06.08.2013: Hopen

Hopen

Pos. 76° 23' N - 017° 17' E

Hopen Insel erreicht - wir sind am Sonntag bestens in Spitzbergen angekommen!

Schon über Funk wurden wir vom Stations-Chef Tore herzlich zum Besuch der meteorologischen Station eingeladen - er freue sich sehr über das zweite Schiff in diesem Jahr. Viel besser hätte der Empfang auf der schroffen und abgelegenen Insel kaum sein können. "Dagmar Aaen" konnte diesen bis 370 Meter hohen und 33 Kilometer langen und lediglich 1,5 Kilometer schmalen Vorposten im Südosten von Spitzbergen trotz mehrerer Versuche bisher noch nie erreichen, obwohl dies schon lange ein Traum von Arved war. Nun sind wir an diesem für uns wichtigen Ziel. In der Bucht fällt der Anker im 10 Meter tiefen Wasser vor hohen Steilküsten. Über sie fließen langgezogene Wolken und Nebelbänder, die uns schnell wieder alle Sicht nehmen.

Tore arbeitet seit 2004 mit Unterbrechungen bereits seit über 40 Monaten im Sommer und Winter auf Hopen. Auch wenn der Polartag hier auf 76° Nord faszinierend und erlebnisreich ist - er bevorzugt den Winter mit rauen Bedingungen und den zahlreichen Eisbären. Bis zu 300 von ihnen wurden hier in einzelnen Jahren gesehen. In letzter Zeit ging diese Zahl jedoch bis auf 80 Männchen, Weibchen und Jungtiere zurück, über deren Sichtungen und Begegnungen genau Buch geführt wird.

In der ersten Nacht ging die Sonne um Eins im Nord-Nordosten auf, doch bereits 48 Stunden später stand sie über dem Horizont

Zudem messen sie im Winter die Ausdehnung und Stärke des Eis um die Hopen Insel, auf der bereits 1908 erstmalig geforscht wurde. Seit den 1970ern verliere hier das Eis pro Jahrzehnt durchschnittlich 11 cm an Stärke. Im letzten Jahr erreichte es erst im Februar die Ausbreitung, die es im langjährigen Durchschnitt normalerweise schon im November hatte. Für dieses Jahr erwarten sie extrem wenig Eis, denn bereits jetzt ist Spitzbergen (nahezu) eisfrei - und das jährliche Eisminimum ist erst im September.

Während unserer flotten und sicheren Überfahrt von 450 Seemeilen über die Barentssee fielen die anfangs moderaten bis zu 16 °C Wasser- und Lufttemperaturen auf 6 °C und zudem zeigten dicke Nebelbänke sehr deutlich: Wir sind in der Hocharktis angekommen. Bereits während der Nachtwachen sahen wir unser schnelles Vorwärtskommen nach Norden deutlich: In der ersten Nacht ging die Sonne um Eins im Nord-Nordosten auf, doch bereits 48 Stunden später stand sie um Mitternacht etwa eine Daumenbreite über dem Horizont. Der Unterschied zwischen 70° und 72° 30' N ist so direkt an dem höheren Sonnenstand abzulesen, denn eine Daumenbreite entspricht eben jenen 2,5°.

Ornithologe

Stefan als begeisterter Ornithologe notierte akribisch die Positionen seiner und unserer vielen Vogel-, Delfin- und Walbeobachtungen. Dabei gehen seine tiefgehenden Kenntnisse weit über die Vogelwelt hinaus. Er beobachtet und bestimmt sehr genau - und dies überträgt sich auf die ganze Crew! So wird beim Logbuch-Eintrag "Delfine begleiten uns" die genaue Position festgehalten und mit Hilfe vom Bestimmungsbuch und in Rücksprache mit ihm ergänzt, dass es Weißschnauzen-Delfine waren.

Wir ziehen nun mit kühlem Ostwind mal bei Sonne oder in dichtem Nebel weiter ums Südkap von West-Spitzbergen herum nach Longyearbyen. Wir melden uns von dort!

Text & Foto: Matthias Berg
 

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Veröffentlichung:

Montag, 1. Juli 2013