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      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Abschied von der "Dagmar Aaen" und von Grönland
 
               

22.02.:
Wetterbesserung bei -13 °C - ansonsten nothing special.

23.02.:
Was wir schon lange vorhatten, machen wir heute endlich wahr: Eine Wanderung auf den zweiten und dritten Gipfel "unserer" Insel. Der Tag ist herrlich schön, optimale Bedingungen für unser Vorhaben. Wir machen uns also schon morgens, direkt nach einem schnellen Frühstück auf den Weg. Ausgerüstet mit genügend Kleidung, den Schneeschuhen und sicherheitshalber mit dem Gewehr. Wir kommen auf dem hart gefrorenen Schnee gut voran, allerdings müssen wir auch etliche steile Passagen bezwingen, und kommen dabei ordentlich ins Schwitzen.
Wir bleiben immer mal wieder stehen, verschnaufen kurz und lassen den Blick in die Ferne schweifen. Von dort oben sehen wir im Westen die unendliche Ausdehnung des Meereises. Es ist faszinierend, vor allem, weil die Luft so klar und ruhig ist. Wir können Eisberge am Horizont deutlich erkennen, obwohl sie hunderte von Kilometern entfernt sein müssen.
Zu dritt stehen wir am frühen Mittag auf dem Gipfel. Wir haben den Wind im Rücken, die wärmende Sonne im Gesicht und eine sagenhafte Landschaft aus Eis und Schnee vor unseren Füßen liegen...

24.02.:
Wir haben alle etwas länger geschlafen, denn die Wanderung hat uns gestern doch ein bisschen platt gemacht. Na ja, wahrscheinlich sind wir es nicht mehr gewohnt uns ein paar Stunden am Stück durch den Schnee zu bewegen...
Heute wollen wir mit dem Beiboot die Eisverhältnisse erkundschaften und wenn möglich einen schnellen Abstecher nach Upernavik machen. Es wäre gut schon heute etwas von meinem Gepäck dort zu deponieren. Aber soweit kommen wir nicht - denn es hat sich zwischen den Inseln sehr viel Eis angesammelt, bzw. gebildet. Unser Außenborder ist mit 25 PS nicht der stärkste, also sind wir sehr vorsichtig, denn wir wollen nicht vom Eis eingeschlossen werden. Solange die riesigen Schollen und Meereisflächen nicht solide zusammengefroren sind, kann die geringste Strömung oder etwas aufkommender Wind das Eis in Bewegung und unter Druck setzen. Rinnen können sich innerhalb von Minuten schließen - und dann sitzt man fest. Also versuchen wir diese Gefahr direkt zu verhindern. Nach Upernavik schaffen wir es nicht, aber wir können meine Zarges Box einem Jäger übergeben, der mit seinem Boot auf dem Weg in die Ortschaft ist. Es ist total selbstverständlich und unkompliziert - er wird die Box ganz einfach irgendwo im Hafen abstellen, dort wird sie auf mich warten.
Wir schippern also noch ein bisschen umher, genießen schöne Stunden auf dem Wasser, zwischen den vielen Eisbergen und im Licht der lange am Himmel stehenden Sonne.

25.02.:
Es ist der Tag meines Abschieds von der "Dagmar Aaen" und somit auch von Kai und Rémy. Wir frühstücken ausgiebig gemeinsam und lassen die letzten Monate noch mal kurz Revue passieren. Unsere Stimmung ist entspannt und gut. Ich packe meine letzten Sachen, reinige das Vorschiff und sage innerlich "auf Wiedersehen" zur guten alten Dagmar. Dann machen wir uns zu dritt ein letztes Mal auf den Weg über das Eis. Ich bin nur kurz ein bisschen wehmütig, betrachte noch einmal die Berge rund herum, die kleine Bucht - unser Zuhause - und das Schiff - schließlich verschwindet alles hinter einer Schneeverwehung.
Das Eis im Fjord ist über Nacht kompakter geworden, deshalb ist es für uns im Beiboot nicht so leicht voran zu kommen. Wir entschließen uns, keine riskante Fahrt zu unternehmen, also setzen mich Kai und Rémy am östlichen Ende der Upernavik-Insel ab. Unser Abschied ist herzlich und fröhlich. Sie wünschen mir einen guten Rückflug in die Zivilisation. Ich hoffe, dass die beiden noch weitere schöne und erlebnisreiche Wochen auf der Dagmar in Grönland verbringen werden.
Sie tuckern mit dem Boot wieder raus auf den Fjord, ich warte noch einige Minuten bis sie hinter Eisbergen verschwunden sind, dann mache mich auch auf den Weg. Nach zwei Stunden durch den Schnee erreiche ich Upernavik und freue mich auf die kommenden Tage hier in dem verschneiten - aber trotzdem lebendigen Ort.

26.02. - 02.03.2010:
Ich habe ein paar Tage Zeit, um vieles in Upernavik zu organisieren und mich von allen Freunden und bekannten Gesichtern zu verabschieden. Das ist sehr sehr schön.
Ich treffe Inger-Marie, Leif, Jan, Sarmo und die komplette Großfamilie von Gabriel und Sara. Besuche die freundlichen Helfer in der Polizeistation und den Hafenmeister Jacob. Täglich werde ich zu mehreren Kaffees eingeladen und jeden Abend werde ich in einem anderen Haus zum Essen empfangen. Ich genieße es wirklich sehr, all diese netten Leute noch für ein paar Stunden um mich herum zu haben. Bekomme so noch mal einen guten Eindruck vom Leben in Upernavik und in den Familien selbst. Ich werde in der Zwischenzeit weniger als Gast gesehen, viel mehr ist es normal, dass ich mich frei und ungezwungen in den Haushalten bewegen kann. Ich gehöre einfach dazu und erlebe somit den Alltag, die Menschen und ihre fröhliche Lebenseinstellung ganz ohne Distanz. ich fühle mich mitten drin statt nur dabei. Traditionelles Essen, Gespräche, Spiele und Fernsehen schauen bei den Familien - aber auch kurze Small-Talks zwischen Tür und Angel, im Supermarkt, in der Post und auf den Straßen. Wir kennen uns - ich werde akzeptiert und überall herzlich aufgenommen.
Ich besuche das Volksmuseum im Ort, schlendere durch den Hafen, quatsche mit den Fischern und Jägern, die ihre Beute auf der Pier zerlegen. Das Leben geht hier ganz normal weiter, nur ich sage innerlich "Tschüß" zu allen Menschen, Gebäuden, Booten, den Felsen, dem Eis, dem Wasser und dem grönländischen Himmel.
Ich würde wirklich gerne in den nächsten Jahren noch einmal hierher zurückkommen. Um alle Freunde zu besuchen und die grandiose Natur hier weit im Norden unseres Planeten noch einmal hautnah zu erleben und genießen. Das wäre wunderbar.

Danke, dass ich diese Erfahrung hier über den Winter machen konnte und somit die Chance habe, Grönland in Zukunft noch weiter kennen zu lernen.


         
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