Expeditions-Logbuch
30. Juli 2026
Westward bound
Die Dagmar Aaen ist seeklar. Jede Menge Proviant ist an Bord gekommen. Nuuk war unsere letzte Chance, frisches Gemüse einzukaufen. Frühestens in drei Wochen werden wir wieder die Möglichkeit haben, einen Supermarkt an der Küste von Labrador zu besuchen. Die Frischwassertanks sind randvoll.
Auch Diesel haben wir gebunkert. Einen Großteil des Treibstoffs für Grönland wird übrigens von der Bremer Reederei German Tanker Shipping geliefert. Die Seacod ist ein 40.000 Tonnen Produktentanker mit Eisklasse und läuft fünfmal im Jahr die Hauptstadt an. Kerosin für den Flughafen und Diesel für die Generatoren des Kraftwerks sind die wichtigsten Sorten.
An Deck der Dagmar Aaen sind alle beweglichen Gegenstände seefest gelascht. Die letzten sonnigen Tage in Nuuk haben wir auch genutzt, um diverse Lackarbeiten abzuschließen. Ein kulinarisches Highlight für uns alle war der Besuch bei unserem Dänischen Freund Claus (er ist der einzige Repräsentant der Werkzeugfirma Würth auf Grönland) und seiner in Kolumbien aufgewachsenen Bekannten Anette. Anette ist Veterinärin bei der dänischen Fischereiaufsicht und lebt seit einem halben Jahr in Nuuk. Für unseren Besuch in ihrer Wohnung mit Seeblick hat sie extra ein original kolumbianisches Chili con Carne gezaubert. Köstlich! Ein fröhlicher Abend mit guten Gesprächen am großen Tisch unserer Gastgeber.
Angesprochen auf die Kaufgelüste von Donald Trump ernten wir energisches Kopfschütteln. Anette meint, Trump halte die Grönländer wohl für eine Horde Ungebildeter, aber Ihrer Meinung nach seien die Einheimischen smart und clever – und extrem höflich. Nur deshalb sei es noch nicht zur Eskalation gekommen.
Nicht umsonst gibt es in vielen Geschäften T Shirts zu kaufen mit der Aufschrift: Greenland is not for sale!
Die letzten Stunden vor dem Auslaufen nutzen wir für eine ausgiebige Dusche im Seemannsheim von Nuuk. Und dann geht es los. Bei ruhiger See laufen wir aus. Unter zweifach gerefftem Groß, Fock und Klüver segeln wir Kurs West-Süd-West. Unser ursprünglicher Plan war, Baffin Island anzusteuern.
Aber daraus wird nichts. Dort oben hat es eine Eisbedeckung von 9/10. Keine Chance zum Durchkommen. Deshalb haben wir den Kurs nun abgesteckt auf die Nordspitze von Labrador, dort soll die Eislage unproblematisch sein. Es geht einmal quer über die Davisstrait, das Seegebiet zwischen Grönland und Kanada. Rund 440 Seemeilen liegen vor uns. Gleich am ersten Abend bringt der zunehmende Seegang viel Bewegung ins Schiff. Einige von uns erwischt die verhasste Seekrankheit. Mich auch. Es ist zum Kotzen… Jede Bewegung fällt schwer. Das Anziehen der vielen Lagen Klamotten vor der Wache wird zur heftigen Anstrengung und man träumt die ganzen vier Stunden davon, schnell wieder in die warme Koje zu kommen. Aber es gehört halt dazu. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist es extrem neblig um uns herum. Die See hat sich beruhigt, unsere Lebensgeister sind zurückgekehrt. Wir freuen uns auf Labrador!










