Expeditions-Logbuch
07.01.2016: Sturmtief
Das Kap zeigt seine Zähne!
Über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel konnte man fast den Eindruck gewinnen, dass das Wetter der Kap Hoorn Region weit besser ist als sein Ruf. Milde 25 °C in der Sonne, blauer Himmel und eine schwache Brise ließen Erinnerungen an einen norddeutschen Sommer wach werden.
Mit dieser Beschaulichkeit ist es endgültig vorbei. Die Kap Hoorn Station meldet Windstärken zwischen 40 - 58 Knoten und eine Wellenhöhe von 6 m - und das schon seit Tagen. Die Prognose für die nächsten fünf Tage: Eine Wetterbesserung ist nicht zu erwarten. Der Wind soll eher noch zulegen. Gestern haben wir mit Osvaldo zusammengesessen. Osvaldo ist der Eigner und Skipper der "Polarwind", einer robusten und komfortabel eingerichteten Stahlyacht. Osvaldo ist Chilene und hat früher u. a. als Leuchtturmwärter auf Kap Hoorn gearbeitet. Ganz allein ist er dort gewesen. Seine Schilderungen über die Stürme, die er dort erlebt hat, stimmen nachdenklich.
Draußen ist derzeit der Teufel los
Bei einem Sturm hat es die mit Stahlseilen gesicherte Unterkunft um 10 cm angehoben. Bei der "Landung" sind alle Fenster zerbrochen. "Bei Kap Hoorn muss man immer noch etwa 15 Knoten Windgeschwindigkeit zu Wetterprognosen hinzurechnen", sagt Osvaldo. Kap Hoorn ist nicht nur ein Mythos, Kap Hoorn trägt seinen schlechten Ruf zurecht.
Die chilenische Marine hat gestern wegen der aktuellen Wetterlage vorausschauend extra einen größeren und leistungsstärkeren Hubschrauber nach Puerto Williams angefordert und stationiert, für den Fall, dass irgendwelche Seenoteinsätze erforderlich sein sollten.
Zusammen mit zahlreichen anderen Yachten aus aller Welt liegen wir seit Tagen in Puerto Williams und warten gemeinsam auf besseres Wetter. Überall aufgeklappte Laptops, vor denen Crews sitzen und sich gemeinsam die Wetterdaten anschauen. Skipper, die an der Reling stehen und sich mit krauser Stirn besprechen, überall nachdenkliche Gesichter. Hier sind alle sicher! Aber ein Blick auf den Beagle Canal lässt keine Fragen offen. Da steht eine "gute 6 Beaufort" mit 1,5 - 2 m Welle aus West - und das ist das geschützte Innenfahrwasser. Draußen ist derzeit der Teufel los.
Wir können nur abwarten, bis das Sturmtief durchgezogen ist...
Arved Fuchs

