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      Dagmar Aaen - Überwinterung Blog
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          Stürmischer Jahreswechsel und endlich Eis
 
               

26. - 28.12.:
Es schneit und ist ein bisschen windiger geworden. Doch die Bedingungen sind nicht problematisch, wie verabredet sind wir um Punkt 12 Uhr im Funkkontakt und Rémy kommt mit dem Plastikboot, um mich abzuholen. Zurück auf der "Dagmar Aaen" berichte ich von meinem Tag in Upernavik, die beiden erzählen, was sie die letzten 24 Stunden getrieben haben.
Mit -2 °C sind die Temperaturen auch nach Weihnachten noch immer sehr mild. Der Wind kommt mit 20 - 25 Knoten aus östlicher Richtung. Der Windgenerator produziert den ganzen Tag Strom, wir müssen daher den Dieselgenerator nicht in Betrieb nehmen - gut so.
Die Tage bleiben ruhig, Kai und Rémy beschäftigen sich mit ihrem Handwerk, während ich viel Zeit mit Lesen verbringe, es sind entspannte Tage unter Deck.

29. - 31.12.:
Kurz vor dem Jahresende steigen die Temperaturen wieder bis +6 °C - und erneut erleben wir einen stürmischen Tag. Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 80 Knoten zerren an der "Dagmar Aaen", den Leinen und unseren Nerven. Wir liegen jedoch gut in der Bucht, die Leinen halten dem Sturm Stand. Leider leidet allerdings die "Wissenschafts-Insel". Die Aluminiumkonstruktion ist nicht stabil genug und bricht an einer Stelle. Der Aufbau über der Wasseroberfläche ist ziemlich in Schieflage geraten, doch bis jetzt ist nichts verloren. Alle Messinstrumente sind noch da und auch funktionstüchtig.
Unsere Bucht ist mittlerweile komplett eisfrei... nicht ein Brocken Eis ist zu sehen - und das Ende des Monats Dezember. Schwer zu glauben, aber wahr.
Am Tag vor Silvester checken wir alle Leinen und begutachten noch einmal den Schaden an der Boje des Max Plancks Instituts. Die Leinen sind in einem guten Zustand, was von der Aluminiumkonstruktion der "Wissenschafts-Insel" leider nicht zu behaupten ist.
Der letzte Tag des Jahres ist wieder stürmisch. Der starke Wind (90 KT) aus südlicher Richtung beschäftigt uns von 14 bis 24 Uhr. Es regnet, schneit und vereist in diesen Stunden, die Temperaturen fallen von +5 °C auf -8 °C. Doch pünktlich zum Jahreswechsel hat sich der Sturm etwas gelegt, auf Deck schlittern wir, jeder mit einer Dose Neujahrsbier in den Händen, ins neue Jahr 2010.

01. - 03.01.:
Das neue Jahr beginnt unspektakulär mit einem Leinencheck. Alles in Ordnung. Danach bringen Kai und Rémy die beschädigte "Wissenschafts-Insel" an die Dagmar.
In den nächsten Tagen wollen sie mit den Reparaturen beginnen. Es wird keine einfache Aufgabe sein - vor allem aber eine sehr kalte! Die Lufttemperatur beträgt -8,2 °C, das Meerwasser hat in einem Meter Tiefe eine Temperatur von -1,0 °C. Abends ist es komplett windstill.
Auch der zweite Tag des neuen Jahres ist fast windstill. Kai und Rémy beginnen mit der "Insel"-Reparatur. Sie müssen Aluminiumverstrebungen fixieren bzw. neu anbringen. Der Druck des Eises oder der starke Wind haben Schweißnähte gebrochen. Die beiden bemühen sich, die gesamte Konstruktion wieder stabil zu bekommen. Es ist keine leichte Aufgabe, die Kälte und die Dunkelheit machen die Arbeiten nicht einfacher. Aber gegen Abend ist die "Insel" wieder zusammen improvisiert. Mal abwarten, ob sie die nächste heftige Wetterperiode überstehen wird. Ich mache in der Zwischenzeit einige Filmaufnahmen unter Deck und abends einen Spaziergang an Land.
Da unsere Trinkwassertanks komplett leer sind, alle Eisvorräte an Deck aufgebraucht oder geschmolzen sind, müssen wir uns unbedingt um frisches Wasser kümmern - wichtig!

04. - 08.01.
Zu dritt sind wir mit dem Plastikboot unterwegs und ziehen Eisblöcke aus dem Wasser. Es ist eine recht anstrengende Arbeit, aber nach etwas über einer Stunde haben wir das Boot mit Gletschereis gefüllt und kehren zurück zur "Dagmar Aaen". Sofort schmelzen wir die ersten Blöcke und beginnen die Trinkwassertanks langsam wieder zu füllen. Es ist ein gutes und beruhigendes Gefühl, wieder ausreichend Wasser bzw. Eis am Start zu haben.
Meine Angel-Aktion ist ebenfalls von Erfolg gekrönt. Vier fette Dorsche beißen an und landen anschließend direkt in der Pfanne. Frischer geht's nicht!
Zwischen 11 und 14 Uhr erfreuen uns die ersten Anzeichen der Sonne. Zwar sehen wir von ihr natürlich noch nichts, aber sie schafft es immerhin, die Wolken anzustrahlen und diese reflektieren das Licht und tauchen die gesamte Landschaft in eine zart rote Farbe. Die Stimmung ist herrlich! es ist wirklich schön zu betrachten und zu erleben, wie die Sonne wieder an Kraft gewinnt.
Der 5. Januar ist wieder ein stürmischer Tag. Schon nachts haben wir starken Wind aus dem Süden, tagsüber verlagert er sich und bläst stattdessen aus westlicher Richtung. Gegen 14 Uhr stehe ich an Deck und rauche eine Zigarette. Plötzlich löst sich am Hang genau hinter der "Dagmar" eine kleine Lawine bzw. ein Schneebrett.
Innerhalb von zwei Sekunden rutschen Massen von Schnee ins Wasser. Ich bin einen Augenblick wie versteinert, total überrascht. Allerdings bin weder ich (wir) noch das Schiff in Gefahr. Unsere Distanz zum felsigen Ufer beträgt mindestens zehn Meter, also waren wir nicht in Reichweite. Trotzdem sehe ich dieses Ereignis als Warnung, wir sollten uns nicht zu unbekümmert an Land aufhalten und bewegen. Die dicken Schneewehen, die sich an manchen Stellen und Hängen angesammelt haben, sich durch die Temperaturen wohl ziemlich instabil. Sie bestehen aus unterschiedlich harten Schichten und können jeder Zeit abgehen. Wir werden vorsichtig sein müssen.
Bei Temperaturen von bis zu -12,4 °C hat sich das erste Eis in der Bucht hinter der "Dagmar Aaen" gebildet. Dort ist die Bewegung im Wasser gering und lässt somit die dünne Schicht nicht ständig wieder aufbrechen. Das ist erfreulich. Es wird weiterhin kälter - bei frischem Wind aus westlicher Richtung fühlen wir uns jetzt dem arktischen Winter wieder etwas näher.



         
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