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Expeditions-Logbuch

17. August 2026

Nain – ein Dorf als Metropole

Gut 1.200 Menschen leben in Nunajnguk - so heißt Nain in der Sprache der Inuit.Gegründet 1771 als Missionsstation, bietet die nördlichste Siedlung Labradors alles, was das moderne Leben ausmacht:  Einen Flugplatz, zwei Supermärkte, ein Krankenhaus und das neue Verwaltungszentrum.

Als wir die Leinen festmachen, dauert es nur wenige Minuten, bis wir offenbar talk oft the town sind. Kinder besuchen uns an Bord und ein Pickup nach dem anderen rollt auf die Pier. Die Einheimischen bestaunen die Dagmar Aaen und wollen genau wissen, wo wir herkommen. Ein Fischer schenkt uns zur Begrüßung gleich zwei richtig große Saiblinge. Die Freundlichkeit der Menschen ist überwältigend.

Wir bekommen eine kleine Führung durch die Kirche von Nain. Der Küster nimmt sich Zeit für uns – und erzählt zwischendurch, dass er deutsche Wurzeln hat. Eine kleine Verbindung über den Atlantik, die an diesem Ort erstaunlich gut zur Geschichte passt.
Denn die Geschichte der Herrnhuter ist in Nain bis heute präsent. Mehr als 250 Jahre nach der Gründung der Mission spielt die Kirche noch immer eine wichtige Rolle im Leben des Ortes. Die Gottesdienste werden in Inuktitut, der Sprache der Inuit gehalten. Vergangenheit und Gegenwart liegen hier dicht beieinander.

Wir wollen die Gegend um Nain erkunden. Doch wer Nain verlässt und zu Fuß in die Umgebung aufbricht, sollte das nicht ohne ortskundige Begleitung tun. Der Grund dafür begegnet uns zunächst nur in Form von Spuren.
An einigen Bäumen entdecken wir deutliche Kratzspuren von Bären. Man schaut danach etwas aufmerksamer zwischen die Büsche. Aber zu sehen bekommen wir keinen Bären.
Noch nicht.
Am Abend ist einer plötzlich im Ort. Ranger erschießen das Tier schließlich. Die Warnungen, die uns zuvor vielleicht noch etwas abstrakt erschienen, bekommen plötzlich eine sehr konkrete Bedeutung.

Später wird es ruhig im Hafen. Wegen des Tidenhubs müssen wir nachts öfters hinaus und die Leinen kontrollieren. Eigentlich ein ganz normaler Handgriff im Bordalltag.
Doch ein Blick nach oben lässt uns innehalten.
Über uns erstrecken sich Polarlichter über den dunklen Himmel. Blassgrüne Schleier entstehen aus dem Nichts und verändern langsam ihre Form. Und das Besondere: Sie spiegeln sich dabei in der ruhigen See.
Die Leinen sind längst wieder klar. Trotzdem bleiben wir an Deck, die Köpfe im Nacken, und schauen weiter nach oben. Aus ein paar Minuten werden mehr. Irgendwann spielt die Zeit keine Rolle mehr.

Manche Dinge verlieren offenbar auch dann nichts von ihrer Faszination, wenn man sie nicht zum ersten Mal sieht.

Matze & Thomas

Position: 56.543718, -61.687803

Expeditions-Logbuch

(Antennenwald – zurück in der Zivilisation)