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27.12.2015: Weihnachten in Feuerland


Weihnachten


Die Sonne scheint an diesem Morgen in Puerto Williams. 10,5 °C ist es warm. Im Hintergrund weiß verzuckerte Berge. In der Nacht hat es in
höheren Lagen geschneit. Insgesamt 26 Schiffe aus aller Herren Länder haben sich Heilig Abend im Micalvi Yacht Club versammelt oder ankern in der Bucht vor dem gesunkenen Rheindampfer, der als Clubhaus dient. Dann plötzlich Alarm. Blaulicht und Martinshorn. In einer Staubwolke kommt der moderne Feuerwehrwagen von Puerto Williams vor der Micalvi zum Stehen. Als die Türen aufspringen, staunen wir an Bord nicht schlecht. Heraus springt - der Weihnachtsmann! Umringt von lachenden Feuerwehrmännern ruft er "Feliz Navidad" herüber, dann steigt die Mannschaft wieder ein und die Feuerwehr verschwindet im Staub.


Direkt neben der "Dagmar Aaen" im Päckchen liegt die "Outer Rim". Auf der Luxusyacht mit Heimathafen Hamburg läuft Weihnachtsmusik. Die Münchner Crew hat vier kleine Kinder dabei, die sich auf Heilig Abend freuen. Seit eineinhalb Jahren ist die Familie bereits auf See. Bei uns an Bord laufen die Vorbereitungen für den Weihnachtsschmauß. Lammkeulen werden eingelegt und Michael backt Vanillekipferl. Um 17.00 Uhr versammelt sich die Crew zur überraschenden Bescherung. Gabi hat kleine Geschenke aus Deutschland mitgebracht.  Dazu gibt es leckeren Glühwein. Per
Würfelspiel kann man eine oder mehr der eingepackten Spaß-Präsente ergattern. Nach einer Tausch-Würfelrunde geht es ans Auspacken. Das Gelächter ist groß. Arved hat sich zielsicher eine wunderschöne Krawatte mit "Rudolf the red nose reindeer" - Motiven ausgesucht.... Auf Knopfdruck spielt der Binder sogar eine Weihnachtsmelodie.. Die Krawatte trägt er den ganzen Abend.
Matze hat ein Duftspray für die Toilette bekommen und Michael freut sich über ein Kartenquiz mit garantiert nutzlosen Fragen. Am Abend wird es dann voll in der Messe. Jacques und seine Schweizer Gäste von der Yacht "Moana" sind herüber gekommen. Das Weihnachtsmenue besteht aus
einer Kürbissuppe als Vorspeise. Ein Genuss! Im Hauptgang werden leckerste Lammkeulen an einem Süßkartoffelmus gereicht. Zum Abschluss gibt es eine Argentinische Süßspeise. Bis tief in die Nacht sitzen wir in der gemütlichen Messe und erzählen. Auf der "Outer Rim" haben die Kinder eine Arktisstation aus Lego bekommen und sind begeistert dabei, die Einzelteile zusammen zu bauen. Ansonsten bleibt es ruhig im Hafen. In den meisten Ländern wird das Fest erst am 25.12. gefeiert.  Als Weihnachtsspaziergang steht für uns eine Wanderung in die Berge auf dem Programm. Gemeinsam mit Kreg und Keri aus Neuseeland und Canada wollen wir ein Barbeque am Lagerfeuer genießen.
Matze Steiner


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22.12.2015: Feuerland


Feuerland


Auf der Südhalbkugel unserer Erde hat gerade der Hochsommer begonnen. Mittags um 12 Uhr steht die Sonne im Norden. Wenn der kalte Wind von den Bergen ausbleibt, haben wir an Bord fast T-Shirt-Wetter. Jetzt an Weihnachten zu denken, fällt nicht leicht. Bei genauerem Hinschauen findet man aber auch in Feuerland Hinweise auf das Fest. Da sind zum einen die schneebedeckten Gipfel der Isla Navarinho, der größten Insel südlich des Beagle Canal.


Im argentinischen Hafen Ushuaia entdecken wir in einem Schaufenster einen kleinen Christbaum mit jeder Menge Kunstschnee. Auf der Isla Hornos, am sagenumwobenen Kap Hoorn, hat der Stationsleiter mit seiner Familie einen Plastikbaum mit bunt blinkender Lichterkette aufgestellt. Auf dem zentralen Platz von Puerto Williams, der südlichsten Stadt der Welt mit rund 2100 Einwohnern, steht sogar ein großer, geschmückter Baum und daneben eine Krippe mit hüfthohen Holzfiguren. Wo immer wir in Argentinien oder Chile einen Weihnachtsbaum finden, ist es der Plastik-Nachbau einer nordischen Tanne, obwohl es diese Bäume hier unten in der Natur gar nicht gibt.


Micalvi Yacht Club


Nordeuropäische Bräuche haben sich also bis in die südlichsten Regionen der Welt durchgesetzt. In einigen Fenstern der kleinen Holzhäuser von Puerto Williams hängen Weihnachtsgirlanden. Und selbst auf der Micalvi steht ein kleines Plastikbäumchen. Die Micalvi ist ein alter deutscher Rheindampfer, der 1928 an Chile verkauft wurde und in den 1970er Jahren im Hafen von Puerto Williams auf Grund ging. Dort liegt das graue Schiff immer noch. Die aus dem Wasser ragenden Aufbauten bilden das Vereinshaus des Micalvi Yacht Clubs, des südlichsten Segelclubs der Welt.


Im Päckchen mit bis zu sechs Schiffen liegen hier Boote aus aller Herren Länder. Auch wir werden dort Weihnachten feiern. Bei uns an Bord finden sich auch schon die ersten Hinweise auf das Fest des Jahres. Matze hat zwei rote Zipfelmützen mitgebracht. Michael ist wild entschlossen, Weihnachtsplätzchen nach dem Rezept seiner Mutter zu backen und Glühweingewürze sind auch schon aufgetaucht.


Nach umfangreichen Wartungsarbeiten am Schiff wollen wir die Festtage ruhig und entspannt im Kreise der weltweiten Seglerfamilie verbringen. An Bord hat es einen weiteren Crewwechsel gegeben. Die Filmcrew, Thomas und Marcel haben das Schiff verlassen. Dafür ist Arveds Ehefrau Brigitte an Bord gekommen, und Matze freut sich, dass seine Frau Gabi und sein Sohn Nick ebenfalls zu Besuch auf der "Dagmar Aaen" eingetroffen sind. Weihnachtspräsente wird es dieses Jahr nicht geben, aber das macht nichts, denn Heiligabend an Bord der "Dagmar Aaen" in Feuerland ist für uns auf dem Schiff eh das größte Geschenk, das wir uns vorstellen können.


Matze Steiner


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15.12.2015: Kap Hoorn


Kap Hoorn


55 Grad, 59 Minuten Süd, 67 Grad 16 Minuten West. Das ist die magische Position. Das ist Kap Hoorn. Die Südspitze Südamerikas. Der Ort, wo Südpazifik und Südatlantik aufeinander treffen, wo rund 10.000 Seeleute den nassen Tod fanden. Das Kap der tragischen Geschichten, der Seemannsschicksale. Bis zu drei Monate brauchten früher die großen Frachtsegler, um sich gegen den vorherrschenden Westwind von 50 Grad Süd auf dem Atlantik bis 50 Grad Süd auf dem Pazifik um Kap Hoorn zu kämpfen. Daran müssen wir alle an Bord denken, als wir uns bei überraschend moderaten Verhältnissen dem mysthischen Ort nähern.


Um 04:00 Uhr waren wir in Puerto Toro auf der Isla Navarinho aufgebrochen. 55 Seemeilen sind es von dort bis zum Kap. Bei Wind aus SW um die 15 Knoten können wir ein gutes Stück unter Groß, Fock und Klüver segeln. Gegen Mittag passiert uns auf Gegenkurs ein chilenisches Marineschiff. Mit an Bord sind dort Uwe Agnes und Bernd Siering, die gerade von der Islas Hornos zurückkehren. Sie hatten die Möglichkeit, auf der Insel Filmaufnahmen zu machen.



Für Arved ist es bereits der vierte Besuch am Kap Hoorn



Als wir am Nachmittag querab von Kap Hoorn sind, ist die Stimmung an Bord eine Mischung aus Euphorie, Faszination und Ergriffenheit. Kein Wunder, heißt es doch, dass für Segler Kap Hoorn so etwas ist wie der Mount Everest für Bergsteiger. Die Kameras klicken. Arved beweist wieder einmal, dass er sich mit den Bräuchen der Seefahrt wirklich auskennt: Bevor alle Crewmitglieder einen Schluck Rum bekommen, gießt er ein Glas für Rasmus und die "Dagmar Aaen" in die See. Und sofort reißt der Himmel auf. Bei Sonnenschein können wir den Leuchtturm, die riesige chilenische Flagge und das Monument für das Andenken an die ertrunkenen Seeleute erkennen.


Ein toller Moment. Dazu gibt es Zigarren und Arved erzählt von seiner Umrundung des Kaps Mitte der 80er Jahre mit einem Faltboot. Für ihn ist es bereits der vierte Besuch am Kap Hoorn. Den Namen hat das sagenumwobene Kap übrigens von einem Niederländer bekommen. Es war Wilhelm F. Schouten, der vor genau 400 Jahren als erster den Seeweg um die Südspitze Amerikas fand und dem Kap den Namen seiner niederländischen Heimatstadt Hoorn gab.


Früher nannten sich weltweit die Seeleute Kap Hoorniers, wenn sie um die Südspitze Südamerikas gesegelt waren. Wir dürfen das nicht. Denn man musste auf einem Frachtsegler dort unten rumgekommen sein. Und das haben wir natürlich nicht gemacht. Im Vergleich zu dem, was die Seeleute auf den Windjammern leisten mussten, war unser Besuch am Kap Hoorn wirklich nur ein kleiner Ausflug.
Unser nächstes Ziel ist Puerto Williams.


Matze Steiner


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25.11.2015: Südwärts


Argentinien


Die Tage werden länger, Luft und Wasser deutlich kühler. Es ist sicht- und fühlbar, dass wir uns wieder in höheren Breiten bewegen. Das Thermometer ist auf 14 °C gefallen. Große Albatrosse begleiten uns majestätisch.


Doch die "Dagmar Aaen" ist hier richtig in ihrem Element. Die Öfen spenden angenehme Wärme und die Gemütlichkeit unter Deck kommt voll zum Tragen. Kein Wort fällt mehr zu vermeindlich fehlender Klimaanlage oder Eisschrank. Die Nachtwache holt die warmen Sachen hervor und statt barfuß wird in Seestiefeln an Deck gegangen.


Seit Punta del Este ist die Crew nicht mehr nur international mit einem Schweizer (Marcel), sondern nun auch nicht mehr rein deutschsprachig mit dem Kanadier John, der für uns kocht. Entsprechend ist die Bordsprache zumindest bei offiziellen Dingen wie der Sicherheitseinweisung und bei Tisch (das gebietet die Höflichkeit) Englisch.


Volker Wenzel


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05.10.2015: Atlantik

Atlantik


Der halbe Weg über den Atlantik ist geschafft. Die Kalmen haben wir damit hinter uns gebracht. Die Kalmen sind ein Gebiet ohne Wind. Das ist wörtlich zu nehmen - kein Windhauch auf dem Wasser, nur das Heben und Senken der See.


Ohne Wellen, die die Sicht ins Wasser trüben, kann man das Leben unter Wasser sehen, das sonst verborgen ist. Delfine, die uns schon vorher begleitet haben, Schildkröten, Fische. Ein blauer Marlin schoss mit erhobener Rückenflosse an uns vorbei.


Inzwischen weht der Wind wieder und mildert die tropische Hitze. Leider noch zu schwach, um Dagmar wirklich voranzutreiben. Doch Segel und Maschine zusammen bringen uns weiter in Richtung Süden in die neue Welt.


Volker Wenzel