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19.10.2015: Fernando de Noroñha


Fernando de Noroñha


Nach 1391 Meilen, 296 Stunden, 37 Wachwechseln und im Schnitt 1,85 mal Backschaft haben wir den Atlantik überquert. Davon konnten wir die Hälfte segelnd zurücklegen. Am Anfang regte sich kein Lüftchen, die späteren Tage waren ein Seglertraum. Während der Fahrt musste kaum etwas an den Segeln getan werden. Mal etwas die Schoten auf oder dichter, ganz selten musste der Flieger geborgen und später wieder gesetzt werden.


In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober kam dann Land in Sicht. Zuerst nur ein Lichtschein am Horizont und später konnte man ein Feuer, die Konturen der Insel und Lichter der Häuser ausmachen. Die Suche nach einem geeigneten Ankerplatz wurde uns etwas erschwert. Bei der Annäherung stellte sich heraus, dass in der Bucht diverse Boote verschiedener Größe vor Anker lagen - nur wenige hatten Ankerlichter gesetzt. Entsprechend vorsichtig haben wir den Anker geworfen, um das Tageslicht abzuwarten und einen günstigeren Platz aufzusuchen.



Urlaubsparadies


Als wir dann endlich an Land kamen, wurden wir im Hafenbüro äußerst freundlich von Marcus dem Hafenkapitän begrüßt. Keine Minute und wir hatten bereits alle einen Cafesin - ein Käffchen - in der Hand. Schnell waren die Formulare ausgefüllt und Marcus überhäufte uns in Portugiesisch mit Informationen. Am Ende unserer Sprachkenntnisse wurde dann noch das Internet zur Hilfe genommen. Leider war die Policia Federal und die Marinepolizei nicht an einem Sonntag zu erreichen. Deren Einreiseprozedere verlangte den vollen Montag und Dienstag Vormittag.



Aber nun genießen wir diese wunderschöne Insel. Es ist ein brasilanisches Urlaubsparadies: Schnorcheln, Tauchen, Surfen, Strandbars, Delfine, Schildkröten, bunte Fische unter Wasser, nette Menschen, Eidechsen, Leguane, diverse Vögel über Wasser...


 


Volker Wenzel

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29.10.2015: Natal


Natal


Der mehrtägige Aufenthalt auf der Insel Fernando de Noronha bis zur Ankunft der neuen Crewmitglieder wurde ereignis- und abwechslungsreich. Da wir alle seit längerer Zeit keine ordentliche Dusche mehr genossen hatten, hofften wir auf die Sanitäranlage im Hafen, doch Fehlanzeige. Die einzige Möglichkeit zur Süßwasserdusche boten uns die Duschen an den Badestränden. Bemerkenswert waren auch massenweise auftretende Dunebuggies, eine Fahrzeugspezies, die bei uns seit den siebziger Jahren ausgestorben ist und die hier ihre zweite Blüte erlebt - allerdings mit dem altbekannten, stinkenden Käfermotor.


Kurz nach dem Crewwechsel lichteten wir dann am Morgen den Anker und hissten die Segel mit Kurs Natal an der brasilianischen Festlandsküste. Mal wieder kam der Wind von Backbord - auf den bisher über 1000 NM haben wir schon fast verlernt wie es ist, eine Wende zu fahren und mit Wind von Steuerbord zu segeln.


Gut, dass wir uns mit der Hafen-Etikette für unsere Einklarierung beschäftigt haben: Sie sieht eine bestimmte Kleiderordnung mit langen Hosen vor - sauberen versteht sich. So kramten wir unser bestes "Schapptüch" aus, um nicht wie die Piraten aus der Karibik zu erscheinen. Am Morgen des 22. Oktober sehen wir dann die Lichter der Stadt Natal, der südamerikanische Kontinent ist ohne große Zwischenfälle erreicht.



Club de Natal


Die enge Hafeneinfahrt trennt die hohen Sanddünen mit Freizeitangeboten auf der Nordseite von der Skyline der vielen Hochhäuser auf der Südseite. Wir genießen diesen Endpunkt der Atlantiküberquerung mit der Durchfahrt unter der Hängebrücke in Richtung Club de Natal, dem Yachthafen der Stadt. Na ja - Yachthafen ist etwas übertrieben, die meisten Segelboote liegen vor der Muring, da es kaum Stegplätze gibt. So paddeln wir an den Strand vor der Marina und viele von uns setzen damit das erste Mal ihre Füße in den weichen Sand dieses Kontinents.


Wir teilen uns auf und machen die notwendigen "Besorgungen": Die eine Gruppe fährt mit einem Taxi in die Stadt zum Einkaufen (inklusive einer kleinen Stadtrundfahrt, damit auch der Taxifahrer etwas davon hat), Frauke und Volker kümmern sich um den Behördenkram.  Da die Hürden der sprachlichen Verständigung unüberwindlich erscheinen, wird die PC-Tastatur des Hafenbüros hin- und hergereicht, um sich über ein Übersetzungsprogramm zu verständigen. Das klappt sehr gut und so können bald die weiteren Einklarierungsgänge getätigt werden.


Nach einigem Suchen finden wir am Nachmittag hinter einem größeren Fischerboot den Dieseltank zur Versorgung der Schiffe und gehen längsseits. Während des Tankens bekommen wir Besuch von den Fischern und dem Dieselhändler. Dieser bringt uns überraschend Kokosnüsse als Erfrischung mit und schenkt uns zwei Flaschen brasilianischen Rum (natürlich nur für kalte Tage!). Wir sind alle ziemlich erstaunt ob solcher Gastfreundschaft!



Der Vollmond gibt sich alle Mühe, uns den Weg zu leuchten



Am kommenden Tag gehen wir wieder Anker auf und laufen in Richtung Süden. Einige von uns sitzen an Deck und lesen, u. a. die spannenden Erlebnisse des Gunther Plüschow, der in den Anfängen des letzten Jahrhunderts mit einem Segelkutter von Büsum nach Feuerland fuhr - auf fast der gleichen Route wie die "Dagmar Aaen" sie nun eingeschlagen hat.
Am Himmel erscheint nun nachts das Kreuz des Südens und Jupiter, Mars und Venus geben sich ein Stelldichein. Der klare nächtliche Himmel begeistert uns, der Vollmond gibt sich alle Mühe, uns den Weg zu leuchten.


Aber das ist nicht Alles: Am folgenden Morgen sehen wir in der Ferne einen Buckelwal springen und in den flachen Küstengewässern umstreifen uns zwei Zwergwale, die dann auch ganz dicht neben der "Dagmar Aaen" auftauchen.


Dirk Schröder-Brandi


 

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17.11.2015: Punta del Este


Punta del Este


Den Zuckerhut und Rio de Janeiro hat die "Dagmar Aaen" hinter sich gelassen. In der brasilianischen Metropole sind Fabian, Lara und Volker neu zur Crew gestoßen und durften wie der Rest der Mannschaft in den Folgetagen die Vorboten der Stürme um Kap Hoorn genießen.


Kurz vor Beginn des Wochenendes fing es an zu wehen, anfänglich kam der Wind mit 8 Bft von achtern, weshalb Volker versuchte, unter Maschine in Richtung Land zu laufen, um den Südwind sehr dicht unter Land auszuweichen. Der Haikutter erreichte dabei immerhin 8 Knoten Fahrt. 


Doch die Verhältnisse verschlechterten sich zunehmend. Am Samstag ging nichts mehr, Windstärke 9  gegenan, die "Dagmar Aaen" trieb leicht nach Osten ab, Volker entschied sich, beizudrehen.  Im weiteren Verlauf des Tages blies der Wind mit zum Teil 40 Knoten, Mannschaft und Schiff wurden stark beansprucht und gefordert.


Erst nach und nach nahm der Wind auf 20 Knoten ab, teilweise trieb das Schiff mit 5 Knoten ab, die Driftgeschwindigkeit betrug 2,2 Knoten. Trotz dieser widrigen Umstände erreichte die "Dagmar Aaen" pünktlich den Hafen von Punta del Este in Uruguay, wo unser langjähriges Crewmitlied John an Bord gehen wird.


Spätestens in der ersten Dezemberwoche soll das Schiff dann in Ushuaia einlaufen - dann wird auch Arved Fuchs wieder an Bord gehen, um die anstehenden Projekte rund um Kap Hoorn und die antarktische Halbinsel anzugehen.

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07.12.2015: Ushuaia


Ushuaia


Nach der Ankunft der "Dagmar Aaen" in der vergangenen Woche hat am Wochenende nun ein erneuter Crewwechsel stattgefunden. Arved Fuchs ist erstmals nach der Etappe auf den Bissagos-Inseln wieder an Bord des Haikutters und hat das Schiff von Volker Wenzel übernommen. Am Sonntag um 15:50 Uhr Ortszeit kam Fuchs gemeinsam mit Fabian Schlüssel und Michael Stockmann in der Hauptstadt der Provinz Tierra del Fuego an und verschaffte sich einen Überblick.


Wenzel wird nach der Übergabe in einen wohlverdienten Weihnachtsurlaub gehen, um sich von der langen Reise von Hamburg über Afrika und Brasilien bis nach Ushuaia (Foto) zu erholen. Ebenfalls von Bord gegangen sind Lara Winkler, Fabian Reith, Jan Kannengießer und Volker Janke. Noch in dieser Woche werden jedoch die Filmleute der Topas Produktionsgesellschaft an Bord gehen, um mit den Dreharbeiten für die geplanten TV-Dokumentationen "400 Jahre Kap Hoorn" und "Silberkondor über Feuerland" zu beginnen.


Bei der Ankunft in Ushuaia war strahlender Sonnenschein bei kühlen 4 °C mit 40 Knoten Wind, der sich über die Nacht wieder beruhigt hatte. Einen ausführlichen Bericht von Arved Fuchs gibt es in den kommenden Tagen.

11.12.2015: Ushuaia

Ushuaia


Endlich wieder an Bord! Es ist schon ein tolles Gefühl, die "Dagmar Aaen" dort im Yachthafen von Ushuaia liegen zu sehen. Als sei das selbstverständlich, dabei liegen über 9.000 Seemeilen hinter dem Schiff, seit es am 5. August in Hamburg losgefahren ist. Für Volker, der die ganze Reise verantwortlich an Bord war, davon den größten Teil als Kapitän, beginnt erst einmal der wohl verdiente Urlaub. Anfang Januar kommt er dann wieder an Bord, um die Antarktisreise mitzufahren.


Aber nicht  nur Volker sei an dieser Stelle Dank gesagt - mein Dank gilt der gesamten Crew, die das Schiff sicher und wohl behalten hierher gebracht hat. Das Schiff befindet sich in einem guten Zustand. Man sieht es der "Dagmar Aaen" wirklich nicht an, was hinter ihr liegt. Leider gibt es viel Bürokratie mit Ein- und Ausklarieren, aber da muss man durch. Inzwischen liegen wir schon in Puerto Williams, in Chile.


Von hier aus geht es morgen in Richtung Kap Hoorn. Das Wetter war bisher sehr schlecht: stürmisch und kalt. Hier ist immerhin Sommer. Zudem gab es Nachtfrost und es hat geschneit. Das finden selbst die Einheimischen sehr ungewöhnlich. Ab Sonntag soll es aber besser werden. Die chilenische Marine ist sehr hilfsbereit und fördert unser Filmprojekt über Kap Hoorn. Im Januar sind es 400 Jahre, dass Kap Hoorn zum ersten Mal umsegelt worden ist. darüber machen wir mit der TOPAS Filmproduktion eine Dokumentation für das ZDF. Es ist schon wirklich eine wilde Gegend hier.


Der kleine Yachtclub in Puerto Williams besteht aus einem vor vielen Jahren gesunkenen ursprünglich deutschen Rheindampfer. Er dient jetzt als Yachtclub, an dem Yachten aus aller Herren Länder festmachen. In der Micalvi ist es urgemütlich, es gibt Duschen, eine Bar und Aufenthaltsräume, an deren Wänden die Flaggen und Andenken weit gereister Yachten hängen. Aber jetzt geht es erstmal zu der "Mutter aller Kaps" - dem  Kap Hoorn. Ich werde berichten...


Arved Fuchs