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Expeditions-Logbuch

25. April 2022

19.02.2016: Melchior Island


Warten auf den günstigen Wind


Man wird bescheiden in diesen Breiten. Günstiger Wind - was ist das? Ganz bestimmt nicht Windstärke 7 - 8 genau gegenan bei Wellenhöhen von 5 bis 6 Metern. Und wohl noch weniger Orkanböen, die gestern mit 77 Knoten, entsprechend 142 km/h, über die Drake Passage hinweggezogen sind. Das entspricht Windstärke 13. Die Wellen wachsen dann auf 9 -10 Meter Höhe an. Entsprechend eindeutig ist die Empfehlung des Seewetteramtes Hamburg, das uns berät: "Abwarten!".


Die Warnungen in den Wind zu schlagen - um im Bild zu bleiben - wäre unseemännisch und dumm. Schwer ist nur die Abwägung, was ist vertretbar und was nicht? Man kann hier unten nicht auf anhaltend ruhiges Wetter hoffen. Die Drake Passage hat nicht umsonst einen notorisch schlechten Ruf. Sind also schon 5 Windstärken gegenan bei 3 - 4 Meter Welle günstig zu nennen? Was ist vertretbar und was leichtsinnig? Die Sturmtiefs ziehen sich wie Perlen auf die Schnur gezogen hintereinander hier durch. Natürlich haben nicht alle Orkanstärke. Aber 40 Knoten gegenan ist für ein so kleines Schiff einfach zuviel.


Nicht das es unbedingt bedrohlich wäre - aber man würde keine Seemeile weiter kommen sondern beigedreht liegen und abwettern. Dann doch besser hier bei den Melchior Inseln in einer gut geschützten Bucht abwarten. Nächste Woche soll das Wetter kurzfristig besser werden. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Aber bekanntlich liegt in der Ruhe die Kraft. Und mal ehrlich - ist es nicht sogar ein Privileg ein wenig länger als geplant unter den Pinguinen, Robben und Walen in einer fantastischen Landschaft zu verweilen? Nein - uns geht es gut und wir werden auf günstigen Wind warten!
Arved Fuchs

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