26.04.2006: Audhild Bay

Audhild Bay

Pos. 81° 27' N - 91° 16' W

Es ist deutlich milder geworden, gestern Abend hatten wir -26 °C, für deutsche Verhältnisse klingt das bitterkalt, aber uns kommt es geradezu frühlingshaft vor. Die Sonne gewinnt zunehmend an Intensität und morgens gibt es am Schlafsackrand nicht mehr den gefrorenen Atem, der einem dann ins Gesicht rieselt. das Zelt absorbiert die Sonnenstrahlung und dadurch ist es im zelt relativ warm - sehr angenehm. Ansonsten ist das Wetter weiterhin unglaublich gut, bis auf einen Tag hatten wir jeden Tag nur Sonnenschein, es ist hier sozusagen die arktische Riviera!

Dennoch bleibt es schwierig, die Schlitten über die Eispisten zu bewegen. Immer wieder erschweren Eispressungen das Vorankommen, abwechselnd mit Tiefschnee oder brettharten Sastrugis. Heute lagern wir vor einem Presseisfeld vor der Nordwest-Ecke Ellesmere Islands, die Alteisfelder sind hier mehere Meter hoch gepresst - ein unüberschaubares Durcheinander, wie es schlimmer kaum sein könnte. Dadurch fühle ich mich sehr an die Nordpoltour erinnert, aber genau das ist ja auch die Region. Wir haben den arktischen Ozean erreicht - mit allen Konsequenzen. Heute werden wir versuchen, einen Weg um die Pressungen herum zu finden.

Der Klang reicht aus, um sie zur Räson zu bringen

Bei all der Arbeit entwickeln wir uns langsam zu Hundepsychologen. Es ist wirklich erstaunlich, was zwischen den Tieren abläuft. Der eine ist eifersüchtig auf den anderen, ein weiterer ärgert seinen Nachbarn. Die verletzten Tiere sind frustriert, unser Liebespaar schwebt auf Wolke sieben und unser Drückeberger hinkt immer dann, wenn es darum geht, ordentlich zu ziehen. Man muss sie ständig beobachte und schimpfen, dann wieder loben, mal streicheln und trösten - es ist wie in einer großen Familie.

Zum Glück sind die Verletzungen durch die letzten Beißereien fast vollständig verheilt. Um das in Zukunft zu verhindern, führen wir morgens beim Anschirren ein eisernes Regiment: Alle Hunde müssen liegen! Ich achte darüber und lasse die lange Peitsche über ihre Köpfe sausen - ohne zu treffen natürlich. Der Klang reicht aus, um sie zur Räson zu bringen, und derweil kann Falk die einzelnen Tiere anleinen. Gerade am frühen Morgen, wenn alle ausgeschlafen sind, kommt es zu den gefürchteten Beißereien. Aber auch dieses Problem haben wir gelöst und seitdem herrscht Ruhe und die Krankenstation ist leer.

 

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Veröffentlichung:

Freitag, 10. Februar 2006