12.01.2016: Williwaws

Puerto Williams

Es ist immer noch Sturm. Besonders eindrucksvoll sind die Williwaws - Böenwalzen, die mit unvorstellbarer Gewalt durch die Berge preschen, das Wasser aufpeitschen, an den Festmacherleinen zerren und die Fender bis kurz vor dem Platzen zusammendrücken.

Hier liegen wir zwar sicher, aber alle an Bord möchten weiter. Aber das wäre einfach unvernünftig. Ich möchte jetzt nicht in der Haut einiger der Charterskipper stecken, deren Passagiere nervös auf ihr Zeitbudget blicken. Antarktis hin und zurück in gut drei Wochen - und dann der anhaltende Sturm. Da wird die Zeit knapp.

Da ist Osvaldo besser davor. Er ist der Eigner und Skipper der "Polarwind" - einer ungemein stabilen und gut ausgestatteten Segelyacht. Osvaldo ist Chilene, spricht aber fließend Deutsch - neben einigen weiteren Sprachen - und er kennt wie kaum ein zweiter dieses Fahrtgebiet. Osvaldo kennt hier jede Ecke und jedes Schlupfloch. Osvaldo bietet Fahrten in die chilenischen Kanäle und Fahrten zum Kap Hoorn an. Das ist deutlich entspannter und planbarer als eine Fahrt über die Drake Passage.

Er gibt uns immer die neuesten Wetterinformationen, die er direkt von der chilenischen Marine bezieht. Momentan ist er wie alle anderen in Puerto Williams eingeweht. Die chilenische Marine sperrt bei besonders heftigem Sturm den Hafen. Heute war der Hafen kurzfristig auf - jetzt ist er gerade wieder zu. Am Wochenende soll es endlich besser werden. Dann hoffen wir den Sprung über die Drake Passage angehen zu können. Henryk, unser polnischer Freund, hat gesagt: "Die Ruhe ist heilig, nur die Daumen haben es eilig."
Das gilt für dieses Seegebeit in einem besonderem Maße.

Arved Fuchs

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Veröffentlichung:

Dienstag, 4. August 2015