16.04.2006: Nansen Sound - südlich Svartefjeld Peninsula

Nansen Sound

Pos. 80° 35' N - 87° 58' W

Ostersonntag, neun Uhr morgens: Wir sitzen im Zelt und löffeln unser Müsli. Inzwischen haben wir uns gut an die Temperaturen gewöhnt, allerdings ist es gleichzeitig spürbar milder geworden. Als ich wach wurde, musste ich erst einmal den Schlafsack öffnen und die Arme herausnehmen. Seit unserer Ankunft hatten wir fast ausschließlich gutes Wetter und genießen die unglaubliche Fernsicht. Mittlerweile haben wir den Nansen Sound fast komplett überqueren können und werden jetzt entlang der Ellesmere Küste nach Norden laufen. Vom Nordpol sind wir keine 1000 Kilometer entfernt.

Wir kommen schleppernder voran als vorhergesehen. Das liegt zum Teil an schwer passierbarem Eis und Schneeverwehungen, vor allem aber daran, dass wir wegen der immer noch immensen Last auf Depotfahrten angewiesen sind. Der Transport des gesamten Materials wäre für alle Beteiligten und insbesondere die Hunde zu viel. Momentan laufen Torsten und Brigitte morgens mit den Pulkas vor, Falk und ich folgen ihrer Spur mit den schwer beladenen Schlitten, fahren dann ungefähr elf Kilometer voraus, um die Ladung auf dem Eis zu deponieren. Danach fahren wir leer zurück und treffen uns mit den Skiläufern. Wir teilen ihnen die Position des Depots mit, um daraufhin die restliche Ladung zu holen - so wurde es bei früheren Expeditionen generell gehandhabt.

Leithund "Lobo"

Die Rückfahrt ist erheblich mühsamer, weil die Hunde inzwischen natürlich müde sind; trotzdem ziehen sie unglaublich gut. Mittlerweile sind wir alle dicke Freunde. Der Name des Leithundes ist übrigens "Lobo", ein anderer heißt "Grizzly", dessen Freundin hört auf "Irma la Douce", andere wiederum auf "Klaus Kinski", "Black Head", "Prince", "Pedro", "Henry" oder "Hot Dog". Uns ist wichtig, dass die Tiere trotz aller Arbeit Spaß haben und nicht überfordert werden. Sie erfreuen sich auf jeden Fall bester Gesundheit und sind hoch motiviert - das Spezialfutter scheint ihnen gut zu bekommen. Allerdings bereitet uns der Schlitten etwas Sorgen. Die große Last und das raue Gelände hatten schon einige Reparaturen zur Folge und unsere Möglichkeiten sind natürlich begrenzt.

Die Nächte verbringt Torsten voll verkabelt in seinem Schlafsack

Die Tage sind lang und hart. Besonders Falk hat es schwer getroffen: Er hat sich bei einem Sturz das Knie verdreht und seitdem starke Schmerzen. Eine Gelenkmaschette und schmerzstillendes Pflaster sollen Abhilfe verschaffen, dennoch fällt ihm das Laufen schwer. Mit dem zunehmenden Verbrauch des Hundefutters und der entsprechenden Gewichtsabnahme erwarten wir, auch längere Wegstrecken zurücklegen zu können. Momentan sind wir allerdings am Limit.

Vor allem Torsten hat mit der Technik alle Hände voll zu tun. Die Kälte hat bereits eine seiner Digitalkameras gekostet, die anderen funktionieren nur selten. Angesichts der niedrigen Temperaturen versagen die Akkus sehr schnell. Während des Aufladens über die Solarzellen müssen sie zudem warm gehalten werden - die Nächte verbringt Torsten darum voll verkabelt in seinem Schlafsack. Mit steigenden Temperaturen sollten die beschriebenen Schwierigkeiten nachlassen und wir hoffen, bald wieder Bilder schicken zu können...

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Veröffentlichung:

Freitag, 10. Februar 2006