Expeditions-Logbuch
11. August: Schnelle Atlantiküberquerung mit Walbegleitung
Atlantik
Position: 48°53'80 N - 31°50'38 W
Heute ist der zwölfte Tag seit dem Aufbruch von St. John's und ich schätze, dass wir in drei bis vier Tagen in Irland eintreffen werden. Damit ist es tatsächlich eine schnelle Reise geworden, immerhin beträgt die Distanz zwischen Neufundland und Irland fast 3.200 Kilometer. Wir haben aber auch Glück mit dem Wetter gehabt. Es gab keinen Sturm, der auf dieser Route eigentlich immer eingeplant werden muss. Statt dessen hatten wir eher mit Seenebel zu tun, der zeitweilig so dick war, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Nicht nur, dass die Sicht schlecht war - es ist zugleich auch die Nässe und das bedrückende Gefühl, wie unter einer Käseglocke zu leben, was einem zu schaffen macht.
Zudem muss man ständig auf das Radar schauen, um nicht ein entgegenkommendes Schiff zu übersehen. Ohne Radar möchte ich hier nicht unterwegs sein. Aber nach vier bis fünf Tagen wurde der Nebel dann etwas lockerer und die Sicht zwangsläufig besser. Der Wind kam meistens aus Südwest in den Stärken 4 - 5 Beaufort, was für uns geradezu optimale Bedingungen darstellte. So sind wir fast immer auf Backbordbug gelaufen - häufig mit Vollzeug. Es ist einfach ein tolles Segeln gewesen.
Seit heute haben wir leider Flaute und müssen zeitweilig unter Maschine fahren
Unterbrochen wurde der Bordalltag immer wieder durch Wale und / oder Delphine, die irgendwie fast täglich gesichtet wurden. Gerade eben haben wir einen großen Pottwal gesichtet, der sich offenbar an der Wasseroberfläche ausgeruht hat und auch keine Scheu vor uns hatte. Seit heute haben wir leider Flaute und müssen zeitweilig unter Maschine fahren. Das Azorenhoch hat uns voll im Griff und damit ist der Wind leider auf Null zurückgegangen. Der Atlantik ist heute so ruhig wie ein Baggersee - na ja beinahe...
Während der gesamten Überfahrt sind wir vom Seewetteramt Hamburg täglich beraten worden und konnten unsere Route so legen, dass wir den Wind immer optimal ausnutzen konnten. Dank moderner Satellitentechnik können die Wetterdaten heute problemlos per Mail an Bord übermittelt werden.
Das Leben an Bord während einer solchen Überfahrt ist von dem Wachsystem bestimmt. Wir gehen drei Wachen, d. h. die erste Wache beginnt um Mitternacht und geht bis vier Uhr morgens. Danach zieht die 4-8-Wache auf und danach die 8-12-Wache. Danach wiederholt sich der Vorgang, die erste Wache ist jetzt von 12 bis 16 Uhr für das Schiff verantworltich usw.
Pro Wache sind jeweils zwei Personen eingeteilt, als Skipper bin ich wachfrei, aber dafür auch jederzeit "on call", wie man sagt. Der Vorteil an diesem System ist, dass ich mich immer einbringen kann, wenn es erforderlich ist, aber in kein festes Wachsystem eingebunden bin.
Nebenbei sind die jeweiligen Wachen auch noch für eine Mahlzeit zuständig. Da wir auf dieser Etappe leider keinen Koch an Bord haben, müssen wir das selbst in die Hand nehmen. Die Essenszeiten sind auf die Wachen abgestimmt, d. h. Frühstück ist von 7:30 bis 8:30, Mittag von 11:30 bis 12:30 und Abendessen von 19:30 bis 20:30 Uhr.
Zwischendurch muss Brot gebacken werden, täglich ist einer aus der Crew für die Backschaft zuständig, d. h. Geschirr spülen sowie die Klos und Waschbecken reinigen und die Böden im gesamten Schiff fegen und wischen. Also Langeweile kommt da wirklich nicht auf.
Ich schätze, dass wir am 15. in Dingle eintreffen werden und dort erwartet und schon das nächste Kamerateam. Zunächst brauchen wir aber eines ganz dringend und vorrangig - und das ist eine Dusche!
