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19.02.2016: Melchior Island


Waiting for favourable winds


You become modest in these latitudes. Favourable wind - what is that? Certainly not a wind force of 7 - 8 on an upwind course and waves with a height of 5 to 6 meters. And perhaps even less gale-force winds which hit the Drake Passage yesterday with a force of 77 knots - 142 km/h. This is equivalent to a wind force of 13. The waves grow to a height of 9 - 10 meters. The advice given by the maritime weather office in Hamburg is accordingly clear: "Wait".


To ignore these warnings would be both not seamanlike and very stupid. It is just so difficult to decide what is reasonable and what isn't? You can't hope for longer periods of calm weather down here. The Drake Passage has well earned its notoriously bad reputation. Can you consider a windforce of 5 on an upwind course and waves with a height of 3 - 4 meters favourable? What is reasonable and what is careless? Stormy low-pressure areas go through here like pearls strung on a string. Of course they do not all have hurricane force. But 40 knots on an upwind course are just too much for such a small ship.



Not that it would necessarily be dangerous - but we would make no distance and would lie-to and weather the storm. Then it is better to wait it out here by the Melchior Islands in a well-protected bay. The weather is supposed to improve shortly next week. Our patience is being put to a hard test. But as is generally known - slow and steady wins the race. And let's be honest - is it not even a privilege to remain longer in this fantastic region along with penguins, whales and seals? No - we are fine and will wait for better winds!
Arved Fuchs


 


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08.02.2016: Melchior Inseln


Kajak-Expedition


In der vergangenen Woche fand das lange geplante Zusammentreffen mit dem Kreuzfahrtschiff "Fram" der Reederei Hurtigruten vor der Cuverville Insel (Foto) statt. Fünf Freunde von uns - darunter Henryk Wolski, mit dem ich in den letzten 25 Jahren viele gemeinsame Abenteuer bestanden habe, u. a. die Nordwest-Passage, die Nordost-Passage, die Shackleton-Tour und andere Expeditionen mehr - waren an Bord. Hinzu kamen Tomek, Karin, Tessa und Wilfried. Die fünf wollen mit Kajaks eine Expedition durchführen und wir hatten vereinbart, dass die "Dagmar Aaen" sie zu ihrem Ausgangspunkt zu den Melchior Inseln transportiert.


Außerdem werden wir sie auf einigen Etappen als Sicherungsschiff begleiten. Vier Kajaks - drei Einer und ein Zweier, müssen auf der "Dagmar Aaen" Platz finden, sowie Berge an Proviant und Ausrüstung. Es ist ein tolles Wiedersehen. Neben heißen Duschen und üppigen Abendbrotessen auf der "Fram" gab es auch jede Menge frisches Obst und Gemüse von der Bordküche. Außerdem haben die Kajaker eine Grillparty an Bord der "Dagmar Aaen" geplant. Dazu gibt es reichlich Filet und jede Menge frischer Sachen.



Eduard Dallmann


Am Morgen des 4. Februar sind wir von der Cuverville Inseln abgefahren und 25 Meilen später mittags auf den Melchior Inseln eingetroffen. Die Inseln bestehen eigentlich nur aus eindrucksvollen Eisformationen. Nur an einigen Stellen ist ein wenig Fels zu sehen. Der deutsche Kapitän Eduard Dallmann hatte die Inseln mit seinem Expeditionsschiff "Grönland" 1874 entdeckt. Es ist wirklich eine eindrucksvolle Leistung, die Dallmann mit den Mitteln der damaligen Zeit realisiert hatte. Daher ist es umso erstaunlicher, dass sich heute kaum noch jemand an den großen Entdecker erinnert. Auch in der Arktis und im Südpazifik ist Dallmann sehr erfolgreich gewesen.



Henryk und Tomek wiederum haben vor einigen Jahren entdeckt, dass zwei Inseln dieses Archipels durch einen bis dahin unbekannten Sund voneinander getrennt sind und es sich nicht wie bislang angenommen wurde um eine einzige Insel handelt. Wir haben das Schiff in einer kleinen Bucht mit fünf Landleinen und zusätzlich Anker gesichert, denn die Wetterprognosen standen mal wieder auf Sturm. Und tatsächlich begann es in der Nacht zu wehen. Zum Glück hatten die Kajakfahrer zuvor ihr Zeltlager an Land einrichten können, so dass wir einfach nur auf eine Wetterbesserung warten mussten.



Am 6.2. war der Sturm weiter gezogen und es entwickelte sich ein herrlicher, sonniger Tag. Um die Mittagszeit sind die Kajakfahrer dann aufgebrochen und wir haben sie auf ihrer ersten Etappe bis zur Gand Insel begleitet, wo sie ihr Lager aufgeschlagen haben. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ist günstig. Wenig Wind, aber dafür reichlich Schneefall - obwohl wir  immer noch Sommer haben. Heute am 7.2. ist die "Dagmar Aaen" unter einer dicken Schneedecke eingepackt und es heißt "Klar bei Schaufel". Heute geht es weiter!


 


Arved Fuchs


 


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07.01.2016: Sturmtief


Das Kap zeigt seine Zähne!


Über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel konnte man fast den Eindruck gewinnen, dass das Wetter der Kap Hoorn Region weit besser ist als sein Ruf. Milde 25 °C in der Sonne, blauer Himmel und eine schwache Brise ließen Erinnerungen an einen norddeutschen Sommer wach werden.


Mit dieser Beschaulichkeit ist es endgültig vorbei. Die Kap Hoorn Station meldet Windstärken zwischen 40 - 58 Knoten und eine Wellenhöhe von 6 m  - und das schon seit Tagen. Die Prognose für die nächsten fünf Tage: Eine Wetterbesserung ist nicht zu erwarten. Der Wind soll eher noch zulegen. Gestern haben wir mit Osvaldo zusammengesessen. Osvaldo ist der Eigner und Skipper der "Polarwind", einer robusten und komfortabel eingerichteten Stahlyacht. Osvaldo ist Chilene und hat früher u. a. als Leuchtturmwärter auf Kap Hoorn gearbeitet. Ganz allein ist er dort gewesen. Seine Schilderungen über die Stürme, die er dort erlebt hat, stimmen nachdenklich.



Draußen ist derzeit der Teufel los



Bei einem Sturm hat es die mit Stahlseilen gesicherte Unterkunft um 10 cm angehoben. Bei der "Landung" sind alle Fenster zerbrochen. "Bei Kap Hoorn muss man immer noch etwa 15 Knoten Windgeschwindigkeit zu Wetterprognosen hinzurechnen", sagt Osvaldo. Kap Hoorn ist nicht nur ein Mythos, Kap Hoorn trägt seinen schlechten Ruf zurecht.


Die chilenische Marine hat gestern wegen der aktuellen Wetterlage vorausschauend extra einen größeren und leistungsstärkeren Hubschrauber nach Puerto Williams angefordert und stationiert, für den Fall, dass irgendwelche Seenoteinsätze erforderlich sein sollten.


Zusammen mit zahlreichen anderen Yachten aus aller Welt liegen wir seit Tagen in Puerto Williams und warten gemeinsam auf besseres Wetter. Überall aufgeklappte Laptops, vor denen Crews sitzen und sich gemeinsam die Wetterdaten anschauen. Skipper, die an der Reling stehen und sich mit krauser Stirn besprechen, überall nachdenkliche Gesichter. Hier sind alle sicher! Aber ein Blick auf den Beagle Canal lässt keine Fragen offen. Da steht eine "gute 6 Beaufort" mit 1,5 - 2 m Welle aus West - und das ist das geschützte Innenfahrwasser. Draußen ist derzeit der Teufel los.


Wir können nur abwarten, bis das Sturmtief durchgezogen ist...


Arved Fuchs


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05.01.2016: Neujahr


Neujahr


Die Feiertage sind vorbei und wir bereiten uns auf die nächsten Aufgaben vor. Zunächst haben wir die Tage in Puerto Williams dazu genutzt, das Schiff gründlich zu überholen. Immerhin liegen rund 9500 Seemeeilen hinter der Dagmar Aaen und  Zeit für Wartungsarbeiten gab es nur wenig.  Das anhaltend gute Wetter hat es uns ermöglicht, auch Malerarbeiten durchzuführen, während ich selbst in den Maschienraum abgetaucht bin, um die Technik zu überprüfen und zu warten. Neben der Arbeit blieb aber auch Zeit die Insel Navarino zu erkunden. Mit am beeindrucklensten finde ich die schiefen Bäume (Foto), die überall wachsen und Zeugnis darüber abgeben, wer hier die maßgebliche gestalterische Kraft ist. Der Wind – oder besser gesagt der Sturm.



Neben der alten Micalvi liegen wir aber wie in Abrahams Schoß (Foto). Um uns herum liegen nette Nachbarn, allen voran Greg und Keri, die wir schon seit den neunziger Jahren mit ihrer Yacht Northhanger kennen. Inzwischen haben sie ein weiteres Boot, die Saoirse, mit der sie Projekte in Kooperation mit Wissenschaftlern durchführen.



Gabi, Matthias und Nick haben uns verlassen und befinden sich auf dem Heimweg, dafür sind Peter Sandmeyer, Harald Schmitt und Volker Wenzel wieder an Bord gekommen. Morgen wollen wir die Leinen los werfen und erneut zum Kap Hoorn aufbrechen. Die Wetterprognose ist allerdings alles andere als günstig: Windstärke 8, in Böen 9-10 Beaufort, dazu Seegangshöhen von 4 m. An ein Anlanden ist unter diesen Gegebenheiten  nicht zu denken. Bis Freitag soll es weiterhin so wehen – eben Kap Hoorn Wetter - danach wird es hoffentlich besser.
Arved Fuchs


 


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30.12.2015: Besuch an Bord


Besuch an Bord


Mauro ist ein engagierter junger Mann. Der Argentinier aus Buenos Aires hat drei Monate auf Norderney gelebt und dort das Segeln lieben gelernt. Nun ist er in Puerto Williams der Liebling aller Kinder. Er hat das wichtigste Freizeitangebot für die Jugend des Ortes aufgebaut. Eine Segelschule. Acht Optis stehen zur Verfügung. Täglich sind die Steppkes aus Puerto Williams mit Mauro auf dem Wasser. Entweder direkt im geschützten Seitenarm des Beagle Canal, oder - wenn es der Wind zulässt - draußen auf dem stürmischen Gewässer. "Wer hier Segeln lernt, der kann es", zollt auch Arved dem Engagement des Segellehrers Respekt. Und ganz nebenbei schenkt der Kapitän der "Dagmar Aaen" den Kindern auch noch etwas ganz besonderes zu Weihnachten.



Die Kleinen dürfen zu uns an Bord. In Sekundenschnelle klettern zwölf Nachwuchssegler auf das Schiff. Zuerst gibt es eine Führung in jeden Winkel der "Dagmar Aaen". Mauro ist als Übersetzer im Dauerstress. In der Messe folgt dann eine Powerpoint - Präsentation über die Geschichte der Dagmar, über die Expeditionen und über die Arktis. Arved hat es sich nicht nehmen lassen, den Vortrag selbst vorzubereiten. Das Interesse ist riesengroß. Die 8 bis 12-Jährigen wollen alles wissen. Wieviele Leute braucht man zum Segelsetzen, wo schläft die Besatzung. In Seelenruhe beantwortet Arved alle Fragen. Fortan ist die "Dagmar Aaen" ein zentrales Gesprächsthema in Puerto Williams. Auch für uns als Crew sind die Tage ausgefüllt. Mit meterweise Schmirgelpapier wird das Eichenholz von den Spuren der gut 9000 Semeilen langen Reise an den Südzipfel der Erde befreit (Foto). Ab mittags folgen dann die Lackierarbeiten.
 



Zusätzlich werden die Wanten nachgespannt und Überholungen im Rigg vorgenommen. Arved genießt die Wartungsarbeiten am geliebten Dreizylinder Callesen-Diesel. Aber auch die Naturerlebnisse kommen ncht zu kurz. Wir wandern durch Urwald und verschiedene Vegeationszonen auf den 590 Meter hohen Hausberg von Puerto Williams (Foto) oder erleben die unberührte Natur am Ufer des Beagle Canal. Eines Abends gibt es eine spontane Jamsession in der Messe der "Dagmar Aaen". Keri aus Canada hat das internationale Segler - Orchester zusammengerufen: Sie selbst spielt die Ukulele, Nick sitzt an der Djembe, Greg (Foto) aus Neuseeland hat ein Elektrochello mitgebracht, Gabi gibt per Shaker den Rhythmus vor, Jacqui aus Korsika bedient virtuous das Akkordeon und Micha spielt Gitarre - mit Verständigung über Gehör entsteht klingende Völkerverständigung, wie sie besser nicht gelebt werden kann.



Prominenter Besuch kommt auch vorbei. Die "Wawa 2" ankert vor der südlichsten Kleinstadt der Welt. Die knapp 100 Meter lange Superyacht gehört Ernesto Bertarelli, dem jungen Milliardär, der mit seineer Segelyacht Alinghi 2003 erstmals für die Schweiz den America's Cup gewann. Standesgemäß geht es per Helicopter von Bord zum Einklarieren an Land.. Auch wenn wir ungläubig den Kopf schütteln - es ist spannend, solche Gegensätze zwischen unserer Art des Reisens und dem Jetset hautnah mit zu erleben. Im Ort selbst laufen die Vorbereitungen auf Sylvester. Eine Marineformation (Foto) übt in Galauniform mit Trompete und geschulterten Gewehren ein Zeremoniell für den Jahreswechsel - wir werden uns überraschen lassen. 
Matze Steiner