Expeditions-Logbuch
25. April 2022
14.02.2016: Argentine Island
Dagmar Aaen im Land der Pinguine
Am Donnerstag, den 11. Februar, haben wir unseren südlichsten Punkt der Reise erreicht: 65°15,681' S und 064°15,6' W. Diese Breite liegt bei den Argentine Islands auf der die ukrainische Forschungsstation Vernadsky liegt. Am Abend zuvor waren wir zu Besuch auf der Station. Es ist eine der ältesten aktiven Stationen in der Antarktis. Ursprünglich von den Engländern als Farady Station gegründet wurde sie 1996 an die Ukraine übergeben und wird seither von ihr weiter geführt.
Interessant ist, dass genau auf dieser Station in den achtziger Jahren das Ozonloch über der Antarktis entdeckt wurde. Die Station ist zwar ein wenig in die Jahre gekommen, wird aber sehr engagiert betrieben und wir wurden ausführlich über die wissenschaftlichen Aktivitäten unterrichtet.
Anschließend ging es ein Stockwerk höher, wo sich die Bar befindet, die noch aus der Zeit stammt, in der die Station von den Engländern betrieben wurde. Gerade als wir zum gemütlichen Teil des Abends kommen wollten, sorgte ein Blick aus dem Fenster für einen überstürzten Aufbruch: Mehrere große Eisschollen trieben auf die vor Anker liegende "Dagmar Aaen" zu, so dass wir auf schnellstem Wege zum Schiff mussten, um die Schollen abzuwehren. Am nächsten Morgen kamen die ukrainischen Wissenschaftler zu uns an Bord, um sich das Schiff anzusehen. Eine wirklich sehr nette Truppe und ein lohnenswerter Besuch.
Lemaire Channel
Noch weiter nach Süden zu fahren schien uns in Anbetracht der Eislage und der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht ratsam. Diesen Sommer ist es in der Antarktis kühler als sonst, obwohl in den letzten 15 Jahren die Temperatur im Bereich der Halbinsel um bis zu 5 °C gestiegen sein soll wie uns die Ukrainer berichteten. Diesen Sommer gab es viele Stürme und schlechtes Wetter, so dass sich sehr viel Eis an der Küste gehalten hat.
Auf dem Weg zur Vernadsky Station haben wir auch schon der Petermann Insel (Foto, l.) einen Besuch abgestattet. Interessant ist, dass viele dieser Inseln von dem deutschen Kapitän Eduard Dallmann in den Jahren 1873/74 mit dem Schiff "Grönland" entdeckt worden sind. Dallmann hat wirklich Geschichte geschrieben - nicht nur in der Antarktis, sondern auch in der Arktis und im Südpazifik. Eine wirklich sehr interessante Persönlichkeit bei der es sich lohnt, sich einmal eingehender damit zu befassen.
Gestern haben wir dann zum zweiten Mal den Lemaire Channel passiert - eine atemberaubende Passage, die zwischen steilen und vergletscherten Bergmassiven hindurch führt. Heute liegen wir vor Anker vor Port Lockroy (Foto, r.) und studieren die Wetterprognosen für die Drake Passage. Morgen am Samstag fahren wir zu den Melchior Inseln und legen uns dort auf die Lauer, um ein günstiges Wetterfenster zu erwischen. Momentan stehen die Zeichen leider mal wieder auf Sturm. Mal abwarten, was die nächsten Tage bringen...
Arved Fuchs



