01.09.2014: Ísafjörður

Ísafjörður

Die Überfahrt von Grönland über die Dänemarkstraße nach Island hat es in sich gehabt. Die Wetterprognosen sahen langfristig schlecht aus. Nicht nur, dass wir den Wind genau auf die Nase bekommen sollten - es sollte auch bis auf 40 Knoten aufbrisen. Was mir aber mehr Kopfzerbrechen bereitete war der Hurrikan Cristobal, der sich zeitgleich der isländischen Südküste näherte. Zwar war das kein richtiger Wirbelsturm mehr, aber immerhin war er noch als Tropical Storm klassifiziert mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten - und den wollten wir nun nicht abbekommen.

Wir haben daher die erste Starkwindphase vorgezogen und sind vom Jacobsen Fjord aus auf die Reise gegangen. Wie zu erwarten briste es sehr bald auf, in Böen bis 45 Knoten, dazu eine 3 - 4 Meter hohe See, Dauerregen und eine Wasser- und Lufttemperatur von 4 °C. das war frisch und ungemütlich. Insbesondere unsere drei Bergsteiger, die ja keinerlei Akklimatisationsphase an Bord hatten, litten heftig unter Seekrankheit. Stundenlang kamen wir kaum von der Stelle, machten maximal 1 Knoten Fahrt und nahmen enorm viel Wasser über. Das Schiff hat das aber alles klaglos weggesteckt.

Die Grönland Expedition ist erfolgreich abgeschlossen worden

Sorge bereitete mit das notdürftig reparierte Wasserstag. Würde die Reparatur der ernormen Beanspruchung standhalten? Es zahlt sich aus, wenn man ausreichend Reparaturmaterial der unterschiedlichsten Art an Bord hat. Wie etwa die 19mm starke Gewindestange aus V4A Stahl, die ich seit Jahren an Bord spazieren fahre und jeder gelästert hat, wozu wir die wohl bräuchten. Jetzt war ihre Stunde gekommen. Sie sorgte dafür - und natürlich das handwerkliche Geschick von Bernhard und Matze - das das Wasserstag durchhielt. Zum Glück ließ der Wind dann im Verlauf der Passage nach, so dass wir wieder Fahrt machen und nachts um 1 Uhr in den Hafen von Isafjörður einlaufen konnten. Die isländische Coast Guard warnte derweil ständig vor dem heftigen Sturm, der auch nicht lange auf sich warten ließ. Um 5 Uhr morgens brach es dann los - 70 Knoten Wind wurden hier gemessen, aber wir konnten uns ganz entspannt in unsere Kojen zurückziehen und den Schlaf nachholen, der uns auf der Überfahrt nicht vergönnt war.

 

Damit ist die Grönland Expedition in allen Punkten erfolgreich abgeschlossen worden. Die Bergsteiger waren in jeder Hinsicht erfolgreich, wir konnten mit der "Dagmar Aaen" und dem Kamerateam von SPIEGEL TV für das ZDF wie geplant die Filmarbeiten durchführen und last but not least haben wir im Verlauf der gesamten Reise, bis hinunter nach Tassilaq kontinuierlich Messungen im Seewasser durchgeführt, die mittels einer von der Kieler Firma SubCtech konstruierten Messeinrichtung gesammelt worden sind. Diese Messungen werden wir bis zur Rückkehr nach Flensburg fortsetzen - die Auswertung der Daten wird dann anschließend von den Wissenschaftlern durchgeführt.

Wir werden noch bis Freitag hier bleiben, da derzeit ein Crewwechsel stattfindet. Danach bleibt "nur" noch die Heimreise. Aber die kann um diese Jahreszeit anspruchsvoll werden.

Ich werde berichten!

 

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Veröffentlichung:

Donnerstag, 3. Juli 2014