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      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Festessen auf der "Dagmar Aaen"
 
               

21.12.:
Unser Plan für den heutigen Tag: Wir wollen nach Upernavik. Also stehen wir früh auf und bereiten alles vor. Gegen 10:30 Uhr wollen Rémy und ich starten, aber der Außenborder macht uns leider einen Strich durch die Rechnung. Wir können nur eine kleine Runde drehen, dann müssen wir aus Sicherheitsgründen umkehren.
Eine weitere Reparatur ist notwendig. An Deck nehmen Kai und Rémy das "Ding" noch einmal auseinander, säubern alles, tauschen Zündkerzen und Propeller aus und justieren Benzinzufuhr und Gasbetätigung. Nachmittags scheint das Problem behoben zu sein, allerdings ist es jetzt für unseren Ausflug schon zu spät.
Macht nichts, wir verschieben das Vorhaben einfach auf den nächsten Tag und freuen uns auf den heutigen Abend. Es ist der 21.12.2009, also die längste Nacht dieses Jahres. Wir wollen die Dunkelheit, aber vor allem die kommende Wiederkehr des Lichts feiern. Ja, das ist der Grund für ein schönes Feuerchen an Land, kombiniert mit einer Tasse heißem Punsch. Wir sitzen andächtig  um die lodernden Flammen, es ist schön - leichter Schneefall, die glitzernde Umgebung im Schein des Feuers, Knacken und Rasseln, ansonsten Ruhe.
Rémy ist etwas übermütig gewesen und hat sich nur mit einem T-Shirt und Jacke nach draußen begeben... überraschenderweise friert er ziemlich schnell. Wir erklären ihm noch einmal, dass es in Grönland um diese Jahreszeit für gewöhnlich recht kalt ist. Er sieht das ein und will beim nächsten Mal wärmere Kleidung anziehen - clevere Entscheidung!
Gegen 23 Uhr liegen wir schließlich alle wieder in unseren Kojen und schlummern.

22.12.:
Heute klappt unser Ausflug. Das Wetter könnte nicht besser sein, die Eisbedingungen sind o.k. und auch der Motor bereitet uns keine Probleme mehr. Rémy und ich gelangen also gut nach Upernavik. Wir holen Wasser und Benzin, freuen uns über reichlich Weihnachtspost - DANKE - und versorgen die angekommene Fracht der Wissenschaft in einem Container. Natürlich bekommen wir wieder die aktuellen Wetterinfos und erneut Empfehlungen, unseren Ankerplatz noch einmal zu überdenken.
Der Hafenmeister Jakob Jensen rät uns, die "Dagmar Aaen" wieder ein paar Meter weiter raus aus der Bucht zu verlegen. Wir nehmen diese Einschätzung dankend an, wollen aber noch etwas abwarten, bis die Meereisbildung begonnen hat (hoffentlich passiert das bald!).

23.12.:
Heute schneit es... und zwar heftig! Auf Deck haben wir ca. 15 cm Neuschnee. Das ist schön, jeder von uns ist in Gedanken bei Familie und Freunden. Ich bereite ein gutes Essen für den morgigen Tag vor. Es soll Moschusochse mit "knackigen" grünen Bohnen und Bratkartoffeln geben. Mal abwarten, ob dieser Gaumenschmaus gelingen wird. Dann wird ein Hauch von Feierlichkeit Einzug halten auf dem Schiff.
Draußen sind die Gegebenheiten dafür geschaffen - alles ruht friedlich unter einer frischen, weißen Schneeschicht.

24.12.
Der tag vergeht wie jeder andere auch. Erst abends beim Festessen herrscht eine feierliche Atmosphäre. Wir genießen zusammen die leckere Moschusochsenkeule und genehmigen uns ein Gläschen Rotwein dazu. Wir sprechen über Weihnachten in Neu Kaledonien (der Heimat von Rémy), in Kanada, der Schweiz und Deutschland... und natürlich auch über die feierlichen Gebräuche hier auf Grönland.
Unser Heiligabend ist eher unspektakulär, nach dem Essen und einem film auf DVD gehen wir schlafen.

25.12.
Es ist ein schöner, ruhiger Tag. Ich folge einer Einladung nach Upernavik, Kai und Rémy wollen lieber an Bord bleiben. Da wir eine Abmachung haben, nicht allein mit dem Beiboot durch die Gegend zu schippern, bringt mich Kai ans andere Fjordufer, von dort geht es für mich zu Fuß weiter nach Upernavik. Die Distanz ist relativ gering, aber der viele Schnee und einige steile Passagen machen den Weg doch sehr mühsam.
Total durchgeschwitzt komme ich bei unseren Freunden Gabriel und Sara an. Sie stammen beide aus Aappilattoq, wohnen aber seit 2001 hier in der "großen" Stadt. Die Einladung ist wirklich herzlich und ich freue mich sehr, ihr Gast sein zu dürfen. Wir essen gut und reichlich, besuchen zusammen einen grönländischen Chor, der Weihnachtslieder singt und unterhalten uns lange in einem Mix aus Englisch, Dänisch, Grönländisch und Deutsch. Anfangs ist die Kommunikation nicht einfach, doch nach einer kurzen Zeit verständigen wir uns wunderbar.
Wir sprechen über Grönland, Weihnachten, Freunde und Familien - bis wir schließlich beim Stammbaum von Gabriel landen. Er hat einen deutschen Vorfahren namens Heinrich Kleemann, der irgendwann zwischen 1846 und 1901 hierher ausgewandert sein muss. Wir bleiben ein Weilchen bei diesem spannenden Thema und ich erkundige mich nach dem Stammbaum von Sara.
Die erst einmal verblüffende Antwort ist, dass sie fast die selben Vorfahren hat. ich bin kurz überrascht, doch dann verstehen ich, dass Aappilattoq mit seinen 200 Einwohnern einfach eine Großfamilie ist. Jeder ist irgendwie mit Jedem verwandt. Insgesamt ist dieser Weihnachtstag sehr schön und interessant für mich, ich denke für meine freundlichen Gastgeber auch.
Über Nacht bleibe ich in Upernavik (es ist die erste Übernachtung außerhalb meiner Koje seit dem 1. September), morgen geht es dann zurück auf die "Dagmar Aaen".




         
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