ist nicht wirklich gut, dass sie so zutraulich geworden sind. Aber wir können nichts daran ändern, also genießen wir einfach ihre Anwesenheit.

21. - 23.01.:
Arved ist in Upernavik angekommen, aber wir können ihn leider nicht persönlich empfangen. Er muss die Nacht dort verbringen und dann ein Boot chartern, das ihn auf "unserer" Insel absetzen kann.
Wir verbringen die meiste Zeit des Tages mit Eis schlagen, holen, stapeln und schmelzen. Glücklicherweise ist der Tag nicht ganz so kalt. Bei -15 °C und kaum Wind ist diese Arbeit recht angenehm.
Vormittags erhalten wir von Arved die Nachricht, dass er gegen 12 Uhr zu uns kommen will. Wie und vor allem wo genau er anzulanden gedenkt wissen wir nicht. Kai macht sich auf den Weg und erwartet Arved in einer gut zu erreichenden Bucht. Ich folge mit der Kamera. Und tatsächlich, nach kurzer Zeit taucht ein Fischerboot aus dem Nebel auf und wir können Arved herzlich in Empfang nehmen. Es ist schön, dass wir nun eine Woche zusammen den Alltag auf der Dagmar bestreiten können. Es gibt natürlich viel zu erzählen. Wir berichten über unsere Erlebnisse, Erfahrungen und Probleme während der letzten vier Monate. Arved übermittelt uns Grüße und Neuigkeiten aus der deutschen Heimat und dem Rest der Welt.
Alles ist gut, wir verbringen einen gemütlichen ersten Tag und Abend an Bord der eingeeisten Dagmar Aaen.
Die Temperaturen sind mit -17 °C ganz o.k., wir haben keinen Schneefall und kaum Wind.
Ein arbeitsreicher Tag. Arved und Kai kontrollieren und reparieren sämtliche Generatoren im Maschinenraum. Sie überprüfen die Batterieblocks, die Heizung, alle Leitungen usw. Rémy schreibt Listen für Ersatzteile, zusätzliches Proviant und andere persönliche Wünsche. Die Vorbereitungen für die nächste Segeletappe der Dagmar Aaen werden in Deutschland wohl schon intensiv verfolgt.
Rémy misst auch die Eisdicke rund um den "Kahn". Die Stärke des Eises schwankt von ordentlichen 20cm bis dürftigen 10cm. Viele Bereiche der Bucht sind also immer noch nicht wirklich sicher begehbar. Ich dokumentiere alle Arbeiten und Gespräche an Bord, sortiere technisches Equipment und kümmere mich um Film-, Foto- und Textdaten, die zusammen mit Arved gen Deutschland gehen sollen.
Es ist ein intensiver Tag, der uns ganz gut tut. Jeder ist mit seinen Aufgaben beschäftigt - und schließlich funktionieren wir gut als Crew. Arved hat neuen Schwung mitgebracht und wir alle profitieren davon.
Abends sitzen wir zusammen im Mitschiff, genießen ein gutes Essen und besprechen die Lage der Dinge.


         
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