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Expeditions-Logbuch

25. April 2022

13.09.2015: Praia


Kap Verdische Inseln


Über weite Strecken trägt der Passat die "Dagmar Aaen" gen Süden. Mit jeder Meile, die das Schiff weiter nach Süden gelangt, nimmt die Hitze unter Deck zu und die Wachen sind froh, wenn nach Sonnenuntergang eine milde Brise aufkommt. Wassertemperaturen von rund 30 °C heizen die Kojen bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% auf gut 40 °C auf - ein Ort, an dem niemand mehr Zeit als nötig verbringen möchte.


Über das Achterdeck wird zur Mittagszeit ein schützendes Sonnensegel gespannt, die Fock erfüllt diese Funktion über dem Skylight des Vorschiffes und das Deck wird täglich über den Ablauf des Kühlwassers der Maschine gewässert. Trotzdem wird es angesichts der rasch schrumpfenden Vorräte unausweichlich, Brot zu backen. Die Freiwache verlässt fluchtartig ihre Kojen, als Fabian den Dieselofen anwirft und ihn für den fertig gekneteten Teig aufheizt. Es hat sich gelohnt! Entschädigung für die noch größere Hitze ist ein großer knuspriger Laib frischen Brotes.



Praia auf Santiago


Die Verhältnisse unter Deck der "Dagmar Aaen" sind in gewisser Hinsicht paradox. In Herman Melvilles weltbekanntem Roman Moby Dick ist die Hauptfigur darauf bedacht "vor dem Mast", das heißt als einfacher Seemann, auf einem Schiff anzuheuern. Erfüllt wird ihr Wunsch auf dem Walfänger "Pequod". An Bord der "Dagmar Aaen" verhält es sich genau umgekehrt. Mittschiffs, also "hinter dem Mast", sorgen die Tätigkeit des Smutje und die zeitweilige Anwesenheit von sechs Crewmitgliedern für hohe Temperaturen. das Vorschiff hingegen wird wenigstens minimal von einem Skylight belüftet und bietet höchstens vier Personen Platz. Diese Zahl reduziert zudem den Lärm bei Wachwechseln, der den Schlaf der Freiwache stört. Damit sind nur einige Gründe genannt, die der Bezeichnung "vor dem Mast" mitfahren auf diesem Schiff eine neue Bedeutung geben.


Nach rund zehn Tagen auf hoher See kommen die ersten Inseln der Kap Verden bei diesigem Wetter schemenhaft in Sicht. Als wir im Morgengrauen des 10. September auf unser Ziel Praia auf Santiago zusteuern wird klar, woher das "grüne Kap" seinen Namen hat. Über der steilen Küste erheben sich grüne Wiesen und Berge, der Morgenwind trägt den frischen Geruch von feuchter Erde zu uns herüber. Nach provisorischem Anlegen am Fischereipier und Absprache mit dem Hafenmeister fällt der Anker in der Bucht von Praia.



Außenborder


Leider wurde uns in der Nacht auf den 13. September das Schlauchboot geklaut, welches längsseits an Steuerbord festgemacht war. Nach längeren Diskussionen mit der örtlichen Polizei haben wir zwar das Boot, welches in Polizeigewahrsam war, zurückbekommen, doch der Außenborder blieb verschwunden.
Frauke und Justus haben sich daher auf den Weg gemacht, um schnellstmöglich Ersatz aufzutreiben. Es wurde letztendlich ein luftgekühlter 5 PS - Motor, der zwar in die Jahre gekommen ist, aber seine Zwecke vorerst erfüllt und uns laut, aber gar nicht mal so langsam durchs Wasser schiebt.


              
Jeremias Stein


 

Expeditions-Logbuch

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