Expeditions-Logbuch
02. August 2026
Sehnsuchtsort Labrador
Wir sind angekommen!
Langsam tauchen die Konturen der kanadischen Küste aus dem ölig grauen Gemisch aus See und Wolken auf. Marie sieht unser Ziel als Erste und verdient sich damit einen Schnaps. Die Crew ist aus dem Häuschen. Nach gut 400 Seemeilen liegt die Nordspitze von Labrador vor uns. Vorsichtig konzentriert fahren wir langsam in einen Fjord, dessen Flanken von schroffen, kargen Felsformationen geprägt sind. Hier ist es so menschenleer, dass diverse Bereiche in den kanadischen Seekarten noch als nicht vermessen ausgewiesen sind. Im O’Brien Harbour fällt der Anker.
Fast zeitgleich werden wir auf UKW Kanal 16 aus einem Flugzeug der kanadischen Küstenwache angesprochen. Freundlich werden unsere Daten abgefragt, dann wünscht man uns „happy sailing“.
Das Ankerbier schmeckt köstlich. Zur Feier des Tages serviert Miriam wunderbare Semmelknödel mit Pilzragout. Nach einer ruhigen Nacht erweist sich das kanadische Küstenhandbuch als exakt richtig. Dort sind für unseren Ankerplatz teils heftige Fallwinde beschrieben. Plötzlich schießen Wolkenfetzen über uns hinweg und der Wind dreht in Böen hoch auf bis zu 40 Knoten.
Es wird ungemütlich. Deshalb entschließen wir uns, an einen anderen Ankerplatz zu verholen, der von flacheren Bergen umgeben ist und deshalb keine Fallböen haben soll. Nach 8 Seemeilen südwärts durch aufgepeitschtes Wasser fällt der Anker im Bowdoin Harbour. Hier bläst es zwar auch noch mit 20 Knoten, aber die Dagmar Aaen liegt sehr viel ruhiger.
Für uns ist es Zeit, wieder mal die Uhren umzustellen. Keine einfache Aufgabe. Die kanadischen Provinzen (wir befinden uns im Grenzgebiet zwischen Quebec und Labrador) haben unterschiedliche Zeitzonen (teilweise mit nur 30 Minuten Unterschied), dazu Sommerzeit und UTC. Die Schiffsuhr wird drei Stunden zurückgestellt. Damit liegen wir jetzt 6 Stunden hinter der Deutschen Zeit.
Unser nächstes Ziel ist der Torngat Mountains National Park.
Matze
Position: 60.379317, -64.538155








