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      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Abschied vom Police-Officer - und endlich wieder ein Bierchen..
 
               

21.11.
Ruhetag!

22.11.
Trotz Schneetreibens ist heute ein Besuchertag angesagt. Wir hatten Leif und seine Freundin Arnaaraq eingeladen, denn beide interessieren sich sehr für unser Leben an Bord und die Überwinterung auf der "Dagmar Aaen". Es sind schon Freunde geworden, unser Verhältnis könnte man als "vertraut" bezeichnen - sehr angenehm.
Der Nachmittag an Bord ist sehr gemütlich. Wir zeigen den beiden das Schiff und beschreiben unseren Alltag, trinken Kaffee und stellen unser gegenseitiges Interesse an handwerklichen Tätigkeiten fest. Kai und Arnaraaq tauschen Materialien aus: Robbenfell gegen Knochenkette, Steine gegen... das steht noch nicht wirklich fest. Außerdem wird Fachwissen vertieft. Leif berichtet noch einmal über die momentane Eislage. Laut grönländischer Nachrichten sind die Fjorde um Uummannaq schon komplett zugefroren und auch nördlich von Upernavik hat sich bei Nuussuaq schon 30cm dickes Meereis gebildet. Wir können also auch damit rechnen, dass hier das Eis in diesem Winter etwas früher kommen wird. Allerdings wird der Fjord zwischen "unserer" Insel und Upernavik bestimmt nicht vor Januar 2010 ganz zugefroren und begehbar sein. Eine starke Strömung beeinflusst die Eisbildung zwischen den Inseln, wir warten weiter ab.
Der Besuch von Leif und Arnaraaq ist leider zeitlich begrenzt, um 15 Uhr müssen wir schon wieder gen Upernavik aufbrechen, denn die Dunkelheit lässt eigentlich keinen späteren Zeitpunkt zu. Ich bin "Taxifahrer". Um 16:30 Uhr bin ich wieder zurück auf der "Dagmar Aaen". Es war eine lange Fahrt, denn ich musste Öl nachtanken - und dann langsam durch die Dunkelheit schippern. Aber alles ist gut gegangen, keinen Eisberg gerammt...

23.11.
Es schneit. Dämmerlicht haben wir nur noch von 11 bis 15 Uhr. Ja, das wirkliche Tageslicht hat sich verabschiedet. Kai und Rémy wollen nichts desto trotz einen Jagdausflug unternehmen - sie kehren allerdings schon nach 20 Minuten wieder zurück.
Wir machen Routinearbeiten an Bord: Tagestank auffüllen, Generator heißlaufen lassen, das Deck säubern. Seit Oktober hatten wir das Deck nicht mehr von Schnee und Eis befreit - und so hat sich an manchen Stellen eine 20cm dicke Eisschicht gebildet.
Ich übernehme die "Eisbefreiung" der Steuerbordseite. Zwei Stunden mit der Axt Eiswürfel produzieren, dann alles mit der Schaufel über Bord geschmissen. Das ist eine extrem gute sportliche Betätigung, ich bin seit längerem mal wieder so richtig durchgeschwitzt. Gut so!
Den Abend lassen wir gemütlich angehen. Wir essen lecker Krautrouladen à la Schultheiss. Fantastisch!


24.11.
Es ist ein grauer und verschneiter Tag. Wir schauen zwar nicht auf unser Thermometer, aber es dürfte nur knapp unter 0 °C liegen. Es ist also ziemlich warm hier. Kai und ich folgen einer Einladung nach Upernavik. Die dänische Krankenschwester Inger Marie empfängt uns mit einem Rentierbraten auf gebackenen Kartoffeln. Exzellent (armer Rémy, er wollte auf der "Dagmar Aaen" bleiben). Inger Marie lebte vor 25 Jahren mit ihrer Familie schon einmal in Upernavik und außerdem in Nuuk - jetzt ist sie nach langer Zeit (und Aufenthalt in Dänemark und Afrika) hierher zurückgekehrt. Sie arbeitet im örtlichen Krankenhaus und kennt sich hier in der Umgebung aus. Es ist sehr interessant, sich mit ihr zu unterhalten. Sie schildert ihre Eindrücke als Dänin in Grönland, wir sprechen über die gemeinsame Vergangenheit beider Länder, die grönländische Gegenwart und die Aufgaben, die dieses Land in Zukunft (hoffentlich zu 100% selbstbestimmt) zu bewältigen hat.
Inger meint, die Bildung der grönländischen Bevölkerung muss unbedingt zunehmen, anderenfalls wird es schwierig werden, ihr eigenes Territorium und die grönländischen Interessen zu vertreten. Speziell die Bodenschätze wie Öl und Eisen werden in Zukunft eine noch größere (finanzielle) Rolle spielen - und natürlich die Seewege im Norden, die durch die klimatischen Veränderungen den Sommer über eisfrei werden könnten, werden Interessenskonflikte auslösen. Das zukünftige Verhältnis zu Dänemark, aber auch den USA, Kanada und Russland wird auszuarbeiten sein, und dem ökonomischen Druck von außen müssen die Grönländer standhalten.
Martin (der Police-Officer) kommt auch zum Essen. Von ihm erfahren lokale News. Wale sind nahe Upernavik gesichtet worden.
Wir verabschieden uns von Martin - er wird morgen seinen Umzug nach Nuuk antreten. Das ist sehr schade, denn er ist ein ausgesprochen guter und humorvoller Mensch. Er hat viel für uns getan.
Ach ja - wir bekommen auch wieder sehr viel Post aus Deutschland und der Schweiz. Ausrüstung, süße Leckereien, Bücher und persönliche Briefe. Dafür DANKE an alle!!!
Wir freuen uns immer über jede geschriebene Zeile und jeden Riegel Schokolade!

25.11.
Große Verabschiedung am Flughafen Upernavik. Rémy und ich treffen uns mit Inger Marie, Leif und Arnaraaq. Zusammen sagen wir "Auf Wiedersehen" zu Martin samt seiner Familie. Es herrscht eine gute Atmosphäre, wir warten, bis das Flugzeug abgehoben hat, danach spazieren wir zusammen gen Upernavik Downtown. Rémy und ich erledigen noch die üblichen Einkäufe. Wir sind eigentlich fast schon auf dem Rückweg zu unserem Boot, als wir Gabriel (einen Ex-Fischer aus Augpilaktoq) treffen. Er lädt uns auf einen Kaffee ein, dabei lernen wir seine komplette Großfamilie kennen.
Es ist ein nettes Treffen, allerdings funktioniert die Verständigung auf Englisch nicht sonderlich gut. Trotzdem, wir unterhalten uns mit Händen und Füßen. Gabriel berichtet von 40 Narwalen, die in der Nähe von Qaanaaq ins Eis eingeschlossen wurden. Jetzt sind sie Opfer der dortigen Jäger geworden.
Überhaupt ist die Meereisbildung das Thema Nummer 1 hier in Upernavik in den letzten Tagen. Egal, mit wem wir uns unterhalten, immer werden die momentanen Eisbedingungen angesprochen. Klar, es hängt so viel vom Eis ab - der Transport (die letzten Containerschiffe sind unterwegs), frische Nahrung durch die Jagd, die Mobilität an sich, usw.
Ein weiteres Mal werden wir nach unserem Ankerplatz gefragt. Auch Gabriel rät uns, die "Dagmar Aaen" wegen der zu erwartenden Eispressungen zu verlegen. Kai ist an Bord geblieben. Er versucht, den "Decks-Generator" wieder in Gang zu bringen. Erst einmal vergeblich, die Einspritzpumpe scheint wohl ziemlich verdreckt zu sein - oder aber, es ist etwas anderes defekt.
Höhepunkt des Tages. Ein gut gekühltes Weihnachts-Bock-Bier zum Abendessen. das flüssige Gold verwöhnt unsere Gaumen. Wann haben wir das letzte Mal so ein köstliches Bierchen genossen??


         
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