14.12.2015: Puerto Williams
Puerto Williams
Vier Jahreszeiten innerhalb weniger Stunden soll man hier unten in Feuerland erleben können, sagt der lokale Volksmund. Das stimmt. Beim Auslaufen in Puerto Williams scheint die sommerliche Sonne, auf dem Beagle Canal erwartet uns Starkwind wie im Herbst. Dann folgt das winterliche Schneetreiben und kurz danach steigen die Temperaturen auf frühlingshafte 7 °C. Das Fahrtgebiet jenseits von 54 Grad Süd hat nicht nur in Sachen Wetter jede Menge zu bieten.
Zum Beispiel chilenische Gastfreundschaft. Es ist 22 Uhr Abends, als wir in Puerto Toro einlaufen. Die südlichste Gemeinde der Welt liegt auf 55 Grad 05 Minuten Süd. Maximal 36 Menschen leben hier. Fischer, Marinesoldaten, Polizisten und ihre Angehörigen. Als wir ankommen, ist die zentrale Pier des Dorfes überraschend leer. Kein einziges Fischerboot. Nur zwei Weltumsegler sind da. Die "Iorana" aus Belgien und die "Tari 2" (ohne Landesflagge am Schiff). Der Chef der Marinestation nimmt unsere Leinen an und begrüßt uns herzlich. Seine beiden Töchter haben für Arved Bilder gemalt. Schnell erfahren wir, warum Platz an der Pier ist: Die Centoalla (Riesenkrabben) - Fangsaison ist in der Sommerpause.
Derzeit sind nur noch 17 Menschen in Puerto Toro. Sechs Erwachsene, sechs Kinder und fünf Polizisten. Es fehlt eigentlich an nichts, erzählt uns Raul, der Polizeichef, der sich auf seine Ablösung kurz vor Weihnachten freut. Es gibt eine Kirche, eine Schule und sogar eine kleine Turnhalle. Nur Zigaretten sind Mangelware. Da es keine Straße hier gibt, müssen alle Waren per Schiff angelandet werden. Raul verabschiedet sich kurz nach Hause. Als wir unser Festmacherbier getrunken haben, ist er schon wieder zurück.
Von der Marine haben wir die Genehmigung bekommen, Kap Hoorn zu umrunden...
In der Hand ein tiefgefrorenes Centoalla-Fleisch. Das tauscht er gegen zwei Päckchen Glimmstengel. Für die Crew steht damit ein Festessen an. Fabian, der Bootsmann und Koch bereitet eine leckere Knoblauchmayonnaise vor und dann beginnt der Festschmaus. In der Fangsaison von Februar bis November gehen pro Schiff und Tag rund zwei Tonnen Riesenkrabben in die Fangkörbe. Entsprechend unspektakulär ist für die Chilenen in Feuerland die Centoalla - in Europa dagegen ist das hummerähnliche Fleisch eine fast unbezahlbare Delikatesse.
Vor der Abreise aus Puerto Williams hat es auf der "Dagmar Aaen" einen weiteren Crewwechsel gegeben. Uwe Agnes und Bernd Siering, die beiden Dokumentarfilmer, sind für einige Tage an Bord gegangen. Sie haben die einmalige Chance, mit einem Schiff der chilenischen Marine direkt zur Isla Hornos zu fahren, um das legendäre Kap Hoorn von der Landseite aus zu filmen. Zurück an Bord ist Matze Steiner aus Hamburg, er reiste sogar per Boot an. Vom argentinischen Hafen Ushuaia aus nahm ihn Louis, ein pensionierter Banker auf seiner 30 ft Yacht names "Austral" mit. In einem fünfstündige Törn mit besten Segelbedingungen ging es über den Beagle Canal nach Puerto Williams.
Von der Marine haben wir die Genehmigung zu bekommen, Kap Hoorn zu umrunden. Die Spannung an Bord steigt...
Matze Steiner











