Ziele / Historie

Ziele der Expedition

Im 19. Jahrhundert war die Arktis das Ziel zahlreicher Expeditionen. Eine der bedeutendsten der damaligen Zeit war die "Lady-Franklin-Bay"-Expedition unter Oberleutnant Adolphus Washington Greely (Foto / 1844-1935), die dramatisch endete. Arved Fuchs begibt sich mit seiner Expedition auf die Spuren des Polarforschers und Mitbegründers der National Geographic Society. Aufgrund des zurückweichenden Packeises ist es möglich - wenn auch unter großen Schwierigkeiten - Orte und Hinterlassenschaften der gescheiterten Expedition zu erreichen. Der fortschreitende Klimawandel macht es möglich, in der heutigen Zeit Regionen zu erreichen, die noch vor Jahren wegen des Packeises weitestgehend unzugänglich waren.
Die Eiskarten des zurückliegenden Jahres zeigten, dass sowohl die Nordwest- als auch die Nordostpassage im September 2008 komplett eisfrei waren. An der Westküste Grönlands zieht sich das Eis ebenfalls immer weiter zurück, die "Dagmar Aaen" wird daher versuchen, so weit wie möglich in den Norden zu reisen, um die historischen Orte aufzusuchen. Bei extrem günstigen Bedingungen soll die Expedition den 78. Breitengrad überqueren, um dem zurückweichenden Packeis zu folgen.

 

Tragödie im Packeis

Das Ziel der am 8. Juli 1881 gestarteten Expedition von Adolphus Greely war die Errichtung einer festen Polarstation in der Lady Franklin Bay auf Ellesmere Island. Unter seiner Leitung sollten umfangreiche wissenschaftliche Beobachtungen zu Magnetismus, Klima und Gezeiten durchgeführt werden. Damit schlug Greely ein neues Kapitel in der Polarforschung auf, ging es den beteiligten Nationen zur damaligen Zeit doch eher um nationales Prestige im Wettlauf zum Nordpol. Die Expedition Greelys kann aus heutiger Sicht als Grundlage der modernen Erkundung der Arktis und Antarktis angesehen werden, der in Newburyport geborene Offizier zwangsläufig als Mitbegründer dieser Forschung.

1881 nahmen die USA mit der Greely-Expedition am Ersten Internationalen Polarjahr teil, welches ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt war. Die Forschungsarbeiten gestalteten sich äußerst effektiv, doch verschiedene tragische Umstände ließen die Expedition in einer Katastrophe enden.

 

Greely führte die Mannschaft mit strengster Disziplin, hatte jedoch keine Erfahrung im Bereisen der arktischen Regionen

Am 11. August 1881 erreichte Greely mit der "Proteus" und seinem 25-köpfigen Team die Lady Franklin Bay, löschte die Schiffsfracht und errichtete das "Fort Conger", eine aus Fertigteilen gebaute Baracke, die als Basisstation diente. Dies war der Anfang der modernen Forschung - eine ganzjährig bemannte Station zu erhalten, um kontinuierlich wissenschaftliche Daten zu sammeln, stellte zum damaligen Zeitpunkt ein Novum dar. Greely führte die Mannschaft im Fort Conger mit strengster Disziplin, hatte jedoch keine Erfahrung im Bereisen der arktischen Regionen. Vor dieser Expedition wechselte Greely als Leutnant der Kavallerie nach dem Krieg zum Fernmeldecorps der US-Armee.

Schiffbruch am Kap Sabine

Nach einem Jahr hatte die Forschungstruppe unglaubliche Mengen an Daten gesammelt, geografische Erkundungen und Vermessungen durchgeführt - eine triumphale Rückkehr in die Heimat stand bevor. Doch die "Neptun", die die Expedition an der Basisstation abholen sollte, kam dort nicht an, Eismassen versperrten den Weg gen Norden. Sowohl die Besatzung der "Neptun" als auch die von der US-Regierung ausgesandten Schiffe "Proteus" und "Yantic" versäumten es, notwendige Nahrungsmitteldepots zu errichten, zudem erlitt die "Proteus" unweit vom Kap Sabine Schiffbruch.

Im August 1883 entschloss sich Greely, das Fort zu verlassen. Mit drei Schaluppen brach die Mannschaft in Richtung Süden auf, erreichte nach 51 Tagen auf See und auf Eisschollen eine Insel am Kap Sabine, wo ein spärliches Depot errichtet worden war.
Unerfahren im Reisen in den arktischen Zonen unterliefen den Männern um Greely zahlreiche Fehler, in deren Folge 19 von 24 Expeditionsmitglieder vor Hunger und Kälte umkamen. Die Männer ernährten sich von Moos und Flechten, der deutschstämmige Soldat Private C.B. Henry schaffte Lebensmittel zur Seite und wurde vier Tage vor der Rettung wegen Diebstahls erschossen, um die Disziplin aufrechtzuerhalten.

Arved Fuchs beabsichtigt, mit der Dagmar Aaen so weit wie möglich in den Norden zu segeln, um die Sabine-Insel aufzusuchen

Im Juni 1884 wurden die Überlebenden vom ehemaligen Walfangschiff "Thetis" gefunden und gerettet. Den Seeleuten bot sich ein entsetzliches Bild, die Männer um Greely befanden sich in einem hoffnungslosen Zustand, nur sechs der ursprünglich 25 Teilnehmer überlebten die Tragödie. Wenige Tage vor der Rettung starb auch der aus Chemnitz stammende Private Roderich R. Schneider, dessen Tagebucheinträge später in der New York Times abgedruckt wurden. Schneider wurde später auf dem städtischen Friedhof von Chemnitz beigesetzt.
 

Arved Fuchs beabsichtigt, mit der "Dagmar Aaen" so weit wie möglich in den Norden zu segeln, um durch den Smith-Sund in das Kane-Becken zu gelangen und schließlich die Sabine-Insel aufzusuchen, wo die Greely-Expedition ein dramatisches Ende fand.

Fuchs will die Schauplätze der Tragödie aufsuchen und zudem die verschiedenen Routen der Rettungsexpeditionen nachempfinden, sowie mögliche noch existierende Depots und Spuren aufspüren. War es gerade den damaligen Expeditionen teilweise unmöglich, soweit in den Norden vorzudringen, so kann Fuchs mit seinem eisgängigen Expeditionsschiff, das als Basislager der Expedition dient, die aktuelle Eissituation nutzen und die jetzt zugänglichen Regionen ansteuern. Dadurch können die Routen der Rettungsteams erstmals nachempfunden werden.

 

 

 

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Veröffentlichung:

Dienstag, 1. Juni 2010