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13.03.2016: Isla Noir


Isla Noir


Die Isla Noir mit ihrer großen Rockhopper-Pinguin-Kolonie bleibt für uns unerreichbar. Bis auf 25 Seemeilen sind wir an die Insel herangekommen, dann macht uns das Wetter endgültig einen Strich durch die Rechnung. Vier Meter hohe Wellen, Wind mit 45 Knoten - zusammen macht das eine Anlandung unmöglich. Es ist ein wenig zum Verzweifeln. Bis hierhin haben wir uns durchgekämpft, aber die Wetterprognosen bleiben beharrlich auf Sturm getrimmt. Das dieses Jahr selbst für hiesige Verhältnisse eine ungewöhnlich hohe Sturmhäufigkeit aufweist ist Gegenstand vieler Diskussionen und Unterredungen, die in den Häfen von Ushuaia und Puerto Williams stattfinden.


Selbst Skipper, die schon seit Jahrzehnten hier unten mit ihren Yachten unterwegs sind, schütteln die Köpfe. "Ob das mit dem El Niño Phänomen zusammenhängt?", sinnieren einige. Ich weiß es nicht, vielleicht ist es auch nur ein ungünstiges Jahr. Aber ich werde nach meiner Rückkehr Meteorologen befragen. Bei diesen Wind- und Seegangsverhältnissen ein Boot auszusetzen und anzulanden ist jedenfalls unmöglich. Zudem befindet sich die Isla Noir in einem weitgehend unvermessenen Seegebiet, das treffender Weise den Namen "Milky Way" trägt.


Es heißt so, weil sich die hohen Pazifikwellen in den unzähligen Riffen und Untiefen unablässig brechen und damit der See ein weißes, milchiges Aussehen verleihen. Ein Albtraum für Seefahrer. Ein weiteres Problem ist der Dauerregen. Um die kleinen Sender an den Pinguinen befestigen zu können, müssen die Tiere trocken sein. Diese Kombination aus trockenem und weitgehend moderatem Wetter ist hier derzeit absolut nicht im Angebot.


Ildefonso


Unser Wissenschaftler an Bord, Dr. Klemens Pütz, ist wie wir alle enttäuscht. Das ist bereits sein zweiter Versuch, der scheitert, um die Insel zu erreichen. Weiter abzuwarten hätte aber keinen Sinn gemacht, da für mindestens eine weitere Woche schlechtes Wetter zu erwarten ist. Was danach kommt, weiß keiner, da die Prognosen nicht so weit vorausschauen. Daher sind wir zurück nach Puerto Williams gefahren, um nun von der chilenischen Marine noch die Genehmigung für die Insel Ildefonso zu bekommen - dort gibt es ebenfalls eine Kolonie mit Felsenpinguinen.


Ob wir bei der Wetterlage dorthin gelangen werden ist keineswegs sicher. Die Insel liegt westlich von Kap Hoorn - derzeit sind dort Wellenhöhen von 8 Metern und 10-11 Windstärken angekündigt. Die Pinguine warten aber nicht auf uns. In etwa zwei Wochen werden die letzten von ihnen das Land verlassen und den südlichen Winter im Meer verbringen. Es zeichnet sich am nächsten Wochenende eine Wetterberuhigung ab. Wir werden in der Nähe von Kap Hoorn eine Warteposition beziehen - und die Daumen drücken, dass der Wettergott ein Einsehen hat...


Arved Fuchs

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22.03.2016: Puerto Williams


Pinguinprojekt


Das Pinguinprojekt ist abgeschlossen - leider ohne Erfolg.


Das anhaltend stürmische Wetter in der gesamten Kap Hoorn Region hat die geplanten Anlandungen auf der Isla Noir, den Ildefonso Inseln (Foto) und Diego Ramírez scheitern lassen. Zwar ist die "Dagmar Aaen" trotz des rauen Wetters mit dem Biologen Dr. Klemens Pütz an Bord zu den Ildefonso Inseln gelangt - bei vier Meter Seegang und Starkwind war an ein Anlanden allerdings nicht zu denken. Schon das Aussetzen des Beibootes wäre zu gefährlich gewesen.


Die Inseln liegen südwestlich von Kap Hoorn und sind so klein, dass sie keinen Schutz vor Seegang gewähren können. Zudem sind sie extrem steil, so dass selbst bei moderaten seegangsbedingungen ein Anlanden schwierig ist. Unter den angetroffenen Umständen wäre jeder Versuch einer Anlandung lebensgefährlich gewesen.



Geplant war Felsenpinguine mit Minisendern auszustatten, um deren ozeanische Wanderung während des Winters verfolgen zu können. Dr. Klemens Pütz hat sich auf die Pinguinforschung spezialisiert und hatte gehofft, den extrem schwer erreichbaren Inseln mit der "Dagmar Aaen" einen Besuch abstatten zu können, um einige der Pinguine zu besendern, wie es im Fachjargon heißt.
Auch auf den Diego Ramírez Inseln wie schon zuvor auf der Isla Noir konnte wegen des stürmischen Wetters nicht angelandet werden. Lediglich auf der Staaten Insel, die zu Argentinien gehört, gelanges einigen Wissenschaftlern von einem anderen Schiff aus eine Felsenpinguinkolonie zu erreichen und einige Tiere zu besendern. Die von uns angesteuerten Inseln gehören zu Chile und sind den Westwinden und Stürmen besonders ausgesetzt.


Insgesamt wurden 628 Seemeilen von der "Dagmar Aaen" und ihrer Crew für dieses Forschungsvorhaben zurückgelegt. Da die Mauser der Pinguine in diesen Tagen endet, macht es auch keinen Sinn, es abermals zu versuchen. Die Pinguine haben die Inseln verlassen und sind wieder im Ozean auf Wanderschaft.
Trotz des engagierten Einsatzes aller Beteiligten war dem Projekt leider kein Erfolg beschieden. Das schmerzt und alle sind enttäuscht, aber man muss auch mit Niederlagen leben können. Einmal mehr wird deutlich, dass mit dem Kap Hoorn-Wetter nicht zu spaßen ist.


Arved Fuchs

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05.04.2016: Ushuaia


Zwischenbilanz einer Reise


Seit die "Dagmar Aaen" am 5. August 2015 den Hamburger Hafen verlassen hat, hat sie insgesamt rund 12.000 Seemeilen - das sind über 22.000 km - zurückgelegt. Für ein traditionelles Segelschiff Baujahr 1931 wahrlich keine alltägliche Leistung. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass ein großer Teil dieser Reise in den extremen südlichen Breiten stattgefunden hat, die besonders in dem zurückliegenden Sommer von ungewöhnlich heftigen Stürmen begleitet wurde. Kap Hoorn, die Antarktis - Zeit für eine persönliche Bilanz.


Die "Dagmar Aaen" liegt derzeit in Ushuaia (Foto) im Claub Nautico. Man sieht dem Schiff die Strapazen der weiten Reise an: Tropensonne, Sturm und Gletschereis haben Spuren am Schiff hinterlassen. Der Lack ist rissig, die weiße Schanz wirkt matt und die Ankerkette hat bei unzähligen Ankermanövern rostige Tränen am Rumpf hinterlassen. Das ist zwar Kosmetik - aber nach acht Monaten Dauereinsatz ist eine kleine Überholung angesagt.


Die gute Nachricht: es ist nichts kaputt. Wir überprüfen das gesamte Rigg, einige Webeleinen werden erneuert, die Stagen gelabsalt und die Wanten geteert. Das Tauwerk wird auf Abnutzung geprüft und gegebenenfalls erneuert. An Deck wird geschliffen und gemalt während unter Deck der gesamte Sanitärbereich, die Maschinenanlage und die Generatoren einer gründlichen Überholung und Wartung unterzogen werden.



CO2-Untersuchungen


Ein Segelschiff - zumal wenn es aus Holz ist, ist wie ein lebender Organismus - es verlangt nach Pflege. Diese Aufmerksamkeit gewähren wir der "Dagmar Aaen" gerne. Wenn man bedenkt, welche Abenteuer und Sturmfahrten hinter dem Kutter liegen, erfüllt einen das auch mit einem Gefühl der Dankbarkeit und der Vertrautheit. Wir kennen jeden Schäkel, jeden Tampen, jedes Stück Holz des Schiffes. Die "Dagmar Aaen" ist unser Zuhause, unsere Lebensversicherung.


Und die Aufgaben, die wir uns gestellt haben?


Nicht alle Punkte, die wir uns vorgenommen hatten, konnten abgearbeitet werden. So gelang es uns trotz vollem Einsatz aller Beteiligten nicht, an den stürmischen Inseln Diego Ramírez, Ildefonso oder Isla Noir anzulanden, um Felsenpinguine mit Miniatursendern zu versehen. Aber über allen Wünschen und geplanten Vorhaben steht in diesen Breiten immer das Wettergeschehen. Eine Anlandung auf einer dieser Inseln war schlichtweg unmöglich - allen Bemühungen zum Trotz.


Auch die geplanten CO2-Untersuchungen im Meerwasser konnten nicht durchgeführt werden, da leider die finanziellen Mittel für die Anschaffung der teuren Messgeräte nicht verfügbar waren. Trotzdem hoffen wir, dass für die vor zwei Jahren begonnenen Messungen das erforderliche Equipment beschafft werden kann. Die Expedition "Ocean Change", die Reise der "Dagmar Aaen", geht schließlich weiter.



Themen Fischerei / Plastikmüll


Auf der Habenseite gibt es viel Positives zu vermelden. So konnten zwei Dokumentationen für das ZDF angefertigt werden - sowie mindestens drei weitere Dokumentationen für "National Geographic Deutschland". Und letztlich ist es uns gelungen, ein so fernes und schwer erreichbares Ziel wie die Antarktis zu erreichen.


Das komplexe Thema Fischerei beschäftigt uns nach wie vor, ebenso die Untersuchungen zum Plastikmüll. Im weiteren Verlauf der Reise der "Dagmar Aaen" gibt es also noch viel zu tun. Ushuaia ist der Wendepunkt der Reise. Von hier aus geht es wieder Richtung Norden. Mitte April werden wir mit neuer Crew und überholtem Schiff durch die Le Maire Straße in den Südatlantik fahren und dann die Mündung des Rio de la Plata ansteuern - etwa 1.300 Seemeilen von Ushuaia entfernt.
Es ist herbstlich geworden auf der Südhalbkugel. Wir segeln weiterhin in den berüchtigten "Roaring Forties". Es bleibt also auch seglerisch anspruchsvoll.
Arved Fuchs


 

07.07.2016: Kurs Biscaya

Schönheitskur auf See



Seit dem Auslaufen Azoren haben wir Glück mit dem Wetter. Es ist trocken und die Sonne scheint bei ruhiger See. Luft - und Wassertemperatur liegen bei 20 Grad. Immer weiter schiebt uns der Callesen Diesel Richtung Nordosten. Gute Bedingungen,  um am Schiff zu arbeiten.  Nach dem Frühstück wird geschliffen, was das Zeug hält. Der Maschinenaufbau und das Schanzkleid erstrahlen schon in neuem Glanz. Auch die Niedergänge haben einen neuen Anstrich. Sonne und Salzwasser hinterlassen auf jedem Holzschiff ihre Spuren. Entsprechend gibt es eigentlich immer was zu malen.  Anschleifen, streichen und wieder anschleifen und streichen. Das ist der Arbeitsablauf. Erst nach der dritten Lackschicht ist das Holz wieder für eine Weile geschützt. Langsam aber sicher geht der Lack zur Neige...


König der Messingputzer


Aber nicht nur der Holzschutz gehört zum Aufgabenbereich der Crew. Auch im Rigg und in der Maschine gibt es Wartungsarbeiten. Einen glänzenden Job macht Mauro. Unser Argentinier an Bord hat sich zum Ziel gesetzt, alles Messing an Bord zum Strahlen zu bringen. In jeder freien Minute sieht man ihn mit Lappen und Reinigungsmilch unterwegs  an Deck. Die Schiffsglocke sieht aus wie neu, das Steuerrad und andere Kleinteile auch.  Achim und Lauren schwitzen. Achim zaubert eine leckeres Chili con Carne und Lauren backt Brot. Dafür muß der Ofen eingeschaltet werden. 34 Grad in der Messe sind die Folge . Eine anderes Aufgabenfeld haben sich Michael und Matze gesucht. Sie sind in der Fischereiforschung tätig. Aus einem Frühstücksbrett ist ein Scherbrett entstanden, das nach Tests im "Strömungskanal" an der Bordwand immer weiter entwickelt wird. In Kombination mit einem Bleigewicht zieht es den Haken an der Langleine hinter der "Dagmar Aaen" perfekt in die Tiefe zu den Makrelen-Schwärmen. Meinen zumindest die beiden Nachwuchs-Wissennschaftler. Das einzige, was bisher fehlt, ist allerdings ein Fisch am Haken..
Bis Brest sind es noch rund 650 Meilen.


Matze Steiner
 


04.07.2016: Unterwegs

Im (Wellen) Tal der Ahnungslosigkeit


Sonnabend, 02. Juli. 19.00 Uhr Bordzeit (21.00 Uhr MESZ). Auf der "Dagmar Aaen" macht sich eine gewisse Hektik bemerkbar. Ich stehe am Kurzwellen-Funkgerät und suche anhand einer weltweiten Frequenzliste nach Radiostationen. Nur der Deutsche Dienst des chinesischen Senders CRI Beijing ist einigermaßen klar zu empfangen. Dort werden philosophische Texte verlesen. Auch beim weltweiten Dient der BBC gibt es nur ein aufgezeichnetes Programm. Keine Chance auf Fußball. Arved fragt besorgt nach, ob ich nicht noch weiter suchen kann.  Kein Erfolg. Die Deutsche Nationalmannschaft wird das Viertelfinale gegen Italien ohne uns spielen müssen.


So ist das eben in der Seefahrt. Wir sind auf dem Weg von den Azoren nach Brest. Das Wetter ist schön, aber Fußball gibt es nicht. Für mich als Sportreporter eine ganz neue Erfahrung.  Die Erlösung kommt dann von Arved's Frau Brigitte. Sie schickt eine Mail an Bord mit der Nachricht, dass es eine Verlängerung gibt. Und dann, nach gefühlten Sunden die nächste Mail mit dem sensationellen Elfmeterschießen. Das muss ein historisches Spiel gewesen sein, an dem wir da vorbei gesegelt sind. Zum Halbfinale werden wir im Bereich  der Biskaya sein.  Hoffentlich gibt es da bessere Empfangsmöglichkeiten.


Matze Steiner