Expeditions-Logbuch

03. August 2026

Auf den Spuren der Geschichte

Die Ostküste Kanadas ist überwältigend. Wir bewundern die unberührten Berghänge, die an uns vorbei ziehen. Etwas Gänsehaut ist dabei. So unberührt erscheint die Natur, dass Fragen auftauchen, ob der eine oder andere Berg überhaupt schon mal bestiegen wurde und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, auf Eisbären zu treffen.

Wir befinden uns jetzt auf einem anderen Kontinent, ein Kontinent der lange außerhalb der europäischen Wahrnehmung existierte und seine eigenen Gesellschaftsstrukturen entwickelt hat. Die First Nation und die Inuit haben bereits viele Jahrtausende hier gelebt und gejagt, bevor es zu den ersten Kontakten mit Europäern kam.

Ca. im Jahr 1000 kamen die Wikinger als erste Europäer nach Neufundland und bauten eine Siedlung mit einem Langhaus auf. Diese Siedlung wurde im Verlauf der Zeit wieder aufgegeben.
1473 führte eine Expedition im Auftrag des dänischen Königs und mit Unterstützung des portugiesischen Königshauses eine Forschungsreise an die Küste Labradors durch. Der Expeditionsleiter Didrik Pining aus Hildesheim und Kapitän Hans Pothorst aus Hamburg segelten über Grönland von Norden kommend die Labradorküste entlang.
1540 kamen die ersten baskischen Walfänger und bauten eine Walfangstation in Red Bay im südlichen Labrador auf.Die Walfänger wurden immer zahlreicher. In den folgenden Jahren kamen in einer Saison bis zu 50 Walfangschiffe mit bis zu 2500 Seeleuten an die Küste.
In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Konflikte zwischen den Walfängen, den Händlern, den Kolonialmächten und den Inuit.
1752 kamen die ersten Missionare aus Deutschland der Herrnhuter Brüdergemeinde und begannen in Hoffnungstal/Hopedale zu siedeln. Dieser erste Siedlungsversuch scheiterte an Konflikten mit den Inuit. Die Missionare zogen sich wieder nach Europa zurück.
1771 gelang durch Vermittlung von Mikak, einer unter den Inuit sehr respektierten Frau, die Neuansiedlung einer Missionsstation. Mit Unterstützung der Englischen Krone und dem Herrnhuter Jens Haven gelang es Mikak, eine Missionsstation in Nain zu errichten. Die Missionare lernten die Sprache der Inuit, unterrichteten diese und vermittelten verschiedene Handwerkstechniken. Zusätzlich trieben sie Handel. Hierdurch konnte die Missionsstation auch ihren eigenen Lebensunterhalt sowie die aus Europa kommenden Waren finanzieren. Dieser Handel war in den folgenden Jahren Auslöser für viele Konflikte mit den Inuit und den Handelsgesellschaften.
1782 entstand eine weitere Missionsstation genau dort, wo die ersten Siedlungsversuche 1752 in Hoffnungstal/Hopedal mißglückten. In den folgenden Jahren wurden Missionsstationen in Okak, Hebron und Zoar aufgebaut.
1880 wurde Adrian Jacobson vom Hamburger Zoogründer Carl Hagenbeck beauftragt, eine „Eskimofamilie“ für eine „Menschenschau“ im Tierpark zu gewinnen. Mit vielen Versprechungen wurde die Familie Ulrikab von der Missionsstation Hebron sowie eine weitere Familie aus der nördlichen Umgebung überredet, mit nach Europa zu kommen. Dort lebten Sie im Tierpark Hagenbeck auf engstem Raum unter häufiger Bedrängnis durch Besucher. Die „Ausstellung“ war ein großer Erfolg, so dass diese Menschenschau nach Berlin, Prag, Frankfurt, Darmstadt und Paris weiter zog. Der Wunsch der Familien, zügig zurück in die Heimat zu kommen, wurde nicht erfüllt. Beide Familien starben zur Jahreswende 1880/81 an den Pocken. Die eigentlich empfohlene und vorgesehene Pockenimpfung wurde ihnen vorenthalten.

Für uns geht es weiter nach Süden - auf den Spuren deutscher Einwanderer und Missionare.Wir hoffen, dass wir dabei die Gelegenheit zu Begenungen und guten Gesprächen haben werden.

Alex

Position: 60.178256, -64.342804

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