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Expeditions-Logbuch

19. August 2023

Über Neptuns Treppe und durch Schottland

Kurz nachdem wir Fort William passiert haben, geben die Wolken den Blick auf den Gipfel des Ben Nevis‘ frei, dem höchsten Berg Schottlands.

Zu unserem Ziel, dem Hafen von Corpach, ist es jedoch noch etwas weiter. Denn von dort aus möchten wir in den Kaledonischen Kanal (eng. Caledonian Canal) einfahren, der Schottland von der West- zur Ostküste durchquert und mehrere natürliche Gewässer miteinander verbindet.

Der schottische Ingenieur Thomas Telford konstruierte zu diesem Zweck eine umfassende Schleusenanlage, mit der der Höhenunterschied zwischen Küste und Inland überwunden werden kann: Neptune’s Staircase („Neptuns Treppenaufgang“) besteht aus insgesamt acht dicht hintereinanderliegenden Schleusen, die uns gut 20 Meter in die Höhe befördern.

In den einzelnen Schleusenkammern ist die gesamte Crew gefordert. Dicht an dicht wartet die Dagmar Aaen neben anderen Schiffen auf den Aufstieg in der Schleuse, wobei die Leinen stets überwacht und dichtgeholt werden müssen. Zwischen den Kammern könnte man fast den Eindruck gewinnen, das Schiff würde an der Leine geführt, wenn die Land-Crew Vorspring- und Achterleine zu den Festmachern der nächsten Kammer trägt.

Achtmal wird Dagmar verholt und achtmal steigt sie langsam aber stetig höher, bis sie in den ersten Abschnitt des Kanals einfährt. Insgesamt sind bei der Durchquerung des Kaledonischen Kanals 29 Schleusen zu durchqueren und zahlreiche Schwingbrücken zu passieren. Auf den großen Seen, den Lochs, entzerrt sich der rege Verkehr auf dieser Wasserstraße und wir können abermals in windgeschützten Buchten abseits der Fahrrinne ankern.

Auch im Süßwasser fühlen Dagmar und wir uns wohl: Im Loch Oich wird die Gelegenheit zum ausgiebigen Baden genutzt und im legendären Loch Ness der Grill angefeuert.

Gut zweieinhalb Tage dauert der Abstecher ins schottische Inland, bevor das letzte Stück des Abstiegs auf Meereshöhe beginnt. Im Schleusenbetrieb sind wir mittlerweile routiniert, auch wenn die Leinen weniger dichtgeholt als aufgefiert werden müssen.

Eine letzte Schleuse liegt bei Inverness noch zwischen dem Kanal und dem Meer. Sie ist das Tor zur Nordsee und für die Dagmar Aaen zugleich der Startpunkt ihrer Fahrt nach Hause.

Position: 57.147822, -4.671593

Expeditions-Logbuch

(Einsame Buchten und Klosterruinen)
(Durch die Nordsee)