05.04.2016: Ushuaia

Zwischenbilanz einer Reise

Seit die "Dagmar Aaen" am 5. August 2015 den Hamburger Hafen verlassen hat, hat sie insgesamt rund 12.000 Seemeilen - das sind über 22.000 km - zurückgelegt. Für ein traditionelles Segelschiff Baujahr 1931 wahrlich keine alltägliche Leistung. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass ein großer Teil dieser Reise in den extremen südlichen Breiten stattgefunden hat, die besonders in dem zurückliegenden Sommer von ungewöhnlich heftigen Stürmen begleitet wurde. Kap Hoorn, die Antarktis - Zeit für eine persönliche Bilanz.

Die "Dagmar Aaen" liegt derzeit in Ushuaia (Foto) im Claub Nautico. Man sieht dem Schiff die Strapazen der weiten Reise an: Tropensonne, Sturm und Gletschereis haben Spuren am Schiff hinterlassen. Der Lack ist rissig, die weiße Schanz wirkt matt und die Ankerkette hat bei unzähligen Ankermanövern rostige Tränen am Rumpf hinterlassen. Das ist zwar Kosmetik - aber nach acht Monaten Dauereinsatz ist eine kleine Überholung angesagt.

Die gute Nachricht: es ist nichts kaputt. Wir überprüfen das gesamte Rigg, einige Webeleinen werden erneuert, die Stagen gelabsalt und die Wanten geteert. Das Tauwerk wird auf Abnutzung geprüft und gegebenenfalls erneuert. An Deck wird geschliffen und gemalt während unter Deck der gesamte Sanitärbereich, die Maschinenanlage und die Generatoren einer gründlichen Überholung und Wartung unterzogen werden.

CO2-Untersuchungen

Ein Segelschiff - zumal wenn es aus Holz ist, ist wie ein lebender Organismus - es verlangt nach Pflege. Diese Aufmerksamkeit gewähren wir der "Dagmar Aaen" gerne. Wenn man bedenkt, welche Abenteuer und Sturmfahrten hinter dem Kutter liegen, erfüllt einen das auch mit einem Gefühl der Dankbarkeit und der Vertrautheit. Wir kennen jeden Schäkel, jeden Tampen, jedes Stück Holz des Schiffes. Die "Dagmar Aaen" ist unser Zuhause, unsere Lebensversicherung.

Und die Aufgaben, die wir uns gestellt haben?

Nicht alle Punkte, die wir uns vorgenommen hatten, konnten abgearbeitet werden. So gelang es uns trotz vollem Einsatz aller Beteiligten nicht, an den stürmischen Inseln Diego Ramírez, Ildefonso oder Isla Noir anzulanden, um Felsenpinguine mit Miniatursendern zu versehen. Aber über allen Wünschen und geplanten Vorhaben steht in diesen Breiten immer das Wettergeschehen. Eine Anlandung auf einer dieser Inseln war schlichtweg unmöglich - allen Bemühungen zum Trotz.

Auch die geplanten CO2-Untersuchungen im Meerwasser konnten nicht durchgeführt werden, da leider die finanziellen Mittel für die Anschaffung der teuren Messgeräte nicht verfügbar waren. Trotzdem hoffen wir, dass für die vor zwei Jahren begonnenen Messungen das erforderliche Equipment beschafft werden kann. Die Expedition "Ocean Change", die Reise der "Dagmar Aaen", geht schließlich weiter.

Themen Fischerei / Plastikmüll

Auf der Habenseite gibt es viel Positives zu vermelden. So konnten zwei Dokumentationen für das ZDF angefertigt werden - sowie mindestens drei weitere Dokumentationen für "National Geographic Deutschland". Und letztlich ist es uns gelungen, ein so fernes und schwer erreichbares Ziel wie die Antarktis zu erreichen.

Das komplexe Thema Fischerei beschäftigt uns nach wie vor, ebenso die Untersuchungen zum Plastikmüll. Im weiteren Verlauf der Reise der "Dagmar Aaen" gibt es also noch viel zu tun. Ushuaia ist der Wendepunkt der Reise. Von hier aus geht es wieder Richtung Norden. Mitte April werden wir mit neuer Crew und überholtem Schiff durch die Le Maire Straße in den Südatlantik fahren und dann die Mündung des Rio de la Plata ansteuern - etwa 1.300 Seemeilen von Ushuaia entfernt.
Es ist herbstlich geworden auf der Südhalbkugel. Wir segeln weiterhin in den berüchtigten "Roaring Forties". Es bleibt also auch seglerisch anspruchsvoll.

Arved Fuchs

 

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Veröffentlichung:

Dienstag, 4. August 2015