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24. - 25.01.:
Am Sonntag stehen vor allem zahlreiche Arbeiten an Deck und
Gespräche mit Arved an - die Stimmung ist gut.
Beim Frühstück am nächsten Tag besprechen wir die Aufgaben
des Tages. Rémy und ich sollen das Beiboot checken und wenn
möglich neu positionieren. Wir machen uns schon um 10:30 Uhr
auf den Weg über das Eis. Das Boot ist komplett von einer
ca. 20 cm dicken Meereisschicht umschlossen, trotzdem wollen
wir versuchen es frei zu bekommen und eine Rinne durch das
Eis zu brechen.
Es ist eine mühsame und anfangs aussichtslose Arbeit. Mit
Hilfe einer Eissäge, einer Axt und der Leistung des 25
PS-Außenborders kämpfen wir uns langsam in Richtung offenes
Wasser. In den ersten beiden Stunden schaffen wir gerade mal
eine Strecke von 10 Metern, doch irgendwann haben wir unser
Beiboot schließlich auf der anderen Seite der Bucht
platziert und mit einer Landleine gesichert. Es liegt gut an
diesem neuen Platz, denn wir können den offenen Fjord von
dort besser erreichen. Für unsere eigene Sicherheit ist es
wichtig, das Boot einsatzbereit zu haben - im Notfall können
wir jetzt Upernavik wieder aus eigener "Kraft" erreichen.
Arved und Kai kümmern sich um die Maschine der Dagmar. Sie
ist im besten Zustand.
26. - 31.01.:
Es
ist schon Arveds letzter Tag, die Zeit verfliegt, er packt
schon seine Sachen für die Rückreise. Das Wetter ist schön,
klarer Himmel, wunderbares Licht und milde Temperaturen.
Gegen 17 Uhr verabschieden wir Arved und wünschen ihm eine
gute Heimreise. Er wird von einem Fischerboot abgeholt und
nach Upernavik gebracht.
Über Nacht haben sich leider die Wetterbedingungen geändert.
Wir haben stürmischen Wind aus südlicher Richtung und die
Temperaturen liegen nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Wir
kennen diese Bedingungen ja bereits, trotzdem sind wir
erneut überrascht und auch etwas frustriert. Das Eis in der
Bucht schmilzt und beginnt sich mit dem heftigen Wind zu
verabschieden. Das ist bitter...
Es regnet!!!
Wir können es kaum glauben, aber es ist leider wahr. Mal
wieder ist es viel zu warm, das restliche Eis um uns herum
wird matschig und instabil.
Die milden Temperaturen bringen einen weiteren stürmischen
Tag mit sich. Die Bucht ist jetzt zu 90% eisfrei und die
übrigen 10% sind nicht begehbar. Dieser Zustand ist
ernüchternd. Die Monate Januar und Februar sollten
eigentlich die kältesten sein, doch das Thermometer zeigt +2
°C an. Die Klimaerwärmung lässt freundlich grüßen...
Wir verbringen die Tage mit Lesen, Abwarten und Tee trinken.
01. - 02.02.:
Ein
wundervoller Tag - klar, hell und farbenfroh!
Wir wagen uns über das verbliebene, brüchige Eis in der
Bucht. Es ist ein seltsames Gefühl, aber dank der neuen
Schneeschuhe, die uns Arved mitgebracht hat, kommen wir
sicher an Land. Schon von dem ersten kleinen Hügel aus haben
wir eine grandiose Sicht über den gesamten Fjord. Wir sehen
zwar die Sonne nicht direkt, sie versteckt sich noch hinter
ein paar höheren Bergen, aber die Landschaft ist in
unzählige verschiedene Farben getaucht. Der Anblick der
ruhigen Wasseroberfläche und die sich darin spiegelnden
Eisberge ist atemberaubend schön. Wir stehen lange Zeit
schweigend im Schnee und lassen diese Naturkulisse auf uns
wirken, Das Licht, die Ruhe und die Weite... wir sind zwar
ruhig, aber innerlich breitet sich ein euphorisches Gefühl
in uns aus.
Der Dienstag ist ein Tag der Fische. Schönes Wetter,
allerdings weiter milde Temperaturen und kein Wind. Ich
entschließe mich diesen Tag mit Angeln zu verbringen.
Zwischen den Eisschollen sind offene Wasserstellen und vom
Bug der "Dagmar Aaen" lässt es sich optimal fischen. Ich
genieße die Ruhe und verfalle durch die immer gleichen
Bewegungen der Angel in einen angenehmen Trancezustand...
und bin nebenher sogar noch erfolgreich.
Innerhalb von vier Stunden fange ich sieben Seeskorpione und
zwei große Dorsche. Und als ob das Glück nicht schon perfekt
wäre kommen auch noch drei junge Fischer aus Upernavik mit
ihrem Boot vorbei. Zusammen befreien wir ein paar Boxen und
Netze vom Eis, plaudern und trinken Kaffee. Als Dankeschön
bekommen wir vier frisch gefangene Heilbutte. Eine gute
Ausbeute. Zum Abendessen gibt es.. Fisch! Roh als Sushi,
aber auch gebratene Filets. Exzellent!
03. - 04.02.:
Heute
unternehmen wir eine Wanderung mit anschließender Pulka-Fahrt.
Zu dritt besteigen wir einen nahen Gipfel und erfreuen uns
am Anblick der unglaublich schönen Landschaft. Manche Berge
werden von der Sonne angestrahlt und leuchten in den
verschiedensten Rot-Tönen. Die Aussicht ist einfach
traumhaft, wir erleben eine sagenhafte Atmosphäre.
Zurück zur Dagmar geht es in rasanter Fahrt. Rémy und ich
funktionieren die Pulka zum Schlitten um und versuchen uns
als Bobteam. Mehr oder weniger erfolgreich - aber ziemlich
spaßig.
Das schöne Wetter bleibt uns ausnahmsweise treu. Wir haben
einen klaren Himmel, kaum Wind bei -4 °C, sehr angenehmen
Temperaturen also.
Der Fjord ist voller Eisschollen, aber trotzdem können Kai
und Rémy eine Fahrt mit dem Beiboot unternehmen. Sie steuern
nach Westen und verlassen den Fjord, um die Sonne für einige
Augenblicke über dem offenen Meer zu bestaunen. Es ist der
erste direkte Anblick der Sonne seit drei Monaten! Die
beiden sind dementsprechend euphorisch.
Ich unternehme eine lange Wanderung und entdecke "unsere"
Insel - neue Täler, neue Schneefelder, neue Felsen -
natürlich haben sich nur die Perspektiven geändert. Auch ich
genieße den Tag sehr.
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