Expeditions-Logbuch
20 August 2025
Die bretonische Küste
So schön und einladend die die Bretagne ist, so anspruchsvoll ist das Segelrevier.
In Brest beträgt der Wechsel zwischen Ebbe und Flut bis zu satten fünf Metern. Die Gezeitenströme drängen sich mit unbändiger Gewalt entlang der Küste und durch die Meeresengen hindurch, die durch die vorgelagerten Inseln gebildet werden. Dabei verursachen sie großräumige Stromwirbel und bei Starkwind brechende Seen. Insbesondere wenn der Wind gegen die Tide steht, kommt es zu gewaltigen Turbolenzen, die Schiffen gefährlich werden können. Man sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Wir haben Glück mit dem Wetter. Es gibt kaum Wind, aber wir haben Vollmond und damit besonders hohe Gezeiten. Insofern werden wir mit dem Gezeitenstrom in rasanter Fahrt durch die „Raz del Sein“ gezogen und erreichen spät abends die Ortschaft Concarneau am nördlichen Ende der Biskaya.
Nachdem wir zwei Nächte in der Bucht vor Anker gelegen und uns die mittelalterliche Stadt angesehen haben, geht es weiter zur Insel Insel Ouessant. Unter Seefahrern wird die Insel meist mit dem britischen Namen Ushant bezeichnet. Mächtige Leuchttürme weisen den Weg in die Bucht der Ortschaft Lampaul. Heftige Stromwirbel lassen die Dagmar Aaen auf den Wellen tanzen. Einen Hafen gibt es nicht, dafür Mooringtonnen an denen man festmachen kann. Rund 800 Menschen leben auf der Insel. Jetzt im Sommer sind Kaffees und Pubs geöffnet, es herrscht ein buntes Treiben, aber im Winter und bei Sturm sieht es hier anders aus. Die Insel bildet den Eingang zum Ärmelkanal. Immer wieder ist es zu schweren Schiffsunglücken gekommen.
Der Leuchtturm Phare du Créac‘h ist der leuchtstärkste Leuchtturm Europas, mit 32 Seemeilen Reichweite. Seit 1863 weist er der Schifffahrt den Weg. Trotzdem lief im März 1978 der vollbeladene Supertanker Amoco Cadiz etwa fünfzehn Seemeilen nordöstlich von Ouessant auf ein Riff und brach entzwei. Bis heute gilt dieses Unglück als eine der schwersten Ölkatastrophen aller Zeiten.
Für uns heißt es Abschied nehmen von der Bretagne. Unser Kurs führt uns in nördliche Richtung über den Ärmelkanal Richtung britischer Küste.
Position: 48.483379, -5.125122