Expeditions-Logbuch
16. Juli 2025
Die Farbe des Wassers
In den letzten Tagen haben wir „Meilen gemacht“. Nach unserem Besuch in Visby auf Gotland hatten wir noch einen kurzen Zwischenstop in Kalmar an der Schwedischen Ostküsteeingelegt und danach ging es in einem Rutsch rund um die Schwedische Südspitze und wieder nach Norden. Vorbei an Kopenhagen, durch das Kattegat bis hoch nach Strandby, einem kleinen Hafen kurz unterhalb der Nordspitze von Dänemark. Auf der gesamten Strecke hatten wir leider eine verlässliche Konstante: Den Gegenwind. An Segeln war fast nicht zu denken. Die rund 370 Seemeilen mussten wir deshalb mit tatkräftiger Unterstützung unseres Callesen Diesel zurücklegen. Da das Wetter in der Nordsee (unserem nächsten Ziel) auch mal sehr rauh sein kann und uns zu ungewollten Hafenaufenthalten zwingen könnte, wollte Arved einen zeitlichen Puffer erarbeiten. Deshalb die lange Maschinenfahrt.
Genutzt wurde die Zeit auf See für diverse Messungen. Eine der Messreihen betreut Richard . Beim Auslaufen in Kalmar kletterte er gut gesichert an die Spitze des Klüverbaums der Dagmar Aaen. Dort montierte er eine Kamera, die direkt nach unten, also auf das Wasser gerichtet ist. Täglich von 09.00 bis 21.00 Uhr macht die Kamera Aufnahmen von der Wasseroberfläche. Vier mal die Stunde. Die gesammelten Fotos formatiert Richard jeden Abend und lädt sie dann in eine Datenbank hoch. „Eye on water“ nennt sich diese Messreihe. Was das ganze soll, erklärt Professor Oliver Zielinski, der Chef des Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde: „Mit den Bildern der Wasseroberfläche kann man auf die Farbe des Wassers zurückschließen. Man kennt das ja: mal grün, mal braun, mal blau – je nachdem, ob Algen, Sedimente oder gelöste Stoffe enthalten sind. Die Wasserfarbe ist ein Indikator für die Gesundheit oder den Zustand des Meeres. Mit der Kamera werden hunderte Bilder automatisch aufgenommen, und die Wasserfarbe und -qualität entlang des gesamten Weges mitprotokolliert. Die Bilder landen im Eye-on-Water-Portal. Dort können alle Interessierten aktuelle Daten einsehen. Das ist Teil der Bürgerbeobachtung. Auch die Wissenschaft nutzt diese Daten mittlerweile intensiv. Noch vor zehn Jahren war Citizen Science verpönt.
Heute ist das anders: jede Messung zählt. Gerade in wenig erforschten Gebieten wie der zentralen Ostsee ist jeder Datenpunkt wertvoll. Und Modelle können heute mit solchen Daten auch gut umgehen, selbst wenn sie nicht auf sechs Kommastellen genau sind“ – soweit Professor Oliver Zielinski. Auf unserer Ocean Change 2025-Seite können die Bilder entlang unserer Fahrtroute eingesehen werden. Dort gibt es dann auch vertiefende Informationen zum „Eye on Water“ Projekt. Unser nächstes Ziel ist die Nordsee.
(Matze)
Position: 57.493429, 10.508637











