Expeditions-Logbuch

15. August 2026

Gastfreundschaft und Bordalltag

Ein wichtiger Teil der Ocean Change Expeditionen ist der Austausch mit den Menschen vor Ort. Fünfmal haben wir bisher an der Küste von Labrador Inuit in ihrer Heimat besucht. Dabei spielt Fisch immer eine besondere Rolle. Egal, ob an der subpolaren Nordspitze Labradors oder an der Südecke (übrigens auf der gleichen geografischen Höhe wie Hamburg): Den
Anfang macht der Fisch. Sobald wir fest sind, kommen Menschen auf die Pier, bestaunen das Schiff und begrüßen uns.
Und danach immer die gleiche Frage: Wollt Ihr Fisch haben? Natürlich wollen wir!
Mal ist es ein Fischer, der gerade Kabeljau filetiert. Nehmt Euch, soviel Ihr wollt, heißt es dann. Wenn wir vorsichtig bemerken, dass wir neun Leute sind, kommt als Entgegnung: Dann nehmt lieber 10 Filets. Mal kommt jemand mit geräucherten, eingeschweißten Arctic Char Seiten zu uns, mal ist es ein junger Fischer, der uns mit Lachsseiten versorgt. Fisch gewordene Gastfreundschaft. Wir genießen die leckeren Mahlzeiten, die Miriam aus den Geschenken zaubert.

Neben dem Genuß stehen während der Liegezeiten Arbeiten an der Dagmar Aaen im Vordergrund.
Ein Schiff braucht Schutz - vor allem Schiffe aus Holz. Noch viel wichtiger wird das, wenn ein Holzschiff in arktischen Gewässern unterwegs ist. Die Bauteile sind hier einer wesentlich stärkeren Belastung ausgesetzt. Ein Seemann streicht übrigens nicht sein Schiff - er malt es.

Aber auch viele andere Bauteile bekommen Pflege und Zuwendung. Allen voran das Radar. Vor der Küste von Labrador stellte es seinen Dienst ein - die Beleuchtung des Displays hat aufgegeben. Das Expeditionsbüro in Bad Bramstedt wurde via Satellitentelefon beauftragt, eine Ersatzlampe zu beschaffen und nach Labrador zu schicken. Eigentlich ein simples Bauteil. Leider wird aber weder das Display noch das Radargerät noch gebaut, Ersatzteile gibt es nicht mehr und Alternativen aus China wären erst nach vielen Wochen lieferbar.
Bei Nacht und durchs Eis zu navigieren ohne Radar ist gefährlich. Also wird improvisiert. Marie und Lukas haben das Radar-Gerät vorsichtig geöffnet und erkundet. In die Öffnung, in der vorher die defekte Lampe steckte, könnte man eine Alternative hineinstecken. Aber was? In der Kombüse werden sie schließlich fündig. An der Decke sind LED-Leuchtstreifen angebracht, die passen könnten. Gesagt - getan. Wir haben noch einen Ersatz- LED-Streifen an Bord. Der lässt sich zuschneiden und passt genau in die Öffnung. Die Spannungsversorgung wird ebenso improvisiert und alles zusammengeschraubt. Dann der große Momennt. Was passiert beim Einschalten des Radargerätes? Es läuft!! Die Freude an Bord ist riesig, das Radar ist wieder nutzbar.

Improvisation gehört an Bord eines Expeditionsschiffes zum festen Repertoire.

In der Kombüse hat Miri unterdessen den Ofen abgeschaltet. Unser Dikson-Dieselofen ist ein absolut zuverlässiger und genügsamer Kamerad, der 24 Stunden, Tag und Nacht in Betrieb ist. Er ist nicht nur Herd und Backofen, sondern heizt auch das Mittelschiff.
Nach dem Abkühlen wird die Gusseiserne Herdplatte, die fast einen Quadratmeter misst, sorgfältig gereinigt und geölt. Aschereste werden aus dem Abzug entfernt und jetzt kann wieder gekocht und geheizt werden.

Matze - unser Schiffszimmerer - hat unterdessen eine Halterung für ein Fisch-Schneidebrett zugeschnitten, geschliffen, angebaut und gemalt. So kann beim filetieren der Fische (und davon gibt es während dieser Reise wahrlich genug) der Geruch an Deck bleiben.

Im Rigg haben Mika und Marie eine Belederung getauscht, damit der Fockfall-Block nicht an der Eistonne schamfilt. Oder in nicht-Seemanns-deutsch: Einen Lederstreifen als Scheuerschutz. Zu tun ist immer was…

Thomas&Matze

Position: 55.607497, -60.320435

Expeditions-Logbuch

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(Nain – ein Dorf als Metropole)