01.06.2018: Helgoland

Helgoland

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir unser erstes Reiseziel erreicht: Helgoland. Deutschlands einzige Hochseeinsel. Auf den 94 Seemeilen vom Ablegen in Hamburg bis zur Westkaje im Südhafen von Helgoland regte sich kein Lüftchen. Das Holzdeck der "Dagmar Aaen" musste sogar ständig gewässert werden. Hitze, Sonneneinstrahlung und Trockenheit sind Gift für die sechs Zentimeter starken Decksplanken aus Oregonpine, denn das Holz trocknet aus, zieht sich zusammen und die mit Werg und Teer gefüllten Fugen reißen auf. Und das kann für die Crewmitglieder in den Oberkojen schlimmstenfalls bedeuten, dass es "reinregnet". In diesem Wissen wurde das Deck komplett feucht gehalten, unter Deck blieb es trocken.

Während der Überfahrt nutzte Arved die Zeit, um der Crew die obligatorische Sicherheitseinweisung zu geben. Vom Gebrauch der diversen Feuerlöscher, über die Nutzung der Sicherheitssender an unseren hoch modernen Secumar Schwimmwesten bis zur Einstiegstechnik in die Rettungsinsel unseres Schiffes - jeder Aspekt wurde ausführlich angesprochen, Fragen beantwortet und mögliche Szenarien durchgespielt. Das Thema Sicherheit soll und muss auf einer Expedition eine ganz zentrale Rolle spielen. Einmal mehr wurde der Gegensatz zwischen unserer Form des Reisens und moderner Personenbeförderung deutlich: Während die "Dagmar Aaen" mit fünf Knoten Geschwindigkeit Richtun Helgoland lief, überholte uns der "Halunderjet" (die Fähre zwischen Hamburg und Helgoland) mit satten 34,7 Knoten.

Vor Ort fanden bereits die ersten Programmpunkte der "Ocean Change"-Expedition statt. In der Außenstelle des Alfred Wegener Instituts (AWI) konnte sich die Crew das sogenannte Schülerlabor anschauen. Dort werden Jugendliche auf die Problematik des Plastikmülls in den Meeren aufmerksam gemacht. In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass am Strand Abschnitte definiert und vermessen werden, um in diesen Sektionen Plastikmüll zu sammeln, zu protokollieren und dann natürlich fachgerecht zu entsorgen.

Welche dramatischen Konsequenzen der Plastikmüll für die Vogelwelt haben kann, zeigten uns Mitglieder des Vereins Jordsand: In den Felsen von Helgoland gibt es eine Basstölpel-Kolonie. Die Vögel haben es sich im Laufe der Zeit angewöhnt, als Nestbaumaterial Plastikfasern aus "Dollyropes" zu nutzen. Diese Grundanhänge von Schnleppnetzen reißen oft ab, werden angeschwemmt und dann von den Basstölpeln aufgepickt. Ganze Nester werden aus Plastikfasern gebaut und immer wieder kommt es vor, dass die Tiere nicht nur das Plastik fressen, sondern sich in den Felsen mit den Fäden selbst strangulieren und elendig verenden.

Die nächste Station unserer Reise nach Norden ist der Offshore Windpark "Butendiek", 20 Seemeilen westlich von Sylt.

Matze Steiner

         

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Veröffentlichung:

Samstag, 26. Mai 2018