Rüdiger Nehberg ist tot

Rüder Nehberg ist tot.

Mit großer Bestürzung und Trauer habe ich vom Tod Rüdiger Nehbergs erfahren. Rüdiger und ich kannten uns seit über 40 Jahren. Als ich meine ersten Expeditionen plante, war Rüdiger bereits ein Star in der Szene. Zaghaft, ohne wirklich auf eine Antwort zu hoffen, schrieb ich ihm einen Brief, in dem ich um Rat für eigene Abenteuer nachsuchte. Die Antwort kam prompt - er lud mich zu sich nach Hamburg ein, führte mich durch seine Konditorei und schließlich in sein Allerheiligstes - sein zum Terrarium umgebauten Keller mit den Anancondas und Boas. Rüdiger wurde so etwas wie mein Mentor, brachte mich mit Menschen wie etwa Peter Lechhart zusammen, der ein Eis- und Bergprofi war und uns zum  Training nach Chamonix einlud. Rüdiger und ich hingen gemeinsam an Seilbrücken, lernten Eisklettern, Spaltenbergung sowie den Umgang mit Eis und Schnee. Rüdiger wollte selbst nie ins Eis - dennoch hat er mit mir gemeinsam das Training durchgezogen. Ich, das damalige Greenhorn - verdanke ihm sehr viel. Seit jenen Jahren waren wir befreundet, tauschten uns aus, berieten uns gegenseitig. Wenn er zu Besuch an Bord der "Dagmar Aaen im Hamburger Hafen kam, wurde ihm nach kurzer Zeit schlecht - Rüdiger wurde schnell seekrank. Und dennoch hat er die Atlantiküberquerungen gleich mehrfach eisenhart durchgezogen. Er plante sogar eine weiter Überquerung. Rüdiger hatte einen unbeugsamen Willen. Er gab seinen Abenteuern einen Sinn, kämpfte gegen Ungerechtigkeit indem er sich um die Menschenrechte der brasilianischen Indianer einsetzte, oder später den Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung aufnahm.  Er baute vor Ort Krankenhäuser, gründete den Verein Target. Rüdiger hatte ein großes Herz. Trotz aller Ernsthaftigkeit bewahrte er sich seinen Humor und seine beispiellose Liebenswürdigkeit. Rüdiger hinterläßt eine Lücke die nicht zu schließen ist. Mein Mitgefühl gilt seiner Frau Annette und der gesamten Familie.

Arved Fuchs