Zum Hauptinhalt springen

Expeditions-Logbuch

25. Juli: Wetterumschwung auf Sable Island

Sable Island


Position: 44°05'64 N - 59°47'30 W


Für mich ist mit dem Erreichen von Sable Island ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Es ist sehr schwierig, dort hinzukommen und das hat drei Gründe.
1. ... ist es schwierig, eine Genehmigung für Sable Island zu bekommen
2. ... ist das Wetter häufig so stürmisch, dass auf die Küste eine hohe Brandung aufläuft. Dadurch wird ein Anlanden unmöglich.
3. ... herrscht häufig dichter Seenebel. Wenn es also mal nicht stürmisch ist, ist es meist neblig, was ein Anlanden ebenfalls erschwert oder gar unmöglich macht.
Bei unserem Eintreffen sieht es günstig aus. Es ist schwach windig und der Nebel, der uns vom Festland begleitet hat, hat sich verzogen. Wir können etwa 300 Meter vor der Küste in zehn Meter Wassertiefe vor Anker gehen. Über Funk habe ich uns angemeldet und am Strand werden wir von dem Stationsleiter Gerry Forbes freundlich empfangen. Als Gastgeschenk haben wir zwei Ananas und zwei Melonen mitgebracht. Wir bekommen eine kurze Einweisung bzw. Verhaltensregeln mit auf den Weg, dann können wir uns frei bewegen.
Es ist eine grandiose Dünenlandschaft, mit weißen Sandstränden, an denen sich hunderte von Robben aalen. Die berühmten Wildpferde Sable Islands haben keine natürlichen Feinde und sind daher sehr zutraulich. Man muss sich nur hinsetzen und schon kommen sie neugierig zu einem heran.


Auflandiger Wind


Es gibt rund 300 Pferde auf der Insel. Irgendwie wirkt Sable Island wie eine einsame Version von Sylt. So muss es einmal ausgesehen haben, bevor die Insel besiedelt wurde. Sable Island ist den Wissenschaftlern vorbehalten und nur sehr selten kommen Besucher wie wir hierher. Es gibt eine große Wetterstation, die uns der Stationsleiter Gerry zeigt, sowie Botaniker und einige Biologen.
Sable Island gilt als der Schiffsfriedhof des Nordatlantiks. Über 250 Wracks sollen entlang der Küste im Sand vergraben liegen. Die Insel ist niedrig und nur schwer von See auszumachen. Bei Sturm und Nebel sind häufig Schiffe aufgelaufen und zerschellt. Wie schnell das Wetter umschlägt erleben wir abends. Der Wind hat auf Nordwest gedreht und aufgefrischt - und plötzlich steht eine hohe Brandung auf dem Strand. Das Abbergen der Landgruppe wird zu einem echten Abenteuer und gestaltet sich schwierig. Wir alle sind wie aus dem Wasser gezogen, aber das macht uns nichts aus - dafür waren wir auf Sable Island.
Das Wetter wird so ruppig, dass wir sogar den Anker hieven müssen und weiter draußen auf See beidrehen. Wir hoffen auch noch am nächsten Tag an Land kommen zu können, aber daran ist überhaupt nicht zu denken. Gerry fährt mit seinem Allradjeep extra an den Strand, um die Lage für uns abzuschätzen. Über Funk sprechen wir miteinander, sein Urteil fällt eindeutig aus: Zu hohe Brandung, analnden derzeit nicht möglich. Wir hoffen noch auf eine Wetterberuhigung, statt dessen wird der Wind noch stärker.
Wir können hier nicht mehr bleiben, da auflandiger Wind herrscht und wir Abstand zur Insel gewinnen müssen. Unsere Besuchererlaubnis hat sich auf zwei Tage erstreckt. Damit ist klar, dass es bei der einen Anlandung bleiben wird. Aber immerhin - alle von uns waren auf Sable Island, und das ist aus den oben genannten Gründen wirklich keine Selbstverständlichkeit. Natürlich hätten wir alle gerne den zweiten Tag wahrgenommen - aber die Insel hat uns nur den einen gewährt und dafür sind wir dankbar. Sable Island ist auf jeden Fall ein absolutes Highlight dieser Reise.
Nicht die Zeit, die man dort verbringt ist das Entscheidende, sondern die Intensität, mit der man diese Atlantikinsel erfährt...
 


Expeditions-Logbuch

(21. Juli: Eintreffen in Lunenburg)
(11. August: Schnelle Atlantiküberquerung mit Walbegleitung)