|
26.11.
Kai
nimmt erneut den Generator auseinander, aber irgendwie will
das Ding nicht anspringen. Morgen folgt dann ein neuer
Versuch. Rémy hat heute ein Leck in unserem Plastikboot
entdeckt, welches wohl bei einer unserer Entdeckungsfahrten
entstanden ist.
Zudem haben wir ein kleines Problem mit der Toilettenspülung
- heute ist wirklich nicht der erfreulichste Tag, trotzdem
sind wir guten Mutes.
Es sind auch wieder neue Eisschollen in unsere Bucht
getrieben, sollten die Temperaturen in den nächsten Tagen
fallen, sitzen wir für's Erste wieder fest. Mal abwarten...
Aber wir haben auch Gutes geleistet - wir haben die
Eisbefreiungs-Aktion an Deck fortgesetzt. Jetzt fehlt nur
noch die Backbordseite. Morgen sollte auch diese Arbeit
erledigt - und der Kahn um ein paar Kilo leichter sein.
27.11.
CLEANING DAY:
Kai säubert den Generator ein weiteres Mal. Erfolglos...
Rémy saugt und wischt Vor- und Mitschiff.
ich setze die Eisbefreiung fort und isoliere die Lucken vom
Maschinenraum und vom Vorschiff.
28.11.
Heute ist ein klarer, kalter Tag. das Thermometer zeigt
-13,5 °C an. Kai und Rémy bleiben heute unter Deck. Sie
widmen sich ganz ihren handwerklichen, künstlerischen
Tätigkeiten. Kai schnitzt und Rémy übt sich in der Kunst der
verschiedensten Knotentechniken. Nur mich treibt es an die
frische Luft. Ich will die "Wissenschafts-Insel" begutachten
und gegebenenfalls die Batterien wechseln. Doch mit dem
Dingi komme ich keine 20cm voran, denn die Eisschicht, die
sich in den letzten Tagen gebildet hat, ist einfach zu dick.
Also wage ich den ersten Versuch mit allergrößter Vorsicht
und begehe langsam das Eis. Es hält! Ich gehe Schritt für
Schritt, beobachte das Eis unter meinen Füßen und horche, ob
ich ein verdächtiges Knacken hören kann. Nichts, das Eis
scheint kompakt zu sein.
Es ist ein seltsames Gefühl, walking on the water!
Vorsichtig entferne ich mich von der "Dagmar Aaen", ich
genieße die neue Perspektive und die überraschende
Freiheit... aber ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem
bestehen. Nur das Eis im hinteren Teil der Bucht ist
begehbar, aber das reicht mir erst mal auch. Die neue Fläche
öffnet mir das Herz und lässt stille Freude in mir
hochkommen. Es ist toll! Ich vergesse die Wissenschaft und
mache stattdessen eine kleine Wanderung auf unserem
"Haushügel". Obwohl ich den Blick über den Fjord und auf die
umliegenden Berge schon kenne, überwältigt mich der Anblick
erneut. Das wenige, noch verbliebene Licht taucht die
Landschaft in eine grandiose Atmosphäre... die leider schwer
zu beschreiben ist! Innerlich erweitert und glücklich
spaziere ich über das Eis zurück zum Schiff. Der kurze
Ausflug hat wirklich gut getan!
Abends gibt es wieder Robbengulasch mit extra Blubber -
ziemlich fettig, aber gut. Frisch geölt gehen wir gegen
Mitternacht schlafen.
29.11.
Nach dem Frühstück beginnen wir mit den Vorbereitungen für
die Bootsreparatur. Zusammen bringen wir den Kahn (das
Plastikboot) an Land. Kai und Rémy schließen das Leck mit
einer Kupferplatte und Sikaflex. Es ist eine improvisierte
Lösung, aber uns bleibt vorerst keine andere Möglichkeit.
Wir probieren den Kahn gleich im Anschluss aus und brechen
uns eine Rinne durchs Eis.
Die Reparatur scheint erfolgreich zu sein, auf jeden Fall
wird sich das Leck nicht vergrößern und Wasser sollte auch
nicht mehr eindringen. Ab jetzt sollten wir täglich das Eis
brechen, denn die Temperaturen haben angezogen und die
kleinen Schollen frieren über Nacht direkt wieder zusammen.
Ich checke heute die "Wissenschafts-Insel" und stelle fest,
dass ein Batteriewechsel nötig ist. Also wird das erledigt,
genau nach Anweisung von Dirk und René. Ich hoffe mal, dass
der "Logger" nicht zu lange ohne Saft war! Ah, ich vergas:
Ein Datenkabel wurde an Land komplett von den Füchsen
zerbissen. Wir denken aber, dass der Speicher im Instrument
funktionstüchtig ist, also sollte das nicht ein ernsthaftes
Problem sein. Na ja, der Laptop lässt sich jetzt eben erst
einmal nicht so ohne weiteres anschließen...
Der Generator streikt zwar noch, aber dafür ist das Problem
mit der Toilettendichtung behoben - Dank Rémys freiwilligem
Engagement. MERCI!
30.11.
Der Tag ist eher unspektakulär. Wir erledigen die üblichen
Dinge an Bord und um die "Dagmar Aaen" herum
(Wissenschafts-Insel wird gecheckt). Der Abend ist dafür
umso beeindruckender. Es ist sternenklar, der Vollmond steht
am Himmel, es ist windstill und die Außentemperatur ist mit
-5 °C ziemlich angenehm. Rémy und ich unternehmen eine
Wanderung durch die vom Mond beschienene Schneelandschaft.
Es ist herrlich, eine sagenhafte Atmosphäre. Wir genießen
den unendlichen Ausblick über den Fjord mit seinen
zahlreichen gigantischen Eisbergen und nehmen die natürliche
Ruhe in uns auf. Wirklich einmalig schön!
01.12.
Es ist tatsächlich schon der erste Dezember! In drei Wochen
wird die dunkelste Zeit schon vorbei sein... dann werden die
Nächte wieder kürzer und das Licht wird von Tag zu Tag
wieder zunehmen. Ein schöner Gedanke, obwohl uns die
Dunkelheit bis jetzt nicht all zu sehr bekümmert hat.
Kai entscheidet, die "Dagmar Aaen" heute zu verlegen. Es ist
ein perfekter Tag dafür, windstill und nicht zu kalt. Wir
lösen die Leinen, bergen den Anker und unser Dingi - starten
die Maschine. Wir brechen ca. 50m Eis und verankern das
Schiff etwas außerhalb der kleinen Bucht. Dieser neue
Ankerplatz sollte (hoffentlich) von den größten
Eispressungen verschont bleiben. Laut vieler einheimischer
Jäger ist diese Maßnahme notwendig, und so sind wir nach der
vierstündigen Aktion schließlich und endlich zufrieden und
guter Dinge, aber auch etwas müde. Wir genehmigen uns einen
Whiskey und stoßen auf gute Zusammenarbeit an - natürlich
auch auf unseren Kahn und das Wohlwollen des Meeres und des
Eises.
Alles hat bestens funktioniert, das Timing war exzellent.
Abends schneit es - und wir gehen (relativ) früh in die
Kojen.
02.12.
Das Meereis kommt - wir kommen mit dem Beiboot nicht mehr in
den Hafen von Upernavik.
Wir steuern einen kleinen Naturhafen an und genießen eine
heiße Dusche im Hospital. GUT!
|