Expeditions-Logbuch
23. Juni 2026
Premiere zwischen Färöern und Island
Die Dagmar Aaen ist schon seit den frühen neunziger Jahren als freiwilliges Wetterbeobachtungsschiff unterwegs. Damals wurde die Daten noch manuell erfasst und per Funk weitergeleitet. Heute haben wir eine vollautomatische Wetterstation an Bord, die alle Stunde über Satelliten die aktuellen Daten versendet. Beobachtungen wie Wolken und Seegangshöhen etc. können wir manuell einfügen.
In den vergangenen Jahren haben wir zudem immer wieder Messbojen für den Deutschen Wetterdienst DWD und Météo France ausgesetzt. Diese Bojen arbeiten während ihrer Drift durch die Ozeane ca. 2-3 Jahre lang völlig autark und senden dabei kontinuierlich Wetterdaten an die zuständigen Stellen. Damit fließen die Daten in die täglichen Wetterprognosen z.B. auch in den Seewetterbericht ein. Wettervorhersagen können nur so genau sein, wie die Daten, auf die sie zurückgreifen. Je mehr Messstellen, desto präziser die Vorhersagen.
Allerdings sind diese Driftbojen aus Plastik, was uns immer mit einem schlechten Gefühl zurückgelassen hat, wenn wir sie über Bord ausgesetzt haben. Noch mehr Plastik in den Ozeanen! Wenn auch für einen guten Zweck. Arveds Vorschlag, die Bojen aus Holz zu bauen, stieß zunächst auf Verwunderung – dann auf Begeisterung. Das Ergebnis ist eine europäische Gemeinschaftsleistung: Konzept und Elektronik von E-Surfmar und Météo France, Fertigung der Elektronik durch CLS in Toulouse, Holzkörper von der Bremer Drechslerei, Datenübertragung über das neue europäische Satellitensystem Kineis. Der DWD ist aktiv an der Weiterentwicklung beteiligt. Einen dieser Prototypen haben wir nun an Bord und setzen ihn jetzt zwischen den Färöern und Island aus - es ist das erste Mal, dass eine solche Boje unter realen Bedingungen im Nordatlantik erprobt wird. Wir wünschen ihr eine lange Lebenszeit und viele erfolgreiche Datenübertragungen, damit weitere ihrer Art gebaut werden...