Expeditions-Logbuch

07. Juli 2026

Grönland und das „Rote Haus“

Besuch im „Roten Haus“

Knapp drei Tage braucht die Dagmar Aaen für die Überfahrt von Island nach Grönland – für uns waren das dieses Mal drei Tage Nordatlantik mit moderatem Wetter, fairen Winden und vielen Wal-Sichtungen. Als wir den Ostgrönlandstrom erreichen, sinkt die Wassertemperatur auf ca. zwei Grad und erste Eisberge tauchen auf. Gigantische weiße Kolosse auf ihrem Weg nach Süden. So faszinierend diese schwimmenden Riesen auch sind: Eine Kollision wäre fatal. Das bedeutet: immer aufpassen und rechtzeitig ausweichen. 

Vor der Siedlung Tasiilaq werfen wir schließlich Anker. Grönland empfängt uns mit blauem Himmel, viel Sonne und milden 6 Grad. Arktischer Sommer! 

Tour durch die weiße Wüste

Hier in Tasiilaq wollen wir Robert Peroni treffen – den Mann, der 1983 gemeinsam mit Pepi Schrott und Wolfgang Thomaseth als einer der Ersten das grönländische Inlandseis an seiner breitesten Stelle durchquert hat. 88 Tage waren die drei Männer unterwegs, ohne weitere Hilfsmittel oder Versorgungsdepots. 1.400 Kilometer durch weiße Wüste, ständig auf der Hut vor den Tücken des Eises und der Bedrohung durch Bären. Eine einzige Strapaze. Aber auch eine prägende Erfahrung für Peroni: Der Extremsportler entdeckt seine Faszination für die Arktis, die Menschen von Grönland, das Leben im hohen Norden. 

Noch heute lebt er in Tasiilaq und betreibt dort das „Rote Haus“. Ein Gästehaus für Besucher, eine Begegnungsstätte für Menschen unterschiedlicher Kulturen, ein Ankerpunkt für viele Menschen aus Tasiilaq. 

Jägerkultur trifft auf Globalisierung

Bewusst beschäftigt er nur Grönländer, gibt den Menschen Arbeit und – noch viel wichtiger: eine Lebens- und Zukunftsperspektive. Denn die sozialen Probleme in Grönland sind riesig. Erst 1982 ist Ostgrönland internationalisiert worden, das heißt, der erste Tourist durfte ohne Genehmigung einreisen. Erst seitdem öffnet sich diese Region langsam. Bis dahin lebten die (allermeisten) Menschen in Grönland für sich und hatten kaum Kontakt zum Rest der Welt. Doch der Einfall der globalisierten Moderne in die traditionelle Jägerkultur ging für viele Menschen in Grönland viel zu schnell und war kaum zu verarbeiten.  

Robert Peroni versucht mit seinem „Roten Haus“ den Inuit Mut zu machen und ihnen nachhaltige Wege aufzuzeigen, die ihre Kultur bewahren und ihnen dennoch eine Zukunft bieten. Mittlerweile beschäftigt er bis zu 70 Menschen aus Tasiilaq, sei es als Guides, Bootsführer oder Hostelmitarbeiter. Es gibt jetzt rund 60 Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen, die sich auf Ostgrönland einlassen und die Menschen hier kennenlernen wollen. 

Robert ist mittlerweile über 80 Jahre alt und bemüht sich sehr, dass das „Rote Haus“ auch ohne ihn weiterbestehen könnte. Das ist auf Grund des grönländischen Steuerrechts leider ziemlich kompliziert. Immerhin gibt es seit 2023 die Stiftung „The Red House Greenland Foundation“, die den Fortbestand sichern soll. Wir drücken diesem Projekt auf alle Fälle ganz fest die Daumen! 

Uli Weih

Expeditions-Logbuch

(Vestmannaeyjar und Reykjavík)
(Sermersuuaq – das große Eis)