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Zum zweiten Mal in diesem Jahr konnte ich
die Wintercrew Ende März an Bord der Dagmar Aaen
besuchen. Wie anders stellte sich dieser Besuch im Vergleich
zu jenem im Januar dar: Die Sonne hoch am Himmel,
Sonnenscheindauer länger als in Deutschland, eine
unglaubliche Fernsicht und das Gefühl, dass der Frühling
Einzug erhalten hat.
Kai
und Rémy, die nach wie vor die Stellung an Bord halten,
verbringen haben nach den langen Monaten der Dunkelheit und
Isolation ihr Leben weitgehend nach draußen verlegt.
Tagsüber sind die Niedergänge im Schiff offen um Durchzug zu
bekommen, der Schnee an Deck ist weitgehend verschwunden –
und es kommen auch wieder Besucher aus dem Dorf. Trotzdem
ist es natürlich nach unserem hiesigen Verständnis kalt. Die
Temperatur fällt nachts gelegentlich bis auf – 15 °C,
tagsüber geht es aber häufig schon an den Gefrierpunkt und
diese Entwicklung wird schnell voranschreiten. Vor meinem
Besuch war Dr. Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für
Meteorologie aus Hamburg zusammen mit vier weiteren
Wissenschaftlern an Bord, um zwei Wochen lang ihre
Meereisstudien zu vervollständigen. Dirk sagte mir, dass das
Eis nur 30 cm dick
und der Ozean erstaunlich warm sei. Während des
Winters hat sich nur an einigen geschützten Stellen Neueis
gebildet. Tatsächlich konnte ich aus dem Flugzeug auf dem
Weg nach Upernavik sehen, dass einige Fjorde zwar zugefroren
waren, das Eis machte aber einen relativ dünnen Eindruck.
Auf dem Rückflug eine Woche später, waren dann auch bereits
zahlreichen Fjorde wieder aufgebrochen. Und auch das Eis um
die Dagmar Aaen hat seit meinem Besuch um 5
Zentimeter an Stärke abgenommen. Es wird nicht mehr lange
Dauern, bis die Dagmar Aaen wieder in freiem Wasser
schwimmen wird.
Kai und Rémy freuen sich jetzt darauf im Mai abgelöst zu
werden. Es ist wirklich eine lange Zeit die die beiden an
Bord verbracht haben. Kai ist bereits seit Beginn der
Expedition im Juni vergangenen Jahres an Bord, Rémy wird im
Mai durchgehend sieben Monate an Bord sein. So interessant
und eindrucksvoll eine solche Überwinterung auch sein mag –
irgendwann braucht man einfach einen Kulissenwechsel – oder
ganz banal gesagt: einen Urlaub vom Schiff. Trotzdem
genießen sie die Tage. Bootsausflüge sind wieder angesagt,
lange Wanderungen über die Insel und auch die ersten
Überholungsarbeiten am Schiff haben begonnen.
Bis die ersten Crewmitglieder Anfang Mai
eintreffen werden, um das Schiff auf die weitere Reise
vorzubereiten,
werden die beiden die Stellung halten. Dann endet offiziell
die Überwinterung. Gleichzeitig wird auch Dirk Notz nochmals
vor Ort sein um zusammen mit einem Kollegen die
wissenschaftlichen Messeinrichtungen abzubauen und zu
verpacken. Derzeit
stellen wir gerade die neue Ausrüstung für das Schiff
zusammen: Nahrungsmittel, Ersatzteile, Tauwerk – kurzum
alles was wir im kommenden Sommer benötigen werden. Diese
Dinge werden schon in kürze nach Upernavik verschifft.
Vermutlich werden wir die ersten Junitage von Upernavik
absegeln.
Mit an Bord waren diesmal auch Manfred Hell (Jack Wolfskin)
sowie Gaudenz Danuser und Claudia Cleven, die zusammen für
den neuen Winterkatalog unseres Hauptsponsors Jack
Wolfskin Aufnahmen rund um die Dagmar Aaen
machten. Der grönländische Winter zeigte sich dabei von
seiner besten Seite, Ausflüge in die Landschaft rund um
Upernavik mit Hundeschlitten und zu Fuß wurden von
anhaltendem Sonnenschein begleitet.
In der Zwischenzeit sind Bernd Siering
und Uwe Agnes von
Topas-Film dabei den Film über die Überwinterung zu
schneiden. Sobald er fertig ist, bzw. der Sendetermin
feststeht, wird er hier natürlich veröffentlicht. Martin,
der ja maßgeblich an dem Filmprojekt als Kameramann
mitgewirkt und den größten Teil der Überwinterung mitgemacht
hat, genießt derzeit den hiesigen Frühling. Er ist aber
immer noch gedanklich häufig an Bord, wie seine Anrufe hier
bei uns deutlich machen. Das Erlebnis einer solchen
Überwinterung hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck bei
jedem Teilnehmer.
Über die nächsten Pläne für diesen
Sommer sowie über die News von Bord werde ich an dieser
Stelle berichten.
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