Expeditions-Logbuch
25. April 2022
29.10.2015: Natal
Natal
Der mehrtägige Aufenthalt auf der Insel Fernando de Noronha bis zur Ankunft der neuen Crewmitglieder wurde ereignis- und abwechslungsreich. Da wir alle seit längerer Zeit keine ordentliche Dusche mehr genossen hatten, hofften wir auf die Sanitäranlage im Hafen, doch Fehlanzeige. Die einzige Möglichkeit zur Süßwasserdusche boten uns die Duschen an den Badestränden. Bemerkenswert waren auch massenweise auftretende Dunebuggies, eine Fahrzeugspezies, die bei uns seit den siebziger Jahren ausgestorben ist und die hier ihre zweite Blüte erlebt - allerdings mit dem altbekannten, stinkenden Käfermotor.
Kurz nach dem Crewwechsel lichteten wir dann am Morgen den Anker und hissten die Segel mit Kurs Natal an der brasilianischen Festlandsküste. Mal wieder kam der Wind von Backbord - auf den bisher über 1000 NM haben wir schon fast verlernt wie es ist, eine Wende zu fahren und mit Wind von Steuerbord zu segeln.
Gut, dass wir uns mit der Hafen-Etikette für unsere Einklarierung beschäftigt haben: Sie sieht eine bestimmte Kleiderordnung mit langen Hosen vor - sauberen versteht sich. So kramten wir unser bestes "Schapptüch" aus, um nicht wie die Piraten aus der Karibik zu erscheinen. Am Morgen des 22. Oktober sehen wir dann die Lichter der Stadt Natal, der südamerikanische Kontinent ist ohne große Zwischenfälle erreicht.
Club de Natal
Die enge Hafeneinfahrt trennt die hohen Sanddünen mit Freizeitangeboten auf der Nordseite von der Skyline der vielen Hochhäuser auf der Südseite. Wir genießen diesen Endpunkt der Atlantiküberquerung mit der Durchfahrt unter der Hängebrücke in Richtung Club de Natal, dem Yachthafen der Stadt. Na ja - Yachthafen ist etwas übertrieben, die meisten Segelboote liegen vor der Muring, da es kaum Stegplätze gibt. So paddeln wir an den Strand vor der Marina und viele von uns setzen damit das erste Mal ihre Füße in den weichen Sand dieses Kontinents.
Wir teilen uns auf und machen die notwendigen "Besorgungen": Die eine Gruppe fährt mit einem Taxi in die Stadt zum Einkaufen (inklusive einer kleinen Stadtrundfahrt, damit auch der Taxifahrer etwas davon hat), Frauke und Volker kümmern sich um den Behördenkram. Da die Hürden der sprachlichen Verständigung unüberwindlich erscheinen, wird die PC-Tastatur des Hafenbüros hin- und hergereicht, um sich über ein Übersetzungsprogramm zu verständigen. Das klappt sehr gut und so können bald die weiteren Einklarierungsgänge getätigt werden.
Nach einigem Suchen finden wir am Nachmittag hinter einem größeren Fischerboot den Dieseltank zur Versorgung der Schiffe und gehen längsseits. Während des Tankens bekommen wir Besuch von den Fischern und dem Dieselhändler. Dieser bringt uns überraschend Kokosnüsse als Erfrischung mit und schenkt uns zwei Flaschen brasilianischen Rum (natürlich nur für kalte Tage!). Wir sind alle ziemlich erstaunt ob solcher Gastfreundschaft!
Der Vollmond gibt sich alle Mühe, uns den Weg zu leuchten
Am kommenden Tag gehen wir wieder Anker auf und laufen in Richtung Süden. Einige von uns sitzen an Deck und lesen, u. a. die spannenden Erlebnisse des Gunther Plüschow, der in den Anfängen des letzten Jahrhunderts mit einem Segelkutter von Büsum nach Feuerland fuhr - auf fast der gleichen Route wie die "Dagmar Aaen" sie nun eingeschlagen hat.
Am Himmel erscheint nun nachts das Kreuz des Südens und Jupiter, Mars und Venus geben sich ein Stelldichein. Der klare nächtliche Himmel begeistert uns, der Vollmond gibt sich alle Mühe, uns den Weg zu leuchten.
Aber das ist nicht Alles: Am folgenden Morgen sehen wir in der Ferne einen Buckelwal springen und in den flachen Küstengewässern umstreifen uns zwei Zwergwale, die dann auch ganz dicht neben der "Dagmar Aaen" auftauchen.
Dirk Schröder-Brandi



