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03.02.2016: Cuverville Island


Cuverville Island


Vor einer Woche hatte die lange Wartezeit endlich ein Ende und wir konnten am späten Montag die schützende Bucht am Kap Hoorn verlassen, um die Drake Passage zu bewältigen. Knapp vier Tage hat die Überfahrt zu den Südlichen Shetlandinseln gedauert, wobei wir uns auf eine optimale Wetterberatung verlassen konnten. Dadurch wurde es eine relativ schnelle Überfahrt. Unser erstes Ziel war Half Moon Island, eine kleine sichelförmige Insel, die den Kraterrand eines ehemaligen Vulkans darstellt.


Von dort ging es bei zunehmenden Winden weiter zur Decepetion Island, wo wir die Chance nutzten, uns eine alte Walfangstation anzusehen. Von 1910 bis 1931 befand sich hier die südlichste Trankocherei der Welt, die von der norwegischen Hector Whaling Company betrieben wurde.


Am gestrigen Abend nahm der Wind erneut zu, bei Böen über 50 Knoten aus SW und 4 - 5 Meter See war es mal wieder eine ordentliche Schaukelei, wir sind mächtig durchgeschüttelt worden. Aber wieder einmal hat es sich gezeigt, dass die "Dagmar Aaen" ein tolles Seeschiff ist, hinzu kommt eine super Crew, die hervorragenden Einsatz zeigt.



Es ist eine spektakuläre Landschaft, um uns herum sieht man überall vergletscherte Berge, hinzu kommt, dass wir das Vergnügen hatten, drei Buckelwale neben der "Dagmar Aaen" zu bestaunen durften. Die fanden das stürmische Wetter einfach toll und sind immer wieder gesprungen - faszinierend.
Mittlerweile ist es 23:10 Uhr, langsam wird es dunkel, dazu eine totale Windstille, einige der Berggipfel werden von der Sonne noch rot angestrahlt. Wir befinden uns auf dem Weg zur Cuverville Island inmitten der Gerlach Strait, gegen acht Uhr UTC wollen wir dort ankommen.


 

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14.02.2016: Argentine Island


Dagmar Aaen im Land der Pinguine


Am Donnerstag, den 11. Februar, haben wir unseren südlichsten Punkt der Reise erreicht: 65°15,681' S und 064°15,6' W. Diese Breite liegt bei den Argentine Islands auf der die ukrainische Forschungsstation Vernadsky liegt. Am Abend zuvor waren wir zu Besuch auf der Station. Es ist eine der ältesten aktiven Stationen in der Antarktis. Ursprünglich von den Engländern als Farady Station gegründet wurde sie 1996 an die Ukraine übergeben und wird seither von ihr weiter geführt.


Interessant ist, dass genau auf dieser Station in den achtziger Jahren das Ozonloch über der Antarktis entdeckt wurde. Die Station ist zwar ein wenig in die Jahre gekommen, wird aber sehr engagiert betrieben und wir wurden ausführlich über die wissenschaftlichen Aktivitäten unterrichtet.
Anschließend ging es ein Stockwerk höher, wo sich die Bar befindet, die noch aus der Zeit stammt, in der die Station von den Engländern betrieben wurde. Gerade als wir zum gemütlichen Teil des Abends kommen wollten, sorgte ein Blick aus dem Fenster für einen überstürzten Aufbruch: Mehrere große Eisschollen trieben auf die vor Anker liegende "Dagmar Aaen" zu, so dass wir auf schnellstem Wege zum Schiff mussten, um die Schollen abzuwehren. Am nächsten Morgen kamen die ukrainischen Wissenschaftler zu uns an Bord, um sich das Schiff anzusehen. Eine wirklich sehr nette Truppe und ein lohnenswerter Besuch.



Lemaire Channel


Noch weiter nach Süden zu fahren schien uns in Anbetracht der Eislage und der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht ratsam. Diesen Sommer ist es in der Antarktis kühler als sonst, obwohl in den letzten 15 Jahren die Temperatur im Bereich der Halbinsel um bis zu 5 °C gestiegen sein soll wie uns die Ukrainer berichteten. Diesen Sommer gab es viele Stürme und schlechtes Wetter, so dass sich sehr viel Eis an der Küste gehalten hat.


Auf dem Weg  zur Vernadsky Station haben wir auch schon der Petermann Insel (Foto, l.) einen Besuch abgestattet. Interessant ist, dass viele dieser Inseln von dem deutschen Kapitän Eduard Dallmann in den Jahren 1873/74 mit dem Schiff "Grönland" entdeckt worden sind. Dallmann hat wirklich Geschichte geschrieben - nicht nur in der Antarktis, sondern auch in der Arktis und im Südpazifik. Eine wirklich sehr interessante Persönlichkeit bei der es sich lohnt, sich einmal eingehender damit zu befassen.



Gestern haben wir dann zum zweiten Mal den Lemaire Channel passiert - eine atemberaubende Passage, die zwischen steilen und vergletscherten Bergmassiven hindurch führt. Heute liegen wir vor Anker vor Port Lockroy (Foto, r.) und studieren die Wetterprognosen für die Drake Passage. Morgen am Samstag fahren wir zu den Melchior Inseln und legen uns dort auf die Lauer, um ein günstiges Wetterfenster zu erwischen. Momentan stehen die Zeichen leider mal wieder auf Sturm. Mal abwarten, was die nächsten Tage bringen...


 


Arved Fuchs

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19.02.2016: Melchior Island


Warten auf den günstigen Wind


Man wird bescheiden in diesen Breiten. Günstiger Wind - was ist das? Ganz bestimmt nicht Windstärke 7 - 8 genau gegenan bei Wellenhöhen von 5 bis 6 Metern. Und wohl noch weniger Orkanböen, die gestern mit 77 Knoten, entsprechend 142 km/h, über die Drake Passage hinweggezogen sind. Das entspricht Windstärke 13. Die Wellen wachsen dann auf 9 -10 Meter Höhe an. Entsprechend eindeutig ist die Empfehlung des Seewetteramtes Hamburg, das uns berät: "Abwarten!".


Die Warnungen in den Wind zu schlagen - um im Bild zu bleiben - wäre unseemännisch und dumm. Schwer ist nur die Abwägung, was ist vertretbar und was nicht? Man kann hier unten nicht auf anhaltend ruhiges Wetter hoffen. Die Drake Passage hat nicht umsonst einen notorisch schlechten Ruf. Sind also schon 5 Windstärken gegenan bei 3 - 4 Meter Welle günstig zu nennen? Was ist vertretbar und was leichtsinnig? Die Sturmtiefs ziehen sich wie Perlen auf die Schnur gezogen hintereinander hier durch. Natürlich haben nicht alle Orkanstärke. Aber 40 Knoten gegenan ist für ein so kleines Schiff einfach zuviel.


Nicht das es unbedingt bedrohlich wäre - aber man würde keine Seemeile weiter kommen sondern beigedreht liegen und abwettern. Dann doch besser hier bei den Melchior Inseln in einer gut geschützten Bucht abwarten. Nächste Woche soll das Wetter kurzfristig besser werden. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Aber bekanntlich liegt in der Ruhe die Kraft. Und mal ehrlich - ist es nicht sogar ein Privileg ein wenig länger als geplant unter den Pinguinen, Robben und Walen in einer fantastischen Landschaft zu verweilen? Nein - uns geht es gut und wir werden auf günstigen Wind warten!
Arved Fuchs
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01.03.2016: Ushuaia


Ushuaia


Reisen, die so lange dauern wie unsere sind zwangsläufig in Abschnitte untergliedert. Mit der Ankunft in Ushuaia liegt die stürmische Drake Passage und die Antarktis hinter uns - und damit hat ein ganz besonderer Reiseabschnitt ein Ende genommen, der noch immer intensiv nachwirkt.


Derzeit herrscht Aufbruchstimmung an Bord. Heute sind Brigitte, Hartmut, Rainer und Tim von Bord gegangen, um die Heimreise per Flugzeug anzutreten. Gestern ist bereits Pablo nach Hause geflogen. Dafür ist Marcus angekommen und morgen folgen Torben, Harald und Uschi. Zwischenzeitlich wird gründlich Reinschiff gemacht, Wartungsarbeiten im Rigg und an der Technik werden durchgeführt, sowie neu verproviantiert und Wäsche gewaschen.


Es gibt jede Menge zu tun. Am 3. März geht es dann auf eine neue Etappe: Die Reise zu den Pinguinen. Klemens Pütz - ein Biologe, der für die Antarctic Research Foundation arbeitet, wird uns begleiten, um auf einigen schwer erreichbaren Inseln im Süden Chiles Pinguine mit Minisendern zu versehen. Ziel ist es, die Tiere während des Winters, den sie im Ozean verbringen, verfolgen zu können. Das hat alles natürlich einen tieferen Sinn, über den ich noch ausführlich berichten werde. Vorerst sind wir mit den Vorbereitungen für dieses Forschungsprojekt beschäftigt - und darüber hinaus genießen wir die ruhigen Hafentage.


Arved Fuchs

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04.03.2016: Puerto Williams


Puerto Williams


Mit dem Erreichen des kleinen Hafens am Beagle-Kanal beginnt der nächste Abschnitt der Ocean-Change-Expedition. Am gestrigen Donnerstag segelte die "Dagmar Aaen" von Ushuaia zurück nach Puerto Williams, von wo aus das Forschungsprojekt mit den Felsenpinguinen starten soll.


Neu an Bord sind neben Torben, Marcus und Uschi auch Marcel, der bereits im vergangenen Jahr mitgefahren ist, sowie natürlich der Wissenschaftler Dr. Klemens Pütz. Klemens ist der wissenschaftliche Leiter der Antarctic Research Trust (ART), einer 1997 gegründeten Stiftung, deren Ziel es ist, Forschung an antarktischen und subantarktischen Tieren durchzuführen, um diese Tiere und ihren Lebensraum besser schützen zu können.



Südliche Felsenpinguine


In den kommenden Wochen stehen die Südlichen Felsenpinguine im Mittelpunkt des Projektes. Die Bestände des Südlichen Felsenpinguins sind seit Jahren rückläufig. Auf den Falklandinseln wurde in den letzten 80 Jahren ein Rückgang um über 80% beobachtet. Es wird vermutet, dass es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren handelt, die räumlich und zeitlich ausgeprägt sind. Als Hauptursachen kommen die kommerzielle Fischerei, die Verschmutzung durch Öl und eine Erwärmung des Meeres mit bisher unbekannten Auswirkungen auf das Nahrungsangebot in Frage.


In der Nähe des südamerikanischen Kontinents, besondern auf zahlreichen Brutinseln im Bereich der chilenischen Fjorde, aber auch auf der argentinischen Insel Isla de los Estados, weisen die Bestände keinen vergleichbaren Trend auf. Ein Vergleich der winterlichen Nahrungsgebiete von Tieren aus rückläufigen (Falklands) und weitgehend stabilen Beständen (Argentinien, Chile) soll weitere Hinweise auf das Zusammenspiel der verschiedenen, sich negativ auf die Bestände auswirkenden Faktoren haben.


Dazu sollen Satellitensender auf Felsenpinguinen aus Kolonien rund um die Südspitze Südamerikas befestigt und anschließend die Wanderungen der Tiere verfolgt werden, um die bevorzugten Nahrungsgebiete und Wanderwege zu identifizieren. Während nämlich von den Falklandinseln bereits aus verschiedenen Kolonien Untersuchungen zu den Winterwanderungen der Felsenpinguine vorliegen, trifft das im Bereich des südamerikanischen Kontinents nur auf die Kolonie auf Isla de los Estados zu. Der Verbleib der Felsenpinguine im pazifischen Bereich ist hingegen noch völlig unerforscht.


Bis zu je 15 Sender sollen in den Kolonien Isla de los Estados (ARG), Diego Ramirez (CL), Isla Ildefonso (CL) und Isla Noir (CL) eingesetzt werden.