01.09.2003: Cambridge Bay

Cambridge Bay

Wir liegen genau im Zeitplan. Anfang September wollte ich in Cambridge Bay sein, da man von hier aus am besten die Eissituation beurteilen kann. Cambridge Bay erhielt seinen Namen während einer Expedition im Jahr 1839, als die Hudson's Company die Küstenregion exakt beschreiben sollte, dieser Ort wurde nach dem Duke von Cambridge - Adolphus Cambridge - benannt. In der Sprache der Einheimischen heißt er allerdings Ikaluktutiak, was soviel bedeutet wie "ein guter Platz zum Fischen". Cambridge Bay ist die größte Gemeinde in der Kitikmeot-Region.

Der schwierigste Teil der Nordwestpassage liegt jetzt vor uns. Von hier aus geht es durch ein Gewirr von Schären, Insel und Untiefen Richtung King William Island und dann weiter Richtung Franklin Strait und Peel Sound. Dort liegt noch immer dichtes, mehrjähriges Eis, das in manchen Sommern überhaupt nicht aufbricht. Vor Herschel Island hatten wir uns mit dem Kreuzfahrtschiff "Bremen" getroffen, die von Osten kommend genau diese Route gefahren sind. Kapitän Daniel Filgner sagte mir, dass sie nur mittels Eisbrecherunterstützung und selbst damit nur unter großen Schwierigkeiten die Etappe bewältigen konnten.

Aktuelle Eiskarten

Das ist jetzt allerdings rund zwei Wochen her und in dieser Zeit ist Bewegung in das Eis gekommen. Bei unserer ersten Durchfahrung der Nordwestpassage waren wir am 6. September in den Peel Sound von Norden kommend eingefahren und hatten einen Weg durch das Eis gefunden. September  - wenngleich schon kalt und stürmisch - scheint der Monat zu sein, in dem das Eis am ehesten aufbricht. Wir hoffen jedenfalls drauf. Wenn es eine Chance in diesem Jahr gibt, durch die Nordwestpassage zu kommen, dann in den nächsten zwei bis drei Wochen.

In Cambridge Bay werden wir noch einmal genauestens alle aktuellen Eiskarten studieren und danach entsprechend unsere weitere Route festlegen. Strategie und Tatktik ist bei Eisfahrten genauso wichtig wie das richtige Equipment und natürlich die richtige Crew. Ich habe das Gefühl, dass hier an Bord der "Dagmar Aaen" alles stimmt. Aber Glück gehört wie immer auch dazu - das Schiff ist schließlich kein Eisbrecher! Wir sind übrigens nicht die einzigen, die in diesem Jahr versuchen, durch die Passage zu gelangen.

Unsere alten Bekannten vom vergangenen Jahr, Eric Brossier mit seiner Crew und der "Vagabond" liegen bereits in der Nähe und warten ebenfalls auf eine günstige Gelegenheit. Wir werden sie sicherlich noch irgendwo treffen. Es sind noch weitere Schiffe unterwegs, z. B. versucht die französiche "Captain Hatteras", die Passage von Osten her zu durchsegeln. Die Spannung hier an Bord ist natürlich groß. Was werden die nächsten Tage bringen? In Cambridge Bay werden wir noch einmal das Schiff versorgen und uns dann auf den Weg machen - ich werde berichten!

Sponsoren, Förderer & Partner

Veröffentlichung:

Mittwoch, 10. September 2014